Die Sulu See ruft und „Mescalito“ hört

Logbuch Teil 2: Segelkunde und Segel setzen

Seekartenstudium

Seekartenstudium

George redet nicht viel. Aber wenn George redet, dann hat es Relevanz: „This is not a knot“. Also wieder auf Start und das Seil erneut in Angriff nehmen. Der kanadische Kapitän und Indiana Jones-Verschnitt hat den Segelnovizen bei einem kurzen Transfer zwischen den Jachten in der Bucht von Puerto Princesa mehr durch Zufall auf sein Dingi bekommen und jetzt auch noch das: Segelkunde, erste Seite, einfacher Palstek. Wie ging das noch? Das Krokodil rennt um die Palme und springt irgendwo hin. Aber wohin? Genau, in den Brunnen! Was eigentlich überhaupt keinen Sinn macht, ist hier die entscheidende Eselsbrücke. Der Knoten gelingt. Euphorie pur, die von George umgehend massiv gebremst wird: „Not too bad.“ Lob klingt anders.

Der Matrose und sein ABC

Der Matrose und sein ABC

Plötzlich erscheint der eigene Kapitän wieder sehr freundlich, was natürlich ein Trugschluss ist. Die Ruhe hat einen Grund: Karten werden studiert, Kurse berechnet, See- und Wetterdaten abgefragt. Die Kippe klebt bedenklich tief an der Unterlippe, als ein scheinbar harmloser Satz fällt: „Könnte so gehen!“ Wieso „könnte“, bitte schön? Offenbar ist die Sulu See kein Zuckerschlecken. Sagen gibt es, Gerüchte noch mehr. Dabei reicht die Realität schon aus: Schlechtes Wetter taucht aus dem Nichts auf, große Frachter auch, Piraten mit besonderen Wünschen sowieso. Und genau dahin geht es …

Mit dem Bootsjungen lässt sich das Thema nicht umfassend diskutieren. Er wuselt auf Deck umher, zieht Seile in unerklärlicher Art und Weise umher und sagt immer wieder: „New boat, new boat.“ Nettes Kompliment für die Mescalito, doch irgendwie unzutreffend. Dann wird klar: Auch er ist ja neu an Board, zwar mit Erfahrung, nur eben nicht mit der „Mescalito“. Aber er arbeitet schnell und engagiert, denn er hat noch einen besonderen Grund, warum die Segelreise erfolgreich und zügig voran kommen soll. In der Tambobo Bucht auf Negros arbeitet seine Freundin in einem Resort und plant schon für den freien Tag, wenn er ankommt. „Soll seinen Spaß haben, aber nicht hier an Bord“, grinst der Kapitän vom Laptop her und saugt genüsslich am letzten Rest Zigarette. Das Grinsen verschwindet, als das Telefon des Bootsjungen wieder mal eine SMS ankündigt, wobei der Text seit Tagen fast identisch ist: „Are you coming? – Yes, I am coming!“ Das Leben kann so einfach sein.

So muss ein richtiger Knoten aussehen.

So muss ein richtiger Knoten aussehen.

Letzte Nacht in Puerto Princesa

Letzte Nacht in Puerto Princesa

Und dann geht es los, die „Mescalito“ schippert langsam aus der Bucht von Puerto Princesa. Hier und da ein Gruß von den anderen Seglern. Der Morgen ist angenehm, die Temperaturen noch erträglich, der leichte Fahrtwind trägt dazu bei. Plötzlich ungewöhnliche Motorengeräusche auf Backbord! Oder war es doch Steuerbord? Keine Zeit für das Matrosen ABC, aber gleich auch wieder Entwarnung: Ein Fischer ist mit seiner schmalen Banka ein paar Knoten schneller und blickt beim Überholen kurz auf: „Where are you going?“ fragt er und bekommt „Sulu Sea“ zur Antwort. Hat er da eben mit der Wimper gezuckt? In jedem Fall sagt er nur: „Good luck“. Brauchen wir das Glück wirklich nach all den Vorbereitungen? In ein paar Tagen wissen wir mehr, gleich bricht die Verbindung zum letzten Mobilfunkmast ab, noch schnell den Text abschicken und … Hoffentlich bis bald!

Mit PhilStep auf die Philippinen

Mit PhilStep auf die Philippinen

 
Autor:
Stephan ist normalerweise auf Nordluzon unterwegs.
Mit PhilStep bietet er Rundreisen an.

Ziele sind u.a. der Pinatubo Vulkan,
die spanische Kolonialstadt Vigan
und natürlich die Kordillera mit
den hängenden Särgen in Sagada und
den weltbekannten Reisterrassen.

 
 
Weitere Bilder hier:
(Zum Vergrößern bitte das Minibild anklicken …)

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