Ocamocam: Angekommen im Paradies – Fotogeschichten

Fotos und Reisenotizen von Dariusz Oczkowicz:

„It’s more fun in the Philippines“ – stand es in bunten Buchstaben auf dem Rumpf der zweimotorigen Propellermaschine, welche mich von Manila auf die Insel Busuanga brachte. Nicht, dass ich gerade nach “Fun“ gesucht hätte, aber die ersten Tage auf den Philippinen, die ich in Manila verbrachte, vermittelten mir nicht gerade das Bild von einem sonnigen Urlaubsland. Ich will hier nicht falsch verstanden werden: ich mag Manila. Doch zweifelsfrei macht mich diese Stadt müde. Dabei war ich schon erschöpft, als ich auf den Philippinen landete. Der lange Flug, der Jetlag und – last but not least – der Kulturschock, mit dem jeder Besucher dieser Monsterstadt konfrontiert wird, machten mich mürbe und ich sehnte mich nach Erholung.

Der Flug von Manila nach Busuanga dauert eine halbe Stunde, doch die beiden Orte trennen Welten. Hektik? Autoverkehr? Elektrische Energie? Nicht hier. Busuanga ist eine Insel am Tor zum Paradies. Um ehrlich zu sein: Ich wusste gar nicht, wo ich war. Ich hatte mich für diese Insel entschieden, weil ich weg wollte. Weg von allem Lärm und Stress. Und ich wollte so weit fahren, bis ich an einem Strand ankomme, wo kein Weg mehr weiterführt, kein Auto hinfährt und sonst nichts da ist, nur Wasser… Strand… Ruhe. Genau das tat ich auch.

Hidden beach

Ich verbrachte eine unruhige Nacht in einer Billigabsteige in Coron und am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg zum „Busterminal“, also einem staubigen Platz, wo sich scheinbar alle Fahrzeuge der Insel versammeln und vielleicht sogar irgendwann abfahren. Das dauert alles recht lange. Es bleibt genügend Zeit, um ausgiebig zu frühstücken, zu plaudern, in Ruhe paar schöne Bilder machen, ein Eis essen, dann ein zweites… dann wartet man noch etwas und irgendwann geht es los. Ich hatte sogar die Wahl des Fahrzeuges.

Ich konnte mich entscheiden, ob ich mit einem überfüllten Jeepney die Reise antrete, oder vielleicht mit einem nicht minder überfüllten Bus, oder sogar mit einem Lastwagen. Alles nur eine Frage der eigenen Präferenz, denn alle drei Autos sind genauso schnell… Entschuldigung: genauso langsam. Für die 70 km von Coron nach Busuanga Village brauchen sie alle so um die 5 Stunden. Sie fahren ein Mal am Tag (wer die Rückreise auf die gleiche Weise antreten möchte, sollte dies auch in Betracht ziehen: dann fahren sie alle irgendwann in der Nacht).

Es war keinesfalls eine lange Fahrt, denn ich war ja auf den Philippinen!

Alles war neu für mich. Alles war interessant: die Menschen kehrten in ihre Dörfer zurück, die Kinder von der Schule nach Hause. Alles war anders, als ich es mir vorgestellt habe und alles stimmte mich zuversichtlich. Ich weiß nicht warum, aber als ich den Bus verlassen hatte und mich der Sonne nach in Richtung Meer machte (es war irgendwo im Westen…), fühlte ich mich frei. An einem der Häuser fragte ich einen Mann nach dem Weg zu einem Ort namens Ocamocam. „Ocamocam? Hm… sind aber paar Kilometer dorthin“. Eine Weile später saß ich Huckepack auf einem Motorrad und fuhr Richtung Strand.

Das Resort bestand aus ganzen zwei Cottages: einfache Bambushütten mit einem großen Bett und Veranda. Ich war allein. Vom Meer wehte eine leichte Brise. Die Palmen spendeten einen angenehmen Schatten. Durch ihre Blätter, durch Sträucher mit riesigen Hibiskusblüten sah ich die Strahlen einer untergehenden Sonne. Ich warf mein Gepäck ab, schnappte mir meine Kamera und ging in Richtung Strand.

Ich war angekommen, angekommen im Paradies.

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