Solarstrom für private Verbraucher – Wie geht das auf den Philippinen?

In diesem Teil unserer Serie wollen wir am Beispiel eines Verbrauchers die Installation einer Solaranlage durchspielen. Wer eine Photovoltaikanlage zur Gewinnung von Strom aus Sonnenergie einbauen möchte, hat zunächst mal mit dem spitzen Bleistift gerechnet: „Es geht ums Geld, genauer darum, Geld zu sparen und irgendwann auch damit zu verdienen“, so der deutsche Fachmann Mike Wöhlert von Meister Solar, einer Firma in Angeles City auf Luzon. Das private Solarkraftwerk ist für fast alle Kunden eine Investition, welche sich bezahlt machen soll. Wenn man damit auch noch etwas für die Umwelt tun kann, auch gut.

Solarstrom auf den Philippinen mit der Kraft der Sonne

Der „typische“ Kunde ist ein Expat aus Europa, Australien oder den USA oder ein gut situierter Filipino der auftrebenden Mittelklasse in Manila oder sogar der Oberschicht. Da gibt es viele Fernseher, Computer, Waschmaschinen, grosse Kühlschränke und natürlich die energieintensiven Klimaanlagen. Die Stromrechnung in einem solchen Haushalt liegt oft bei 15 bis 20 000 Pesos im Monat oder sogar noch mehr.

Ein Solarprojekt für eine solches Haus könnte mit einer sechs Kilowatt starken Anlage umgesetzt werden. In der Installation kostet ein Kilowatt rund 100 000 Pesos, insgesamt würden also Kosten von 600 000 Pesos zu Buche schlagen.

Aber Wöhlert rechnet anders und seine Kunden auch. Eine Million Peso auf der Bank bringen bei einem Prozent Zinsen gerade mal 10 000 Pesos im Jahr. Eine 10 Kilowatt starke Photovoltaikanlage im Wert von einer Million Peso dagegen kann rund 100 000 Pesos oder mehr an Stromkosten im Jahr sparen. Ein zehnfaches an Rendite, sehr konservativ gerechnet. Realistischer ist, dass sich die gesamte Anlage schon nach fünf bis sieben Jahren bezahlt gemacht hat und dann quasi Geld verdient.

Die Lebensdauer einer solchen Solaranlage auf den Philippen hängt von der Lage ab. Am Meer setzen Sand und Salz den Panels auf dem Dach und der gesamten Anlage etwas mehr zu. Das Solarkraftwerk wird hier etwa 15 bis 18 Jahre arbeiten können. Im Hinterland wird die Lebensdauer mit rund 25 Jahren veranschlagt.

Auf die Solarpanels aus deutscher Produktion gibt es zehn Jahre Garantie, die Wechselrichter haben fünf Jahre Erstgarantie, die aber erweitert werden kann. Das alles geht in das Investitionsprojekt Solar mit ein, die qualitativ hochwertige Anlage aus Deutschland rechnet sich einfach.

Der private Betreiber wird damit nicht zum Ökofreak, aber es gibt einen interessanten Nebeneffekt, in Deutschland wie auch auf den Philippinen. Wer selbst Strom produziert, schaut öfter mal auf den Wechselrichter um zu sehen, was das kleine Kraftwerk erwirtschaftet hat. „70 KW auf dem Zähler bedeuten 700 Pesos, ganz einfach“, so Wöhlert. Und wer Ertrag und Verbrauch kennt, der spart auch automatisch und sogar die Familie zieht mit: Licht wird ausgeschaltet, wo es nicht benötigt wird, die Klimaanalage nicht immer benutzt.

Meister Solar sieht sich als Kleinanlagen-Spezialist, die grossen und industriellen Anlagen werden von philippinischen Unternehmen mit ausländischer Beteilligung gebaut. „Da ist viel Politik im Spiel, da mischen wir uns nicht ein“, so Wöhlert. Aber bei anspruchsvollen Privatleuten wird sein Name weitergereicht. Auch, weil die komplette Beratung rund um das Projekt stimmt.

Ein zusätzliches Netmeter zählt den eingespeisten Strom

Wenn Wöhlert die alte Stromrechnung gesehen hat, kann er einen passenden Vorschlag für eine Solaranlage machen. Das Dach ist ein wichtiger Faktor, auf einem Blechdach ist die Anlage einfacher zu installieren als auf Ziegeln. Allerdings muss das Dach generell in gutem Zustand sein, denn die Anlage soll ja viele Jahre darauf arbeiten können.

Je nach Aufwand ist die Anlage in zwei bis vier Tagen installiert. Bei den Materialen gilt ein Festpreis, neben den unterschiedlichen Kosten für die verschiedenen Dächer kommen je nach Entfernung von Angeles City noch Anfahrtskosten und Übernachtung hinzu. Bei dem aktuell eher niedrigem Eurokurs können die deutschen Qualitätsprodukte preislich sogar locker mit den chinessischen Billigprodukten mithalten.

Der Betrieb der Anlage und die Abrechnung des in das Netz eingespeisten Stroms kann man sich am Beispiel von Meralco, dem grossen Stromversorger von Manila, anschauen. Vor etwa drei Jahren hat sich der Energieriese grundlegend mit dem Thema privater Solarstrom, den vertraglichen Regelungen und der Vergütung beschäftigt.

Zusammen mit dem deutschen Inverterhersteller SMA aus Kassel wurde das Konzept des Netmetering entwickelt. Das Haus mit dem neuen Solarkraftwerk bekommt danach einen zweiten Zähler, welcher den in das Netz eingespeissten Strom misst. Liefert die Photovoltaikanlage für das Netz, so rechnet der Zähler fünf Peso für jedes Kilowatt ausgehenden Strom ab. Verbraucht das Haus Strom aus dem Meralconetz, so kostet das Kilowatt etwa zehn Peso.

Wann welcher Strom in welche Richtung fliesst, regelt der Inverter von SMA vollautomatisch. Produziert das kleine Solarkraftwerk fleissig, dann hat der eigene Ökostrom Vorfahrt im Haus. Nachts wird aus dem Meralco-Netz zugekauft.

Solarstrom als Konzept im Überblick

Also alles FriedeFreudeSolarstrom auf den Philippinen? Nicht ganz, irgendwelche Stolpersteine gibt es ja immer. Zum einen dauert die Bearbeitung der Anträge mit Meralco teilweise mehrere Monate, schliesslich sind auch mehrere Behörden involviert. In dieser Zeit verdient die Anlage bei Einspeisung von Strom in das Netz kein Geld. Schlimmer noch, bis zum Einbau des zweiten Zählers und dem Start des Netmetering rechnen mitunter die neuen digitalen Zähler die Einspeisung sogar als Verbrauch ab. „Einfach nur ärgerlich, gerade zum Start“, so Wöhlert. Aber das muss Teil der Beratung des Kunden sein, damit er sich auf dieses schwierigen Start einstellen kann. Mit ein paar Tipps und Tricks lassen sich Hürden umschiffen und die Startkosten minimieren. Solarexperte Wöhlert: „Und wenn das Sparen dann losgeht, ist es umso schöner.

Ausserdem unterstützt mittlerweile ein Interessenverband die privaten Solaranbieter. Die Solar Alliance von Techi Capilan ist sehr umtriebig und wirkt massiv auf die Politik ein. Und weil sich mit Solarstrom Sparen und Geld verdienen lässt, finden die Solar-Lobbyisten auch immer mehr Gehör. Die Stromkonzerne müssen sich sowieso bewegen, sonst werden sie in ein paar Jahren von einem neuen Trend überrollt.

Bilder: Fetching the sun, Meister Solar