Solarenergie auf den Philippinen – Sonne macht Strom

Weltweit ist die Gewinnung von Energie aus der Kraft der Sonne ein Trend. Und besonders da, wo die Sonne oft und lange scheint macht die Stromerzeugung mittels Photovoltaik Sinn. Demnach sollten die Philippinen mit an der Spitze dieser Entwicklung stehen. Ob dem wirklich so ist, wollen wir in einer dreiteiligen Serie herausfinden. Lesen Sie heute den ersten Teil.

Die Kraft der Sonne mit Solarenergie auf den Philippinen

In Deutschland hat man sich schon an das Bild gewöhnt: Egal, wo man unterwegs ist, auf vielen Dächern sind Solarpanel zu sehen. Sie fangen die Sonnenstrahlen aus südlicher Himmelsrichtung ein. Die Kraft der Sonne ist in den Lichtteilchen, den sogenannten Photonen. Sie werden in den Solarmodulen in Halbleitern – zum Beispiel aus Silizium – aufgenommen. Daraus enstehen frei bewegliche Elektronen, welche dann zum Aufbau von Spannung genutzt werden. So das Grundprinzip einer Photovoltaikanlage und damit auch genug der Theorie.

Die Praxis ist eigentlich einfach: Wenn die Sonne scheint, freut sich der Besitzer der Anlage. Und wenn sie besonders lange scheint, dann rentiert sich die Anlage umso mehr. Starke Sonneneinstrahlung und viele Sonnenstunden bringen mehr Strom. Damit wären die Philippinen eigentlich das ideale Land für die Gewinnung von Solarstrom, auch in privaten Haushalten. Und doch nimmt der Trend auf dem südostasiatischen Archipel erst seit einigen Jahren Tempo auf.

Einer der Pioniere der Branche auf den Philippinen kommt aus Deutschland. Mike Wöhlert hatte über ein Jahrzehnt erfolgreich eine Solarfirma im Berliner Raum geführt als er 2010 mit seiner philippinischen Frau auf die Philippinen kam. Er wollte es etwas ruhiger angehen lassen und in Angeles City ein Haus mit ein paar Appartments bauen. Doch kaum war er fertig, wurde er von der Vergangenheit eingeholt. Die erste Stromrechnung fiel höher aus als erwartet und der Energiesparfuchs in Wöhlert erwachte wieder zum Leben.

Als erstes wurde eine thermische Solaranlage zur Erwärmung des Verbrauchswassers eingebaut. Profan gesagt ist das ein Gummischlauch, welcher sich über das Dach schlängelt und das Wasser im Innern durch die Sonneneintrahlung erhitzen lässt. Die Technik ist eher einfach, Wöhlert nutzte Komponenten aus chinesischer Produktion. Doch damit nicht genug, es ging gerade erst richtig los: Als nächstes wurde im Rahmen eines integrierten Energiesparkonzepts eine fünfzehn Kilowatt starke Photovotaikanlage aus deutscher Produktion installiert. Die Kontakte in die alte Heimat waren noch da und mit der neuen Anlage war mal eben so auch das Startsignal für ein neues Geschäft auf den Philippinen gegeben worden.

Mike Wöhlert ist ein Pionier in Sachen Solarenergie auf den Philippinen

Die Firma Meister Solar hat bis heute mehr als hundert Anlagen auf Luzon, besonders aber im Grossraum Manila, Pampanga und Tarlac, eingerichtet. Dabei musste zunächst viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, bei den Kunden, Behörden und Stromanbietern zugleich.

Was auf den Philippinen, genauer gesagt auf Luzon, läuft, sind sogenannte netzgekoppelte Photovotaikanlagen (grid tied). Der Energieriese Meralco ist auf den Solarzug mit aufgesprungen und arbeitet mit den Besitzern von privaten Solaranalagen zusammen. Am Tag produzieren die privaten kleinen Solarkraftwerke ordentlich Strom. Und wenn das mehr ist, als im Haus verbraucht wird, dann nimmt Meralco Strom vom privaten Anbieter ab und speist diesen in das Netz ein. Für die Netzbetreiber kann das gerade in den Spitzenzeiten interessant sein, denn dann produzieren die grossen Kraftwerke oft nicht genug Strom, um die Nachfrage zu decken. Und in der Nacht liefert der Stromanbieter auch an die Kunden mit Solaranlage, denn ohne Sonne wird dann im Haus auch kein Strom erzeugt. Wie das genau funktioniert, werden wir uns in der zweiten Folge genauer anschauen.

In den Gebieten mit permanenter Stromversorgung auf Luzon funktioniert das also ganz gut, die Rechnung stimmt für alle Beteiligten. Die Stromkonzerne kaufen Strom von Kraftwerken und den Besitzern privater Solaranlagen den Strom für fünf Peso das Kilowatt ein und verkaufen an alle Endverbraucher wieder für rund zehn Peso das Kilowatt. Und weil die privaten Solarkraftwerke auch privat gewartet werden und der angekaufte Strom direkt eingespeist und in der Nachbarschaft verbraucht wird, stimmt die Kostenbilanz für die Stromkonzerne und für die privaten Produzenten von Solarstrom.

Die Kraft der Sonne auf dem Dach mit Solarenergie auf den Philippinen

Etwas anders sieht es auf den Inseln aus. Die kleinen Stromunternehmen dort mussten oft viel in die Infrastruktur investieren und müssen Kredite bedienen. Spitzenzeiten gibt es eher nicht, der Zukauf von Strom macht keinen Sinn. Diese Unternehmen wollen mit ihren Anlagen durchgehend Strom produzieren und verkaufen. Sie mögen deshalb keine Solaranlagen und warnen Privatleute sogar vor der Installation. „Da heisst es kurz und knapp: Wenn ihr die Solarmodule aufs Dach schraubt, dann drehen wir Euch den Strom ab“, so Solar-Experte Wöhlert. Dann sitzen die Besitzer der Solaranlagen nicht nur nachts im Dunkeln, sondern sie können ihre Anlagen gar nicht betreiben.

Denn ohne die Grundspannung aus dem Netz läuft auch die Photovoltaikanlage nicht. Die Einspeisung der Energie in und der Betrieb einer Solaranlage mittels Batterie könnte dann ins Spiel kommen, ist aber technisch aufwendig und in Anschaffung und Betrieb teuer. Bisher ist das keine Alternative, aber vielleicht in der nahen Zukunft, der dritte Teil unserer Serie wird sich damit beschäftigen.

Fotos: Quennie Rose Hinaloc, Meister Solar