Southroad auf Caramoan: Abenteuer in Süd-Luzon

Lesen Sie heute den spannenden zweiten Teil des Reiseberichts von Stefan Ammon, dem Macher der Crazy Coconut Cottages in Paniman, Caramoan, über die Southroad in Süd-Luzon.

Southroad nach Caramoan

Verzweifelt versuchten wir mit Händen den Jeepney freizugraben, anzuschieben oder sonst irgendwie aus dem Schlamm zu kommen. Chancenlos. Es war bereits dunkel, so machten sich zwei von uns auf den Weg, ich selbst blieb mit meiner Freundin im Jeepney, wir deckten uns provisorisch mit Trapal zu und verbrachten den Rest der Nacht vor Kälte zitternd, mit Schlamm überdeckt und klatschnass im Jeepney. Schlaf war so gut wie ausgeschlossen, da es erstens zu kalt war und zweitens so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht sehen konnte. Wir standen mitten auf der Straße, was keinen störte, da 2013 fast nie jemand die Straße nutzte. Unheimliche Geräusche machten uns weniger neugierig darauf, was sie wohl verursacht haben könnten als ängstlich oder unsicher. Schließlich hatten wir gehört, dass dieses Gebiet stark von der New Peoples Armee (NPA) besetzt sei und obwohl diese kommunistische Bewegung in aller Regel keine Touristen bedrängt, wollten wir Ihnen doch nicht unbedingt nachts auf der Southroad begegnen. Außerdem wussten wir, dass viele Schlangen vor allem nachts aktiv sind und obwohl derartige Ängste sicherlich unbegründet sind, empfindet man dann viele Geräusche als potentielle Bedrohung.

Am nächsten Morgen kamen unsere Freunde dann mit Hilfe aus Presentacion zurück. Sie hatten eine ebenso unangenehme Nacht wandernd durch den Regen verbracht, was dieses junge Pärchen allerdings als „Bonding night“ empfunden hat trotz aller Unannehmlichkeiten, die diese Nacht allen bescherte. Wir wurden von einem netten Jeepney – Besitzer aus Presentacion, der bis heute mein Freund ist, aus dem Schlamm gezogen, fuhren zurück nach Presentacion und beschlossen dort wegen des anhaltenden Regens unsere Einkäufe auf ein Boot umzuladen und die Jeepney Tour abzubrechen.

In Süd-Luzon über die Southroad nach Caramoan

Heute hat sich zwar viel geändert, allerdings ist die Southroad immer noch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Ca. 80 % der Strecke sind inzwischen zementiert, wobei die alten Zementstrecken auseinanderbrechen oder abgefahren sind, was auch dem seit 2014 gestarteten Buslinien von Raymond anzurechnen ist. Es fahren mittlerweilen drei Busse täglich von Naga nach Caramoan und wieder zurück. Dieser Belastung ist die Zementdecke der Straße nicht gewachsen. Wer die Southroad befahren möchte, sollte zumindest ausreichend Bodenfreiheit unter seinem Auto haben. Allrad benötigt man nicht mehr. Mit dem Moped ist die Straße ein Kinderspiel. Mit dem Auto muss man mehr aufpassen, da man zwei Spuren zum Fahren benötigt. Wenn es regnet, sollte man auch heute noch auf die Fahrt verzichten und das Boot zum Übersetzen wählen.

Für die Strecke von Lagonoy nach Caramoan benötige ich heute noch ca. 2,5 Stunden. Früher brauchte ich 5 bis 6 Stunden. Sicherheit bedeutet auch die Fahrt so zu planen, dass man vor Einbruch der Dunkelheit das Ziel erreicht hat. Auf der Strecke sind zahlreiche Löcher und große Spalten im Zement, die leicht einen Schaden am Fahrzeug machen können. Besondere Vorsicht ist auf zwei immer noch Roughroad – Passagen zwischen Lagonoy und Presentacion angesagt. Dort sind die Bodenkuhlen z. T. sehr tief. Von Lagonoy aus gesehen vor Bikalin und in Bikalin ist es der Zement sehr stark gebrochen und hat tiefe Risse. In einer der Kurven dort neigt sich die Straße dank eines Risses zum Abgrund hin und dies ist einer meiner Gründe, warum ich die Strecke im Bus sicherlich nicht machen werde. Derartige Abbrüche kommen durch Unterspülung des Zementes. Einige sind jetzt gekennzeichnet – andere nicht.

Mit dem Jeep nach Caramoan

Auf der Strecke gibt es einiges zu sehen. Wie schon erwähnt sollte man im ersten Teil der Straße vorwiegend nach Osten, also nach rechts schauen, um den Mt. Mayon und das Meer zu bewundern. Später dann ist es vor allem der tropische Wald, der sehenswert ist. In Presentacion empfiehlt sich ein Stopover bei Rey Jhun. Das ist eine kleine Eatery und ein Sari Store, der von Ate Claring geführt wird, deren Ehemann mich damals aus dem Schlamm gezogen hat. In den Dörfern nach Presentacion kann man sehen wie die Fasern aus Bananenstämmen getrocknet werden, um sie zu Hängematten oder Körben zu verarbeiten. Den ersten Ausblick auf die Ostküste von Caramoan erhält man auf dem Gipfel bei Kilometer 542. Hier unbedingt anhalten und Fotos machen. Auch der Ausblick in südlicher und nordwestlicher Richtung ist atemberaubend. Bereits kurz vor Caramoan fährt man dann an einem touristischen Highlight vorbei. Bei Tabgon befindet sich eine Mary Statue auf einem Hügel. 526 Stufen sind es bis nach oben, die sich allerdings lohnen. Denn von hier hat man einen wunderschönen Ausblick über ganz Caramoan einschließlich der vorgelagerten Inseln.

Tja – und nach ca. 3 Stunden Fahrt ab Lagonoy hat man dann Caramoan auch schon erreicht. Müde, staubig – aber vermutlich mit strahlenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen.

Bilder: Stefan Ammon

Lesen Sie hier den ersten Teil des Berichts