Reiseveranstalter Philippinen: Manchmal nur den Kopf schütteln

Unser Interview mit John Rüth, dem Macher von Philippinen Tours, einem innovativen Reiseveranstalter auf den Philippinen:

Hallo John, vielen Dank für Deine Zeit, die hektischen Tage sind zwar schon vorbei aber die Urlaubssaison läuft noch, oder?

IMG_4535Die hektischen Tage hatten sich vor Beginn der Saison zwar angekündigt, doch im Zusammenhang mit der Entführung von zwei Deutschen auf Palawan letztes Jahr musste ich dann „tolle“ Dinge erleben: quasi sichere Buchungen (mindestens ein halbes Dutzend) wurden kurzfristig storniert, da ja „nun ISIS auf den Philippinen“ unterwegs sei, und man daher nicht mehr dorthin hinfliegen könne. Auf solche E-Mails bin ich dann gar nicht erst weiter eingegangen und habe nur stillschweigend den Kopf geschüttelt. Als Reiseveranstalter für die Philippinen, vor allem den südlicheren Teil, hat man es wohl nicht ganz so einfach. Neben den üblichen Reisewarnungen vor Terrorismus und dem ganz ganz schlimmen „Glaubenskrieg, der seit Jahrzehnten wütet“ hat man dann noch mit Taifunen oder auch mal Erdbeben so wie im Oktober 2013 zu kämpfen…Aber die Saison läuft noch, da es zum Glück auch Menschen da draußen gibt, die genauer hinschauen und den Philippinen-Urlaub antreten. Und bisher hat es meines Wissens nach auch noch keiner bereut!

Du bist ja quasi ein Überzeugungstäter und entwickelst den Tourismusmarkt auf den Philippinen seit Jahren mit. Was hat sich in der Zeit verändert?

Seit ca. drei bis fünf Jahren scheint vor allem bei den Backpackern so eine Art „Aufbruchstimmung“ eingesetzt zu haben – den Eindruck hatte ich zumindest subjektiv auf meinen zahlreichen Streifzügen durch die Inselwelt, und auch die Bloggerwelt spiegelt das gut wider. Ich werte das als durchaus gutes Zeichen für die Tourismus-Industrie in dem Land, auch für den etwas hochpreisigeren Markt, der sich peu-à-peu entwickelt. Mittlerweile sind die Philippinen mit Vietnam locker auf Augenhöhe, was die Touristenzahlen anbelangt, von Thailand jedoch noch meilenweit entfernt. Die Frage ist natürlich, ob es in diese Richtung überhaupt gehen soll. Aber die philippinischen Inseln haben noch ein sehr großes Potenzial, und der Tourismus-Sektor ist einer, der meiner Meinung nach sehr wichtig für Land und Leute ist. Es wandern ohnehin schon viel zu viele (meist besser qualifizierte) Filipinos ins Ausland ab, da sind stärkere Strukturen vor Ort zur Schaffung von Arbeitsplätzen nicht verkehrt.

Vorher kannte man ja nur Boracay, jetzt werden ganz Nord-Luzon, die Visayas und Palawan als Ziele gesehen. Warum ist das so?

Das lässt sich u.a. auf die unvergleichliche Vielfalt des Landes zurückführen, denke ich. Die Philippinen haben ja wirklich für alle Reisegruppen etwas zu bieten: erstklassige Tauchgebiete, tolle Surfspots zum Wellenreiten und Kite-Surfen, einige schöne Vulkane für Wanderer und Trekker, Island-Hopping, Klettern, tolle Strecken für Fahrradurlauber und natürlich viele wunderschöne Strände zum Relaxen – nicht nur auf Boracay.

IMG_3350Was macht für Dich den Reiz der Philippinen und Deines Schwerpunktes, den Visayas, aus?

Es ist ein Mix aus verschiedenen Dingen: in den Visayas finden sich viele schöne Inseln, die nicht zu weit von einander entfernt liegen und doch immer ihren ganz eigenen Charme haben. Meine Favoriten sind ganz klar Siquijor Island, das kleine Apo Island, Pamilacan und dann auch Bantayan Island im Nordwesten von Cebu, welche alle eher „laid back“ sind. „Party“ ist auf Boracay, in Dumaguete, am Alona Beach und natürlich in Cebu City angesagt, wobei mir die ruhigeren Destinationen lieber sind. Neben den Visayas schlägt mein Herz natürlich für Mindanao, das nach wie vor völlig unter dem Radar ist, mal von Camiguin und immer mehr Siargao abgesehen. Auf Dinagat Islands & Co. können wirklich noch echte Abenteuer erlebt werden. Die philippinische Unterwasserwelt fasziniert mich immer wieder, und trotz Regen ist es ja immer recht warm, was mir auch wichtig ist. Der Kontrast zu Deutschland ist auf den Philippinen überall gegenwärtig, der Lifestyle, die Mentalität, der Alltag. Das ist sowohl positiv als auch negativ zu betrachten: wenn man mal eine längere Zeit auf den Inseln gelebt hat, dann werden auch einige Probleme offensichtlich, mit denen man dann klar kommen muss. Das sind meist eher kleinere Angelegenheiten wie unangekündigte Stromausfälle, kein funktionierendes Internet und die latente Ineffektivität überall. Aber natürlich größere Probleme wie der katastrophale Verkehr in den großen Städten, Müll und Armut (wobei das natürlich auch immer eine Definitionssache ist).

Oft werden Philippinen-Reisen mit zwei Schwerpunkten empfohlen, wie siehst Du das?

Das hängt stark von der Aufenthaltsdauer ab. Aber wenn man von einem zweiwöchigen Aufenthalt ausgeht, dann würde ich tatsächlich zwei Schwerpunkte empfehlen mit einem bis zwei weiteren kleineren Reisezielen, da sonst für die Transfers zu viel Zeit „verloren“ geht. Lustig finde ich immer die Anfragen à la „Wie kann ich am besten die Reisterrassen auf Luzon mit Boracay, den Walhaien in Donsol, Tauchen auf Bohol und Palawan (El Nido) in 2 Wochen kombinieren?“ Am besten gar nicht, wenn man auch mal etwas „in die Tiefe gehen will“ und auch eine Destination wirklich erkunden möchte.

Die Philippinen sind immer noch kein Land für Massentourismus und die Infrastruktur muss sich entwickeln. Warum sind individuelle Reisveranstalter wie PhilStep in Nord-Luzon und Du in den Visayas so wichtig?

Ich denke, dass man einfach mal klein und solide anfangen muss, die Leute neugierig machen auf das Land und seine Vielfalt. Da stehen die kleineren Touranbieter an vorderster Front, weil sie meistens auch mal was völlig neues ausprobieren und tatsächlich neue Reiseziele erkunden, die bisher eher unentdeckt geblieben sind. Das gilt für PhilStep, für Philippinen Tours aber auch für die vielen anderen wie Magellan Travel, Iraya Travel oder auch die Bugoy Bikers mit ihren grandiosen Fahrradreisen und ähnliche Anbieter.

Zum Schluss: Deine drei besonderen Tipps für unsere Leser?

1.) Wer auf die Philippinen fliegt sollte ausreichend Zeit mitnehmen. Wer hier alles im Vorfeld versucht perfekt zu planen, wird schnell eine Bauchlandung machen. Es braucht ja nur mal eine Fähre ausfallen, und der komplette Reiseplan muss umgeschmissen werden – das ist auf meinen Touren bisher auch schon hin und wieder vorgekommen.Oftmals ist ein wenig „Improvisation“ gefragt.
2.) Es gibt auch noch andere Reiseziele als Boracay, Bohol und Palawan! Ca. 80% aller Anfragen gehen gefühlt in diese Richtung. Aber schaut euch doch mal andere interessante Destinationen an wie Siquijor, Camiguin und Siargao.
3.) Geht auf die Leute zu und redet mit ihnen. Ich kenne kein freundlicheres und fröhlicheres Volk auf Erden, und das macht sehr viel aus von der „Faszination Philippinen“.