Immer Harmonie auf den Philippinen

In Asien versuchen üblicherweise die Menschen ihre Beziehungen untereinander harmonisch zu gestalten. Streit stellt eine Störung dieser Harmonie dar, die zu vermeiden ist. Es gibt sehr viele Betrachtungen und Aspekte, die Beziehungen zwischen den Gegensätzen beleuchten und diese in eine Harmonie bringen wollen. Architektur, Natur, Medizin, Weltanschauung, Kunst und natürlich die Menschen selbst! Das hat sehr tiefe Wurzeln, auf die wir aber hier nicht weiter eingehen wollen, sonst wird das Kapitel ein ganzes Buch. Das überlasse ich lieber Menschen, welche mehr Zeit dafür haben. Störungen der Harmonie treten durch Ereignisse auf, wie z.B. laute Stimme, einem harten oder kategorischen „Nein“, Kritik an anderen oder durch Emotionsäusserungen (wie Ärger, Wutausbrüche oder das Belasten anderer mit seinen Sorgen).

Westler fallen regelmäßig an dieser Stelle auf die sprichwörtliche „Schnauze“ da sie das nicht verstehen und von Haus aus die Antennen dafür fehlen. Viele Asiaten können ihr Problem nicht direkt ansprechen. Dies bedeutet eben nicht, dass sie keine Probleme haben! Doch das im Westen manchmal darauf folgende „Nachbohren“ ist an der Stelle eher kontraproduktiv. Da hilft nur sein eigenes Verständnis zu schärfen. Feine Andeutungen herauszuhören … Stichwort „Empathie“! Wenige Westler sind empathisch veranlagt, die meisten aber nicht. Nur ohne Sensibilität wird man in Asien gnadenlos untergehen! Auch gilt größte Vorsicht den „redseligen“ Menschen gegenüber, die einen kaum kennen, aber einem ihre Probleme vortragen. Was die wohl damit bezwecken? Auch in Asien gibt es nun mal schlechte Menschen …

Aber auch ein Pochen auf sein Recht, wird als massive Störung der Harmonie betrachtet, die  nicht akzeptiert wird, was nach westlichem Verständnis nur schwer akzeptabel ist. Denn genau für diesen Fall gibt es doch das Recht und die Gesetze! So zumindest das westliche Verständnis. Stattdessen sucht man in Asien nach Kompromissen, auch wenn dafür lange Laufzeiten bei der Lösungssuche riskiert werden. Da ein absolutes „Nein“ ebenso die Harmonie stört, wird es oft mit einem „Ja“ ersetzt. Nun bedeutet dieses „Ja“ genau genommen „Ja, ich habe das gehört …“ aber eben nicht unbedingt „Ja, ich werde das tun.“ Dies führt oft zum nächsten Missverständnis für Angehörige anderer Kulturkreise. Auch hier gilt, eine falsche Aussage muss keine Lüge sein, zumindest keine bewusste! Der Gegenüber kann oft gar keine andere Antwort geben! Doch diese feine Differenzierung ist zugegebenermaßen nicht einfach, dennoch kann – nein – man muss versuchen sein Gespür danach auszurichten!

Hingegen wird als harmonisch empfunden: Zurückhaltung, mildes und leises Sprechen, unaufgeregtes Handeln statt Hektik. In den Philippinen z.B. bezeichnet der Ausdruck „bahala na“ recht gut den „way of life“. Übertragen heißt er „I will do all my best, let God take care of the rest!“ oder kurz „Macht nix!“ Nur nicht aufregen, wofür? Einen Gang zurück schalten, relaxen: lass ruhig ein paar Reissäcke in China umfallen, solange Du nicht drunter liegst … so what?

Ebenso bewirkt die Harmonie oft, dass man Besucher übergebührlich lobt! Dem Westler mag das übertrieben erscheinen, hat seinen Ursprung aber im Harmonieprinzip. Übrigens gibt es weitere Merkmale der Kultur, die ihren Ursprung in der Harmonie haben. So werden häufig bunte, teils schrille Farben oder Stoffe aus diesem Grund verwendet, die dann auf westliche Beobachter schon fast kitschig wirken. Dies gilt nicht nur in Tempeln, sondern auch beispielsweise bei Kleidung. Wer meint in seinem Asienurlaub preisgünstig Straßenkleidung kaufen zu wollen, sollte dieses bedenken. Zurück in Europa wird ihm das dann schlagartig bewusst, spätestens wenn man ihn dann wie einen Außerirdischen anstarrt!

Als ich das erste mal ein Schild in einer Apotheke sah, wo man seine „Priority“-Nummer ziehen soll war ich zunächst überrascht. Denn warum benötigen denn diese freundlichen und netten Menschen eine Nummer, die nacheinander abgearbeitet wird? Asiaten kennen keine Warteschlangen, dafür bilden sich sehr schnell Menschenansammlungen, in denen man – wenn auch meistens relativ gesittet – drängelt. Man schreit nicht oder schubst auch niemanden weg, aber versucht sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Wie sind aber drängelnde Asiaten z.B. an Theken oder dem Taxistand zu werten, da die jedenfalls auf die Harmonie in dem Augenblick keine Rücksicht nehmen? Nun ist es so, dass die Harmonie primär jeweils innerhalb der eigenen Gruppe oder Familie gilt (Achtung: das asiatische Gruppendenken wird im übernächsten Kapitel erläutert)! Diese „Gruppe“ existiert aber in dem Moment am Taxistand nicht und so hat dies durchaus seine Logik. Der gleiche Mensch der an dieser Stelle rücksichtslos drängelt, wird in wenigen Augenblicken innerhalb seiner Gruppe nicht wieder zu erkennen sein!

Was durchaus noch krasser auf Westler wirken kann, sind diese Beispiele: ob dies Duschen in der Nacht bedeutet, das Hupen zum Öffnen des Tores, das Kläffen der Wachhunde, das Karaoke singen bis zum Morgengrauen, Auto warm laufen lassen, an nahezu jeder Stelle den Müll wegwerfen, Müllverbrennen usw. Solange niemand aus der eigenen Familie oder der eigenen Gruppe dadurch gestört wird, bleibt die Harmonie in Ordnung und man hat dann wenig Verständnis für die Interessen anderer Menschen.