Aquino in Marcos Fußstapfen? – Hintergrund (Teil 1)

von Gerhard Knauber.

Wer verbirgt sich hinter PNoy Aquino?

Der aktuelle philippinische Präsident, Benigno Simeon „Noynoy“ Cojuangco Aquino III (so sein korrekter und vollständiger Name), wurde am 8. Februar 1960 in Manila geboren und erreichte seinen politischen Höhepunkt mit der Wahl zum Präsidenten am 10. Mai 2010. Er übernahm am 30. Juni 2010 sein Amt und wird es voraussichtlich 6 Jahre begleiten; eine Wiederwahl ist durch die Verfassung ausgeschlossen. Doch wer ist dieser „Noynoy“, der vom Volk auch gerne als „PNoy“ bezeichnet wird?

Sein Vater, Benigno Simeon „Ninoy“ Aquino, Jr. war seinerzeit DER Shootingstar der philippinischen Politszene. Er heiratete mit 21 Jahren Maria Corazon Sumulong „Cory“ Cojuangco, die aus einem der reichsten Familienclans stammte und später zur ersten Präsidentin des Landes werden sollte. Ihr Clan wird aber auch häufig insbesondere mit finanziellen Ungerechtigkeiten und Blutvergießen in Verbindung gebracht, wie bei der höchst umstrittenen Landverteilung der Hacienda Luisita, die noch immer nicht abgeschlossen ist.

Bei näherer Betrachtung stellt sich der Fall der Hacienda jedoch nur als Spitze eines Eisbergs an unvorstellbarem Reichtum der Cojuangco-Familie heraus, zu deren Wirtschafts-Imperium Unternehmen gehören, wie z.B. San Miguel (Lebensmittelkonzern und Brauerei), die Bank of Commerce, Petron Corp., mehrere Stromerzeugungs- und Telekommunikations-Unternehmen, Anteile von Philippine Airlines oder auch etliche Infrastruktur-Unternehmen.

Ninoy Aquinos (der Vater Noynoys) politische Karriere ging damals steil nach oben und wurde von Diktator Ferdinand Marcos als gefährlicher Rivale eingestuft. Als Marcos 1972 das Kriegsrecht ausrief, lies er Aquino verhaften. Von einem Militärtribunal wurde er 1977 zum Tode verurteilt, wobei das Urteil allerdings nicht vollstreckt wurde. Im Jahr 1980 erlitt Ninoy Aquino einen Herzinfarkt und durfte zur Behandlung in die USA reisen. Über die Behandlung hinaus blieb er jedoch zunächst in seinem Exil.

1983 war Marcos erkrankt und Aquino ging davon aus, dass dies zum Tod des Diktators führen würde. Da er Unruhen im Land befürchtete, falls Marcos versterben würde, entschloss sich Aquino zur Rückkehr, obwohl ihm Imelda Marcos hinsichtlich seiner Reisepläne offen drohte. Beim Verlassen des Flugzeugs, das ihn wieder nachhause brachte, wurde Ninoy Aquino dann auf mysteriöse Weise am 21. August 1983 erschossen. Dadurch wurde er zum Märtyrer der Bewegung gegen Marcos und Cory Cojuangco Aquino wurde zum lebenden Symbol dieser Bewegung.

Im Jahre 1986 lies Marcos auf massiven Druck hin Neuwahlen abhalten. Sowohl Marcos als auch Cory Aquino proklamierten den Sieg für sich. Die daraufhin ausbrechende EDSA-Revolution vertrieb dann Marcos ins Exil. In einer hektisch herbei geführten Zeremonie, lies sich dann Cory Aquino zur Präsidentin vereidigen, da sie befürchtete ein anderer könnte ihr das Amt wegschnappen.

Während ihrer Amtszeit wollte sie, die unter Marcos sich verschlimmernde Korruption bekämpfen. Viele Beobachter beschreiben allerdings eher ein weiteres Entfachen von Vetternwirtschaft und Korruption.

Während ihrer Amtszeit entstand die neue Verfassung, die von vielen wie ein unveränderliches Heiligtum verehrt wird – auch bisher vom derzeitigen Präsidenten Noynoy Aquino. Forderungen nach Anpassungen oder „ChaCha“ („Charter Change“, zu deutsch: Änderung der Verfassung) wurden bislang von ihm und vielen seiner Anhänger abgebügelt. Die wichtigste Forderung des Auslands und der so wichtigen ausländischer Investoren, fielen dieser Pauschalablehnung der Verfassungsänderung, regelmäßige und unbegründet zum Opfer. Dies hält jedoch Ausländer davon ab, in die Philippinen zu investieren, da sie lediglich eine finanzielle Minderheit besitzen dürfen.

Die Amtszeit von Corazon Cojuangco Aquino war aber auch geprägt von etlichen Putschversuchen. Bei einem dieser missglückten Staatsstreiche, die der heutige Senator „Gringo“ Honasan gegen die Präsidentin führte, wurde Noynoy Aquino bei einer Schießerei schwer verletzt. Eine der 5 Kugeln die ihn trafen, konnte nicht aus seinem Hals entfernt werden und verblieb ihm als unfreiwilliges „Andenken“ bis heute.