Mayon: Nur der Berg weiss, wann es passt – Fotogeschichten

Fotos und Reisenotizen von Dariusz Oczkowicz:

Ich weiss nicht, ob alle Touristen, welche die Stadt Legazpi ansteuern, dies wegen dieses Berges tun. Mit Sicherheit sind es aber die meisten. Der Berg ruft und er tut es laut und deutlich, denn der Mt Mayon gehört nicht nur zu den schönsten, sondern auch zu den aktivsten Vulkanen der Welt. So wird es wohl niemanden überraschen, dass auch mich der Ruf des Berges erreichte. Ihm folgend, machte ich den Mayon zu einem meiner wichtigsten Ziele auf den Philippinen.

Es mag scheinen, dass ein Bild von diesem Berg ein Kinderspiel ist: man braucht nur zum Markt zu gehen und über die Dächer zu schauen. Wenn gerade keine Wolken über der Stadt liegen (meist morgens), so thront der Riese knapp 2500 Meter über der Stadt. Nicht zu übersehen. Doch den Berg sauber vors Objektiv zu bekommen, ist eine ganz andere Geschichte.

Traum und Hölle im Paket- Mayon Vulkan im Süden von Luzon

Traum und Hölle im Paket- Mayon Vulkan im Süden von Luzon

Noch am ersten Tag versuchte ich den Aussichtspunkt Nr.1 zu erreichen. Es ist ein Hügel direkt über dem Hafen. Die Bilder aus dieser Perspektive kannte ich bereits: Stadtpanorama, Hafen unten links, darüber der Mayon mit seiner Südflanke. Eine perfekte Kulisse für eine Abendaufnahme. Doch Legazpi ist eine aufstrebende Stadt und der besagte Hügel wurde von den Inhabern der zu seinen Füssen gelegenen Shopping-Mall aufgekauft und zu Privatgrund erklärt.

„Nun ja, ist ja weiter nicht schlimm“ – dachte ich, als ich an den beiden überraschten Guards grüßend vorbeimarschierte. Den Jungs blieb allerdings nichts anderes üblich, als in ihre Uniformen zu springen, sich die MG’s zu schnappen und mich einzufangen. Sie waren nett und freundlich, ließen mich sogar noch ein Bild machen… ein Schnappschuss eben. Das war wohl nichts.

Der Aussichtspunkt Nr.2 ist der unter den Touristen wohl recht beliebte Ligñon Hill (Passionshügel). Ein japanischer Bunker und Erfrischungsgetränke ziehen zahlreiche Gäste an. Ja, der Mayon ist auch wunderbar zu sehen, wohl ganz besonders eindrucksvoll von der Zipline aus, welche die gesamte Aussicht auf den Berg zerschneidet. Nun ja… der Gipfel war sowie in Wolken.

Natürlich – wird manch Einer denken – könnte man auch einen Guide nehmen und mit einer organisierten Gruppe den Berg erkunden. Theoretisch stimmt das auch. Leider nicht für mich. Erstens, um Bilder zu machen brauche ich Bewegungsfreiheit; sowohl zeitlich als auch räumlich, was in einer Gruppe kaum möglich ist. Zweitens, werden die Touren auf der Nordflanke des Berges organisiert und das ist für mich die falsche Seite.

Aber keine Panik! Schließlich will ich einen Berg fotografieren, keine Nadel im Heuhaufen. Das „Ding“ steht ja da und sieht so nah aus… Um 4 Uhr klingelt der Wecker und ich mache mich sofort auf den Weg. Zu Fuß, denn es ist mir nicht gelungen einen Jeepney zu finden, der möglichst nah an die Südflanke fährt. Nach gut einer halben Stunde Fußmarsch nimmt mich doch ein Jeepney mit und fährt in ein Dorf, irgendwo. Dort finde ich ein Tricycle, dessen Fahrer verspricht mich (zu einem akzeptablen Preis!) direkt vor die Lavaspur der Südseite zu fahren. Das tut er auch!

Der schwarze Streifen der Lavaasche zieht sich vom Gipfel bis ans Meer. An der ersten Siedlung der todesmutigen Einwohner befindet sich ein Jeepney-Stand (!), ein paar Hüten und ein Laden. Ich weiß nicht, was die dort verkaufen, aber definitiv kein Wasser… ich habe ebenfalls keines mit. Trotzdem mache ich mich auf den Weg den Berg hoch. Anfangs entlang der schwarzen Rinne des staubigen Lavaflusses, dann durch ein paar Felder, an den im Schlamm badenden Carabaos vorbei, an den Bananengewächsen eines dschungelhaften Waldes und schließlich erreiche ich eine Hochebene.

Hier verläuft sich der Pfad im Grass. Ein Filippino hat sich hier einen Gemüsegarten angelegt. Vereinzelt ein paar verdorrte Bäume und ein offener Blick auf den Berg. Prächtig sieht er aus mit seinem Dampfschwaden über den Krater. Doch in die Schönheit mischt sich zunehmend ein Gefühl der stetigen Bedrohung bei. Dieses Ding ist doch aktiv. Aber… all die Menschen um den Berg wohnend, all die modernen Frühwarnsysteme. Hier wird doch nichts eruptieren, oder?

Ich bin durstig. Die Nachmittagssonne brennt gehörig und der schwarze Boden kocht. Ich mache ein paar Bilder und schon bin ich auf dem Rückweg. Immer wieder schaue ich zurück, um mich zu vergewissern, dass da wirklich nur der Dampf aus dem Krater steigt. Keine 30 Tage später eruptiert der Mt Mayon. Fünf Menschen, darunter drei deutsche Touristen, kommen dabei ums Leben.

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Urlaub unter Vulkanen