Naga: Schöne Tage im alten Cáceres

Text und Fotos von Roland Hanewald.

Ob wohl jemand in Naga (Camarines Sur) weiß, dass die Stadt schon einmal Nueva Cáceres hieß? Schon früh während der spanischen Kolonialzeit erhielt das damalige Provinznest diesen neuen Namen, wahrscheinlich aus Nostalgie nach Cáceres im Mutterland. Zu Beginn des 17. Jh. wohnten im neuen (philippinischen) Cáceres etwa einhundert Spanier, und der Ort war die Hauptstadt des gesamten südlichen Luzon östlich von Tayabas. 1860 gab der deutsche Ethnologe Fedor Jagor die Zahl der dort lebenden Spanier mit nur noch ungefähr einem Dutzend an. Doch Naga, wie es heute wieder heißt, hat sich ein gewisses koloniales Flair bewahrt, und der örtliche Bikol-Dialekt enthält in der Tat mehr spanisches Vokabular als alle anderen regionalen Sprachen der Philippinen.

Wie sieht das „alte“ Cáceres in Spanien aus? Das sollte auf Vergleichsebene schon mal interessieren. Gegründet wurde es bereits im Jahre 34 v.Chr. von den Römern als „Norba Caesarina“ und trat eine wechselvolle Karriere an. Im 6. Jh. hauten die Goten alles kurz und klein, doch die Mauren bauten es wieder auf, nur um von Fernando, König von Leon, 1169 des Landes verwiesen zu werden. König Alfonso IX. gab ihnen 1227 den finalen Tritt, und ein wirtschaftlicher Boom setzte ein. Der Adel der Stadt wetteiferte miteinander im Bau von Palästen und Befestigungen, bis Königin Isabella I. von Kastilien darin eine Bedrohung ihrer Krone witterte und die Gemäuer plattmachen ließ. Cáceres hieß deshalb lange „die geköpfte Stadt“, bis spätere Veränderungen dazu beitrugen, dass 1986 eine Aufnahme in das Weltkulturerbe der Unesco erfolgte.

Es gibt in der Tat eine Menge Kultur im „alten“ Cáceres zu sehen, obwohl sie nur auf einen kleinen Kern der City beschränkt ist. Die „Ciudad monumental“ hält für Besucher das meiste Interessante bereit. Eine Stunde genügt, um diesen Teil der Stadt zu Fuß zu durchmessen und alles in sich aufzunehmen: Ragende Kathedralen, prächtige Paläste und Klöster, und zahlreiche beeindruckende Statuen. Alles ist über kopfsteingepflasterte Gassen miteinander verbunden und vermittelt einen bleibenden Eindruck davon, wie es zu Zeiten der Umtaufe Nagas dort ausgesehen haben musste. Man kann schon nachvollziehen, dass die Spanier auf den Philippinen Heimweh nach dieser Stadt empfanden und sich veranlasst fühlten, zumindest deren Namen auf ihr fernöstliches Domizil zu übertragen. Heute gibt es sogar einen Vorort namens Nuevo Cáceres. Wäre das nicht ein Ansporn für Naga City, eine spanische Schwestergemeinde zu etablieren?

Roland HanewaldRoland Hanewald wurde 1942 in Cuxhaven geboren und befuhr über 20 Jahre lang als Offizier der Handelsmarine die Ozeane. Er lebte längere Zeit auf den Philippinen, die der Ausgangspunkt für seine ersten Reisen wurden. Zu Beginn der 1980er Jahre sattelte er auf Journalistik um. Seit 1992 lebt er in Neuenburg (Friesland). Hanewald ist Autor von 125 Büchern (darunter das „Philippinen Abenteuer-Handbuch“ und „Inselfieber, ein Vierteljahrhundert auf den Philippinen“), dazu über 1600 weltweite Fotoreportagen, die in bislang 50 Ländern und 18 Sprachen erschienen sind. Sein letztes Werk ist („der Abwechslung halber“) ein Liebesroman. „Oma Ette sucht einen Mann – Alter schützt vor Liebe nicht“ ist überall im Buchhandel, auch bei Amazon, erhältlich.

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