Motorradfahren auf den Philippinen: Nord-Luzon und Kordillera

Motorradfahren auf den Philippinen: Nord-Luzon und Kordillera

(Dritter und letzter Teil unseres Bericht, hier finden Sie den Start der Serie)

Motorradfahren auf den Philippinen

Am nächsten Morgen ist es draußen trüb und feuchtwarm. Wir suchen den von Stephan gebuchten Guide auf und steigen in das „Tal des Todes“ hinab. Ich nenne es so, denn hier gibt es die hängenden Särge. Und es dauert auch gar nicht lange, da sehen wir sie schon. Kwiat-Ong, unser Guide und ein echter Igorot, erklärt uns in bestem Englisch die Bestattungs-Traditionen seines Volkes und erzählt so manche spannende Geschichte dazu.

Inzwischen regnet es in Strömen, doch wir ignorieren dies. Das Tal ist wunderschön, Kwiat-Ong kennt jede Pflanze und jedes Kraut, es ist wie im Dschungel. Wir erreichen eine Höhle und steigen langsam wieder höher, bis wir pitschnass wieder im Dorf ankommen.

Den Rest des Tages verbringen wir in den zahlreichen Cafès und Kneipen und suchen einen optimalen Internet-Spot. Bei Regen sei es immer sehr schlecht, meint die Kellnerin im vierten Cafè das wir besuchen. Nun ja, dann halt nicht. Am Abend klart es etwas auf und es wird kühl. Wir bereiten uns auf einen frühen Start am nächsten Morgen vor.

Reisterrassen mit dem Motorrad

Das war das Beste, was wir machen konnten! Alles dampft im Morgennebel, die Sonne steht um halb sieben schon über dem Horizont und lässt die Nebelschwaden leuchten. Sagenhafte Landschaft! Wir halten X mal an und schauen und fotografieren und freuen uns – trotz leeren Magens. Aufs Frühstück haben wir verzichtet, weil wir eine große Strecke vor uns haben. Sollte es wieder regnen, werden wir eventuell auch noch eine außerplanmäßige Übernachtung einschieben. Bei regennasser Fahrbahn wird es zu rutschig in den staubigen und oft mit Piniennadeln bedeckten Kurven.

Aber alles geht gut, die Sonne scheint und eine Stunde später sind wir in Bontoc und tanken erst mal voll. Dann suchen wir die Straße nach Maligcong. Dort wollen wir uns die Reisterrassen ansehen. Laut Stephan sind hier weniger Touristen unterwegs und die jahrtausende alte Kulturlandschaft ebenso schön wie in Banaue. Bald haben wir uns durchgefragt und das steile Sträßchen gefunden. Steil ist gar kein Ausdruck, ich fürchte, bald hebt mein Vorderrad ab. Und Kurven über Kurven! Wir schrauben uns in die Höhe, und grinsen uns eins….

Reisanbau in der Kordillera

Hubert hält immer wieder an, um zu fotografieren. Mir dauert das zu lange, ich fahre weiter bis ich auf ein selbstgemaltes Schild, „Coffeeshop“, aufmerksam werde. Ja genau, das brauche ich jetzt, einen Kaffee. Ich fahre in den Hof einer kleinen Farm und die Hühner flattern gackernd beiseite. Da kommt schon der Bauer, freut sich über Gäste und bietet uns Instantkaffee und Kekse an. Das ist prima, schließlich hat man von hier aus schon einen wundervollen Blick auf die Reisterrassen.

Wir gehen los und sind bald völlig fasziniert von diesem Anblick. Ein geometrisches Spiel von Linien, gestapelt, geschwungen, wie spielerisch in den Hang gezogen. Faszinierendes Grün und Braun mit winzigen bunten Punkten, die sich beim Näherkommen als arbeitende Menschen darstellen. Wir können uns kaum sattsehen und wandern gedankenversunken auf den Terrassenmauern hin und her bis wir uns aus den Augen verlieren. Irgendwann muss ich an einem gehörnten Ochsen vorbei, der hier ein Schlammbad nimmt. Ich zögere, insbesondere als das Ungetüm sich schwerfällig erhebt und der schmatzende Schlamm zu mir herüberspritzt! Mutig balanciere ich auf dem Mäuerchen vorbei und bin froh, bald wieder weit weg von seinen spitzen Hörnern zu sein.

Reisterrassen auf Nord-Luzon in den Philippinen

Und dann sehe ich auch Hubert wieder mit dem langen Objektiv vor der Nase. Nassgeschwitzt, aber glücklich ob dieser tollen Motive. Durstig machen wir uns auf den Rückweg und freuen uns an Cola und Fahrtwind. Genussvoll rattern wir wieder durch die Kurven, meistern Schotterstrecken an Baustellen und unwegsame Umleitungen. Wir nehmen die gleiche Strecke, die wir auch gekommen sind und ich freue mich, bestimmte Teile wieder zu erkennen. Bald sind wir in Cervantes und stärken uns kurz beim Marktplatz.

Dann kommt wieder der herrlich kurvige Bessang-Pass, wolkenverhangen. Wir schaffen ihn aber trocken, es tröpfelt nur leicht um die Passhöhe herum. Wir winden uns langsam tiefer, genießen Kurven und Landschaft. Am frühen Nachmittag fahren wir dann schon wieder in die Küstenebene hinein und treffen dort auf die Rushhour am Highway. Nach ungefähr 40km steigen wir staubig, sonnenverbrannt und verschwitzt aber überglücklich von den Motorrädern. Und genießen gleich darauf die riesigen Wellen im Meer…..

Fotos: Hubert und Anja Kieweg