Gesichtsverlust (Fortsetzung)

„Von Geburt an wächst jedes asiatische Kind in dieses Empfinden, dass der Gesichtsverlust das Schlimmste überhaupt darstellt, was einem Menschen widerfahren kann. Diese Angst sitzt sehr tief und kann mitunter zu einer geistigen Starre führen, die den Mut etwas zu wagen, blockiert. Sie ist auch der Grund weshalb man von Asiaten immer nur das erwarten kann, was man ihnen direkt anweist! Denn wenn er bei etwas wo er keine direkte Order dafür hatte einen Fehler macht, verliert er sein Gesicht!“

Angeregt durch eine Diskussion, wo jemand nachfragte wie man denn diese Starre überwinden kann, hab ich bei einem Auslandsfilipino nachgefragt, von dem ich weiss, dass er dieses Problem in seiner mehr als 15-jährigen Auslandszeit, schon längst überwunden hat.

Sinngemäß antwortete er mir, bezogen auf die Arbeitswelt: Ein Asiate von dem man sich wünscht, dass er etwas tut wofür er keine Anweisung hat, kann man nur langsam in die westliche Denkart begleiten. Er benötigt hierfür Vorbilder und ein Vorleben der westlichen Kultur. Dies bedeutet in einer Firma die solch ein Verhalten sich wünscht, muss die westliche Kultur gelebt werden! Es ist nahezu unmöglich, in einem asiatischen Umfeld von einem Asiaten der das nicht gelernt hat, dieses zu verlangen! Stattdessen sollte man einzelne Mitarbeiter durch Weiterbildung gezielt darauf schulen, nämlich diejenigen welche sich als Vorbild auch eignen.

Dazu möchte ich ein Beispiel aus der eigenen Familie nennen. Unsere Adoptivtochter wollte auf dem Netzwerkdrucker etwas ausdrucken. Normalerweise ist der an und druckt das aus was man ihm schickt. Doch er druckte nichts. Verunsichert davon fragt sie mich, ob sie denn nochmals drucken soll? Doch ich frage zurück, ob denn der Drucker überhaupt angeschaltet sei, da dies sonst nichts bringt? Die Antwort darauf: Nein, war er nicht.

Statt sich zu bücken und den einzuschalten oder falls sie nicht weiß wo der Schalter sitzt, danach zu fragen: Nichts! … Ich warte auf Ihre Aktion oder Frage, doch da kommt überhaupt nichts! Das Kind lebt seit über 2 Jahren in unserem Haushalt, wächst in der westlichen Kultur auf und wir sprechen das Kind bei Beobachten dieser Verhaltensmuster immer wieder darauf an! Doch es erstarrt. Erst als ich dann nachfrage wie und was es zu tun gedenkt, passiert der Schritt in die richtige Richtung.

Will damit nur andeuten, wie stark die Kulturmerkmale bereits bis zum zehnten Lebensjahr etabliert sind und wie schwierig es ist, im Kopf die Blockade zu lösen. Unsere eigenen Kinder leben nämlich gerade zu hause dem Kind die westliche Kultur vor und dennoch gibt es verschiedene Dinge, die sehr tief sitzen.