Das Vizconde Massaker 5

Zertifizierungen der US-Regierung

 

Die wichtigsten und überzeugendsten Beweise für die Verteidigung waren die Zertifizierungen durch die US-Regierung, in der diese darauf hinwieß, dass Hubert am 9. März 1991 in die USA einreiste und erst am 26. Oktober 1992 wieder verließ. Das NBI hat eng mit der US-Botschaft zusammen gearbeitet, um die Informationen über den Verbleib Huberts in Amerika zu bekommen. In seiner eidesstattlichen Erklärung von 1995, erklärte der FBI Attaché für Rechtsfragen, Robert Heafner, er sei seit Dezember 1991 „tief involviert“ die philippinische Regierung zu unterstützen und wichtige Informationen über Huberts Aufenthalt in den USA zu dokumentieren. Während der frühen Phase des Verfahrens, wurde Heafner von dem Parañaque Gericht vorgeladen, um als Zeuge über den Vizconde Fall auszusagen. Dies, obwohl bekannt war, dass aufgrund seines diplomatischen Status, er als Zeuge keine Aussage tätigen durfte. Er zog sich erst im Jahr 1998 aus dem FBI zurück.

Heafner sagte, dass am 27. Dezember 1991 der damalige NBI Direktor Alfredo Lim und der NBI-Vizedirektor Epímaco Velasco zu seinem Büro in der US-Botschaft kamen, um Hubert Webbs Aufenthalt in den USA zu überprüfen. In seiner Antwort vom 10. Januar 1992 schrieb Heafner an Lim, über die ursprüngliche Feststellung, dass Hubert am 9. August 1991 einen kalifornischen Führerschein erhalten hatte, in dem seine Adresse in Anaheim, Kalifornien stand. Der Brief zeigte auch persönliche Informationen über Hubert

auf der Grundlage seines Visumantrages bei der US-Botschaft. Heafner sagte das FBI bestätigte, dass Hubert seine Lizenz am 14. Juni 1991 erhielt, die am 19. August 1991 im Computer erfasst wurde. Am 6. Juli 1993 schrieb Heafner dem NBI Direktor Velasco eine Bestätigung, dass Hubert bezogen auf die FBI-Untersuchung, 1991 in die USA einreiste.

„Eine Überprüfung der US-Regierung ergab, dass Hubert Webb, geboren am 7.11.68 in den Philippinen, am 9.3.1991 in San Francisco (Kalifornien), in den Vereinigten Staaten eintraf.“ sagte Heafner in seinem Brief. Die Informationen kamen von der US-Einwanderungsbehörde, Büro in San Francisco und von der US INS Zentrale in Washington, DC. Heafner sagte weiter, eine Überprüfung des ‚US Customs Enforcement Treasury Computer System I-94‘ der Ein- / Ausreise-Datensätze, ergab die gleichen Informationen. Er betonte, dass zwei Agenturen, die INS und US Customs Service, unabhängig von einander die Ankunft von Hubert Webb in den USA bestätigten. „Wenn ein Besucher in die Vereinigten Staaten kommt,“ sagte er, „die US-INS stempeln den Tag der Anreise sowohl in den Pass des Besuchers als auch in das ‚I-94‘ Formular.“

Heafner wies darauf hin, dass aufgrund der Informationen über Huberts Ankunft in den USA, man dem NBI dazu geraten hatte, die Untersuchungen gegen Webb nicht weiter als Verdächtigen fortführen. Teilweise auch wegen der Eintragungen der US-Regierung, die zeigten, dass er in den USA war. Er sagte, das NBI forderte keine weiteren Informationen aus US-Quellen bis zum Juni 1995 an, als sein stellvertretender Direktor, Antonio Aragon, anfragte wegen Huberts Beschäftigung, seinen Kontakten in den USA und seines Ausreise Eintrags. Am 7. Juli 1995 fragte der damalige NBI Direktor Mariano Mison die US-Botschaft, den Hintergrund von Alex del Toro, dem Ehemann von Rose Manlapit, Huberts Verwandter in Erfahrung zu bringen. Del Toro hatte ausgesagt, dass Hubert für ihn arbeitete vom 11. Juni – 10. Juli 1991 in seinem Schädlingsbekämpfungs Unternehmen. In seinem Brief an Mison vom 17. Juli 1995, sagte Heafner, die FBI-Außenstelle in Los Angeles, Kalifornien bestätigte, dass del Toro eine Umweltfirma in South Laguna Beach, Kalifornien besitzt.

Hubert, so das FBI, arbeitete für das Unternehmen seit Juni 1991 auf Bereitschafts-Basis. Als Beweis hatte del Toro Unternehmensabrechnung vorgelegt, die belegten, dass Hubert einen Scheck über $ 150 am 10. Juni 1991 erhielt und einen weiteren über $ 290,25 am 16. Juni 1991. Heafner erzählte Mison, dass del Toro auch Hubert Aufträge zu unterschiedlichen Terminen im Juni 1991 erteilte, einschließlich am 28 Juni. Um zu überprüfen, wer die Schecks einreichte und auszahlen ließ, bekam das FBI Kopien der Dokumente del Toros und stellte fest, dass die Schecks von Hubert auf der Rückseite unterschrieben und an ihn ausbezahlt wurden.

Ein weiterer entscheidender Beweis lieferte John Pavlisin, Eigentümer von Orange Cycle, einem Fahrradgeschäft in Orange City, Kalifornien. Eine Überprüfung der Aufzeichnungen Pavlisins zeigte, dass er Hubert am 30. Juni 1991 ein Cannondale Fahrrad verkaufte. Heafner sagte, Pavlisin verwies darauf, dass er seit 26 Jahren im Geschäft ist und alle seine Fahrradverkäufe aufzeichnet. Er hatte eine doppelte Quittung für Hubert ausgestellt und „als legitim bestätigt.“ Das Original war auf Elizabeth Webb, Huberts Mutter ausgestellt worden.

Doch das FBI interviewte auch andere Personen, die Huberts Präsenz und Beschäftigung in den USA bestätigten. Am 25. Juli 1995, schrieb Heafner dem damaligen Justizminister Teofisto Guingona als Reaktion auf Anfragen von Regierungsbeamten. Heafner bekräftigte, dass nach FBI-Akten, Moreen Auyeung, Aufsichtsbeamtin des US INS in San Francisco sagte, dass sie am 16. Januar 1992 bestätigte, dass Hubert am 9. März 1991 mit einem Nichteinwanderungsvisum ins Land kam. Eine Überprüfung durch das FBI Büro Washington zeigte auch, dass Hubert an diesem Tag in die USA kam. Der US-Zoll überprüfte auch Huberts Ankunft in den USA.

Beglaubigte Kopien von Dokumenten des ‚California Department of Motor Vehicles‘ zeigten auch, dass Hubert am 5. Juli 1991 ein Auto kaufte. Am 30. August 1995 bat die philippinische Botschaft in Washington, DC, das US-Außenministerium Huberts Ankunft und Abreise aus den USA zu überprüfen. Am 1. September übergab das US-Außenministerium eine diplomatische Note, die besagt, dass sowohl die US INS als auch ein weiterer Computerausdruck bestätigten, dass Hubert die USA am 9. März 1991 betrat und am 26. Oktober 1992 wieder verließ. Die Dokumente wurden von US-Justizministerin Janet Reno und US-Staatssekretär Warren Christopher authentifiziert. Am 24. Januar 1997, schrieb Steven Bucher, amtierender Chef der Records Services Branch der US INS, an Phillip Antweiler vom US-Außenministerium, dass die amtlichen Aufzeichnungen zeigten, dass Hubert in den USA am 9. März 1991 ankam und am 26. Oktober 1992 verließ.

Huberts Abflug wurde am 29. Juni 1995 zertifiziert durch das ‚Bureau of Immigration and Deportation‘, dass er in Manila am 27. Oktober 1992 aus den USA ankam, mit Philippine Airlines Flug 103 PR zusammen mit seiner Mutter Elisabeth und seinem Bruder Michael. Agnes Tabuena von PAL bestätigte ebenso, dass Hubert den Philippine Airlines Flug von Los Angeles nach Manila zu diesem Zeitpunkt bestieg. Huberts PAL Ticket zeigte als Abreisedatum den 26. Oktober. Das ‚Bureau of Immigration‘ stempelte den 27. Oktober in Huberts Pass als Ankunftsdatum in Manila.


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Webb, Lejano, Fernandez, Rodriguez, Estrada und Gatchalian wurden am 4. September 1995 angeklagt, worauf sie Kautionsanträge einreichten, die abgelehnt wurden. Schon vor und während der Verhandlung reichte Hubert mehrere Anträge gegen Richterin Tolentino wegen Befangenheit ein. Dokumente des Supreme Courts zeigten, dass Hubert und Biong eine Petition gegen Tolentino vor ihrem Gerichtsverfahren am 21. August 1995 einreichten. Hubert Webb behauptete, Tolentino habe Reportern erzählt, da er sich nach der Ausstellung des Haftbefehls gegen ihn, sich selbst der Polizei stellte, sei „ein Zeichen für ein Schuldanerkenntnis.“ Tolentino wies die Petition zurück.

Zwei Tage später reichte Hubert einen zweiten Antrag gegen Tolentino ein. Biong stellte einen ähnlichen Antrag. Die Richterin lehnte beide Anträge ab. Huberts Schwierigkeiten wurden durch seine Allergie (Skin Asthma) verschlimmert. Richterin Tolentino war keine Hilfe in seinem Fall. Am 21. September 1995 reichte er einen dringlichen Antrag ein, im Krankenhaus behandelt zu werden, klagte darüber, dass schlechte Bedingungen in dem kommunalen Parañaque Gefängnis seine Hautkrankheit verschlimmern würden. Tolentino lehnte den Antrag am 16. Oktober ab.

Die Verdächtigen stellten einen Kautionsantrag, ihr Fall wurde als nicht kautionsfähig abgelehnt.

 

Fortsetzung folgt …

 

Alle bisherigen 6 Artikel zum Fall:

Das Vizconde Massaker 1
Das Vizconde Massaker 2
Das Vizconde Massaker 3
Das Vizconde Massaker 4
Das Vizconde Massaker 5
Das Vizconde Massaker 6