Sumaguing Höhle: Reiseziel Sagada in Nord-Luzon

Gerhard Wührer berichtet über seine Wanderung in der Sumaguing Höhle.

Mein erster Eindruck: Hier stinkt´s und das ganz gewaltig! Das kommt von den Fledermäusen, erklärt uns unser Guide. Irgendwo im Dunkel der Höhle hängen diese Tiere der Nacht kopfüber über uns von der Decke der Sumaguing Höhle und lassen ihre Stoffwechselprodukte auf den Touripfad unter ihnen fallen. Wir stehen hier also quasi in der Sch…. von den eigentlichen Verursachern können wir aber im sehr spärlichen Schein der Petroleumlampe unseres Guides nicht viel sehen. Ich richte meine Kamera mal eben so nach oben, warte auf den Fokusierpiepston und drücke ab. Der Blitz leuchtet auf, der Monitor aber bleibt schwarz. Also ist die Decke doch höher als angenommen. Wenn man bloss geahnt hätte, was einen hier erwartet…..

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Die Entscheidung für den Besuch der Sumaguing Höhle trifft wohl jeder Tourist, der sich schon mal auf den Weg nach Sagada gemacht hat. Sagada ist oft Etappe vieler Rundreisen in Nord-Luzon, neben Pinatubo, Vigan und den Reisterrassen in Banaue, Batad, Bontoc und anderen Orten der Kordillera. Sagada selbst liegt in der Mountain Provinz und der Weg dahin ist immer noch ein kleines Abenteuer. Von Baguio nach Sagada sind es knapp 150 km – 150 km die es in sich haben. Man fährt auf dem Halsema Highway in einem steten Kurvenkurs, sich die teilweise sehr enge Strasse mit den LKWs teilend, die gerade die Ernte in die entfernte Hauptstadt Manila liefern. Die Mountain Provinz ist bekannt für ihre endlosen Gemüseterrassen und für die steil ansteigenden und steil abfallenden Strassen. Einmal in Sagada angekommen, ist man jedoch von der Ruhe des Ortes sofort gefangen und jegliches Stressgefühl verschwindet augenblicklich. Hier gibt es noch keine großen Hotels, dafür aber kleine und komfortable Hotels, Pensionen und Guesthouses.

In der Ortsmitte befindet sich das Touristoffice, wo sich jeder ankommende Gast zu registrieren hat und auch gleich seine Tour zu den diversen Sehenswürdigkeiten buchen kann. Wir entscheiden uns natürlich für die geführte Tour in die bekannte Sumigang Höhle. Allerdings für die „tauchfreie“ Variante. Das bedeutet, man watet nicht bis zum Brustbein im Wasser, um von einer Höhle den Übergang in eine andere zu schaffen.

Nach einer angenehm kühlen Nacht ohne Klimananlage (das Bergklima macht es möglich) gehen wir also um 8 Uhr zum Touristoffice, wo uns der Guide schon erwartet. Mit dem Auto fahren wir dann zum Eingang der Höhle, wo uns gleich geraten wird, nicht mit unserem westlichen Schuhwerk in die Höhle zu gehen, sondern besser Flip-Flops zu besorgen. Wo bekommt man die hier? Natürlich im Souvenierladen genau gegenüber des Eingangs der Höhle. Welcher Zufall aber auch! Und natürlich zum doppelten Preis, als man sie hier überall sonst zu kaufen bekommt. Anfangs etwas skeptisch ob der Wahl dieser „Bereifung“ hinsichtlich des zu erwartenden Weges – mir wären wasserfeste Bergschuhe geeigneter erschienen – stellte sich jedoch bald heraus, dass es durchaus machbar ist, Höhlenforschung damit zu betreiben.

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Nachdem wir unsere Schuhe nun gewechselt haben, musste ich nun auch noch die Entscheidung treffen, welche Kamera mitzunehmen ist. Da ich immer zwei Kameras verwende, um mir das zeitraubende und lästige Objektivwechseln zu sparen, ging es nur um die Wahl der Objektive. Schnell noch bei der Meldestelle am Abstieg zur Höhle registrieren lassen und dann geht´s auch schon nach unten – über eine Steintreppe. Nach 100 Metern und etwa 30 Metern Höhenunterschied steht man dann vor dem imposanten Eingang der Höhle, wo der weitere Pfad einen Rechtsknick macht und immer weiter in die Tiefe führt. Nach weiteren 100 Metern und 30 Metern Höhenunterschied, endet dann plötzlich die in den Stein gehauene Treppe und nur mehr rutschige Steine und undurchdringliche Tiefe warten vor uns zur weiteren Begehung.

Das ist der Teil der Strecke, wo der Guide nun seine Petroleumlampe entzündet. Mit einem interessanten Prozedere bringt er die Lampe zum Leuchten und es geht wieder weiter nach unten. Jetzt wird es echt mühsam. Den Guide vor uns, der die Lampe teils vor seinem Körper trägt oder teils über seine Kopf hält, steigen wir weiter in die Tiefe. Hält er die Lampe vor sich, wirft er einen Schatten nach hinten, so dass der Weg, den man betritt, fast nicht zu sehen ist. Hält er die Lampe über den Kopf, wird man so geblendet, dass man wiederum nichts sehen kann. Ich mit meinen zwei Kameras vorm Bauch, vermeide, mich mit den Händen abzustützen, um nicht in die glitschigen, matschigen Felsen greifen zu müssen, bereue in dem Moment die Entscheidung getroffen zu haben, diese Höhle überhaupt besuchen zu wollen. Greift man nach Halt, sind die Hände derart schmutzig, dass man keinen Auslöser mehr betätigen kann. Aber jetzt sind wir schon mal hier, also müssen wir da durch…..

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Jetzt auch das noch, der Gestank der Fledermäuse verbreitet sich zunehmend und wir waten durch all den Mist. Über uns das Gefiepe der nicht sichtbaren Tiere, unter und neben uns die stinkenden, rutschigen Ausscheidungen. Doch kurz darauf haben wir diesen Bereich hinter uns und es geht so weiter, wie es davor angefangen hat. Ich weiss nicht, wieviele Flüche und nicht laut ausgesprochene Verwünschungen später wir den Platz erreichten, an dem wir gesagt bekamen, nun unsere Flip-Flops auszuziehen und barfuß weiter zu marschieren.
Nun fürchtete ich vollends um meine Kameras, den irgendwie hörte ich nun wieder die Berichte in meinem Kopfinneren, wonach es bei der Führung durchs Wasser geht, man nass wird, etc.

Ich war soweit, im Interesse meiner Ausrüstung, das ganze Unternehmen abzubrechen und den Rückweg anzutreten. Meine Zweifel äussernd, beruhigte mich der Guide und erklärte mir, dass es sich lediglich um knöchelhohes Wasser handele. Im Vertrauen auf das Geäusserte wurde also die weitere Begehung der Höhle beschlossen. Und ich muss gestehen, ich habe das mit keinem weiteren Schritt bereut. Es tat sich urplötzlich eine komplett neue „Unter“-Welt auf. Anstatt glitschiger, verschmierter Felsen, begingen wir nun das Sintergestein. Das gibt einem ein Gefühl, als hätte man Saugnäpfe an den Sohlen.

Unerwartet angenehm warmes Wasser floss gemächlich aus einer nicht definierbaren Quelle, füllte seichte Becken auf, durch die wir schritten. Nun war auch die Blendung der Lampe gemildert, da sich der Schein auf der wabernden Wasseroberfläche spiegelte und das Innere der Höhle etwas besser erkenntlich machte, wenn auch nur ganz schwach. Unser erfahrener Guide machte uns auf viele natürlich entstandene Gebilde aufmerksam. Alles in unzähligen Jahrtausenden durch Kalkablagerung gebildet.

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Hier verhalf mir meine Ausrüstung zu den unvergleichlich schönen Bildern, die ich seitdem in meiner Fotosammlung habe. Beeindruckende kleine Wasserfälle, die sich über Gebilde ergiesen, die aussehen wir Orgelpfeifen. Ein Becken, dessen Rand aussieht, als ob eine Python zusammengeringelt vor einem liegt. Eine Miniaturlandschaft in Form eines Canyons, wie man es von den United States kennt.
Das alles befand sich genau am Ende dieser geführten Tour. Um dahin zu gelangen muss man sich vertrauensvoll einem Seil überlassen, um die letzten sieben Meter nach unten zu überwinden. Nach all den eindrucksvollen Motiven, die ja nur kurz im Schein des Blitzes und sehr fahl im Schein der Lampe zu sehen waren, war nun wieder Rückkehr angesagt. Hinauf, hinauf, hinauf. Geschätzte 300 Meter Höhenunterschied in etwa 25 Minuten.

Dementsprechend hechelnd erreichten wir wieder die Erdoberfläche und damit auch das grelle Tageslicht. Schweisstriefend aber mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht, waren wir uns einig, dass es trotz der Widrigkeiten ein lohnenswertes Unternehmen war. Und ich für mein Teil weiss genau, dass ich diese Tour nochmals machen werde. Aber dann mit nur einer Kamera und dafür einem starken Blitzgerät. Denn was mir jetzt noch in meiner Fotosammlung fehlt sind die Bilder von den Fledermäusen….