Das Vizconde Massaker 3

Verbliebene Fragen im Vizconde Fall

Während der Untersuchungen hat das NBI am 22. Mai 1995 eine eidesstattliche Erklärung seiner Kronzeugin Maria Jessica M. Alfaro vorgelegt, die behauptete mit Hubert Webbs Gruppe zusammen gewesen zu sein, als sie die Vizcondes töteten. Das NBI präsentierte auch die eidesstattliche Erklärungen von Nerissa Rosales und Mila Gaviola, ehemalige Haushaltshilfen der Familie Webb. Desweiteren von Lolita Birrer der ehemaligen Lebenspartnerin von Biong und Carlos Cristóbal einem Flugzeug Passagier. Die Vizconde Maids, Belen Dometita und Teofilo Minoza, den Wachmann Normal White und den Ingenieur Marciano Gatmaitan, legten auch ihre Erklärungen vor. Lauro Vizconde sagte, sein Schwager Gatmaitan war eine der ersten Personen, welche die Leichen seiner Familie vorfand, als er früh am Morgen einen Besuch am 30. Juni 1991 machte.

Hubert Webb sagte, er könne das Verbrechen nicht begangen haben, weil er in den Vereinigten Staaten war, vom 9. März 1991 und erst am 27. Oktober 1992 zurück kehrte. Seine Aussage wurde von mehreren Personen bestätigt, einschließlich Honesto Aragon,

Sonia Rodriguez und dem Sänger Gary Valenciano. Aragon sagte, er sei mit Hubert Webb vom 28. bis 29. Juni 1991, in den USA zusammen gewesen. Rodriguez sagte, sie sah Hubert in den USA im Hause von Susan Brottman am 30. Juni 1991. Valenciano sagte, er traf Hubert in Florida zwischen Oktober und November 1991. Hubert sagte auch, dass er während seines USA Aufenthalts, ein Fahrrad und ein Auto gekauft habe und sogar seinen kalifornischen Führerschein bekam.

Am 8. August 1995, fand die Justizkommission die „wahrscheinliche Ursache“ gegen die Beschuldigten, die sie ihnen in einem 26-seitigen Beschluss vorwarf. Am gleichen Tag reichte sie Klage beim Parañaque Regional Trial Court ein, wo der Fall im Losverfahren Richter Zosimo Escano zugeordnet wurde. Drei Tage später, gab er den Fall wieder ab, aufgrund seiner bisherigen Tätigkeit beim NBI. Im darauf folgenden neuen Losverfahren, wurde der Fall an Richterin Tolentino von der Branch 274 zugewiesen, die neue Haftbefehle gegen die Gruppe von Webb ausstellte. Webb, wollte sich die Peinlichkeit mit Handschellen verhaftet zu werden, ersparen und stellte sich der Polizei. Lejano und Gatchalian stellten sich ebenso.

Die Kronzeugin Alfaro

Alfaro stieg zur Berühmtheit auf, als sie die Kronzeugin der Anklage wurde und die Alibis von Webb und seinen Mitangeklagten zerstörte. In der zweiten eidesstattlichen Versicherung, die sie am 22. Mai 1995 machte, sagte sie, sie war zusammen mit Webbs Gruppe, als sie das Vizconde Haus erreichten um Carmela zu vergewaltigen. Webb, Lejano und Gatchalian reichten eine Petition an den Supreme Court ein, um die Ergebnisse der Untersuchung des Justizausschusses einschließlich Alfaros Aussage zu verwerfen. In ihren getrennten Schriftsätzen, die beim High Court am 11., 14. und 16. August 1995 eingereicht wurden, sagten sie Alfaros beide eidesstattlichen Versicherungen vom 28. April 1995 und vom 22. Mai 1995, widersprächen einander und seien voller Widersprüche. So sagten sie zum Beispiel, dass Alfaro Huberts Haarfarbe nicht als halb-blond beschreiben konnte.

Sie sagten auch, ihre beiden Erklärungen stimmten mit dem Bericht zur Nacht der Morde nicht überein. Sie stellten fest, dass Alfaro, in ihrer ersten eidesstattlichen Versicherung sagte, sie habe Carmela nicht vor dem 29. Juni 1991 getroffen, aber in ihrer zweiten eidesstattlichen Versicherung, sagte Alfaro sie im Februar 1991 kennengelernt zu haben. Alfaro sagte früher, dass sie die blutigen Leichen der drei Opfer nicht sehen konnte, und dass sie von den Morden erst am Folgetag in der Zeitung erfuhr. In ihrer zweiten eidesstattlichen Versicherung sagte sie, „ich guckte durch die erste Tür zur linken Seite. Ich sah zwei blutige Körper oben auf dem Bett und auf dem Boden sah ich Hubert oben auf Carmela.“ In ihrer ersten eidesstattlichen Erklärung hingegen sagte sie, dass sie Hubert nicht sah wie er Carmela vergewaltigte, aber ihre zweite eidesstattliche Erklärung beschrieb, wie Hubert das Opfer sexuell missbrauchte. Sie sagte Hubert war „mit nacktem Hintern oben auf Carmela gewesen, ihr Mund war geknebelt, sie stöhnte und ich sah Tränen in ihren Augen.“

Alfaro sagte auch Webb, Lejano und Ventura kamen in das Vizconde Haus „durch einen Sprung über den Zaun.“ Später widerrief sie mit den Worten, die drei „gingen durch das Tor, das bereits geöffnet war.“ Trotz dieser widersprüchlichen Aussagen, sagte das Oberste Gericht: „Die Justizkommission entschied, dass diese angeblich falschen Angaben und Ungereimtheiten die Glaubwürdigkeit von Alfaro nicht untergraben würden.“ Senator Webb sagte in einem Interview, Alfaro lügt wenn sie sagt, dass sie einen Meralco Laternenpfahl außerhalb des Vizconde Haus sah. Es gab keinen.

Der Oberste Gerichtshof bekräftigte in seiner Entscheidung am 23. August 1995, Alfaros eidesstattliche Versicherung und wies die Anträge von Webb, Gatchalian und Lejano ab. Er sagte: „Wir können Alfaro nicht diskreditieren, nur wegen der Widersprüche in ihren zwei eidesstattliche Erklärungen.“ Und weiter, dass selbst wenn „ein Teil der Zeugenaussage falsch sei, dieser Umstand nicht ausreicht, um die gesamte Aussage des Zeugen zu diskreditieren.“ Der Oberste Gerichtshof wies auch die Petition der Angeklagten zurück, dass das Gericht Parañaque illegale Haftbefehle ausgestellt hätte. Das Gericht wies auch den Antrag ab, Alfaro als Spitzel abzulehnen und sie als Mitverschwörerin in dem Kriminalfall zu belangen.


DKB-Partnerprogramm

Da der Prozess begann, versuchten die Verteidiger Alfaro als Lügnerin mit einer dunklen Vergangenheit darzustellen, deren Glaubwürdigkeit genauso fraglich war, wie ihr Privatleben. Die Verteidigung beschrieb Alfaro als „bekennende Drogenabhängige“, die auch über ihre Ausbildung gelogen hatte. Die Anwälte sagten Alfaro log, als sie behauptete, sie habe das zweite Jahr im College an der Philippine Christian University beendet, aber ihr College Transcript zeigte, dass sie nur für ein Jahr eingeschrieben war. Sie sagten Alfaro schilderte drei verschiedene Versionen von dem, was sie in der Nacht der Morde sah. So soll sie Webb nicht gekannt haben, bis der NBI Sonderermittler, Mark Anthony So, ihn im Jahr 1995, auf einem Foto identifizierte. Während des Prozesses konnte Alfaro, wie die Verteidigung sagte, Lejano vor Gericht nicht identifizieren. Um ihre Glaubwürdigkeit zu testen, hat die Verteidigung Lejano eine Weste tragen lassen und ihn wie einen Reporter ausgestattet, komplett mit einem Funkgerät und ihn in die Menge gesetzt. Die Verteidigung sagte, Alfaro konnte Lejano nur erkennen, als jemand ihr half und auf Lejano in der Menge deutete.

 

Das war der erste Teil der Ungereimtheiten. Bezogen auf die Kronzeugin Alfaro.
Morgen: was geben denn die Aussagen der anderen her?

Fortsetzung folgt …

 

Alle bisherigen 6 Artikel zum Fall:

Das Vizconde Massaker 1
Das Vizconde Massaker 2
Das Vizconde Massaker 3
Das Vizconde Massaker 4
Das Vizconde Massaker 5
Das Vizconde Massaker 6