Mescalito ist eine freundliche, dicke Lady

Logbuch Teil 1: Einschiffen und Aufräumen

Die Mescalito

Die Mescalito

„Katzenartige Bewegungen, bitte“, sagt der Kapitän mit klarer und ruhiger Stimme, skeptisch mich durch leicht zugekniffene Augen beobachtend. Jetzt heißt es, die erste Prüfung bestehen und ohne Absturz vom Pier ins Dingi heruntersteigen. Die versammelte Seglergemeinde sitzt superentspannt im Schatten des Abanico Jacht Club in Puerto Princesa, den Segelnovizen ebenfalls musternd: Kanadier, Franzosen, Russen, Engländer, Australier … coole Jungs, manche schon etwas älter, aber mit gesund aussehenden sonnengebräunten Gesichtern. Aus allen Teilen der Welt sind die Kapitäne mit ihren Segelschiffen in die schöne Bucht nach Puerto Princesa gekommen. Sie Stadt liegt ganz in der Nähe, aber doch weit genug weg. Der Blick kann schweifen, bleibt an der beeindruckenden Bergkette von Palawan hängen.

Die Mescalito - keine Nussschale

Die Mescalito – keine Nussschale

Der erste Auftritt vom Pier in das Dingi gelingt, Landratte ja, aber eben auch Surfer und deshalb mit den Bewegungen des Meeres nicht völlig unvertraut. Aber das interessiert Kapitän Gio nicht mal am Rande. Wichtig sind jetzt für ihn Diesel, Wasser und Proviant. Für den Anfang, denn auf dem Schiff warten noch ganz andere Aufgaben. Der Skipper hat zwar am nächsten Tag Geburtstag – „irgendwas mit einer fünf vorne“ – aber jetzt geht es nur noch um seine „freundliche, dicke Lady“. Und die liegt leicht schaukelnd im Wasser und wartet auf ihn, draußen in der Bucht, gut 100 Meter vom Pier entfernt. Erst sieht sie klein aus, doch dann wird sie immer größer. Gio grinst mich an, durchaus mit Stolz und das nicht ohne Grund: Mit diesem Schiff ist er aus dem Mittelmeer durch den Suezkanal, durch das rote Meer, an Arabien vorbei, nach einem Abstecher nach Madagaskar und den Seychellen, über die Malediven, Sri Lanka, Thailand, Malaysia und Borneo bis nach Palawan auf den Philippinen gesegelt. Mit Unterbrechungen hat das gut sieben Jahre gedauert.

Boote am Abend in Puerto Princesa

Boote am Abend in Puerto Princesa

Die „Mescalito“ ist ein Einmaster, auch „Schaluppe“ genannt. Die komplette Länge des Masts kann für die Segel genutzt werden. 45 Fuß lang und rund 10 Tonnen schwer, 3 Doppelkabinen, ein großes gemütliches Segelschiff, gebaut 1988 in Frankreich, heute unter deutscher Flagge. Doch damit auch schon genug der Theorie. Der Kapitän sagt an, der echte Bootsjunge Christopher, ein drahtiger junger Cebuano, packt zu und bewegt sich elegant, fast schon tänzelnd über das Schiff, der neue Bootsjunge schaut derweil mal, wo er sich überhaupt festhalten kann und darf. Dabei schwankt die „Mescalito“ noch nicht mal, eher sanft wiegend liegt sie auf dem Wasser. „Das wird sich bald ändern“, meint Gio und reicht den Proviant weiter. Jetzt heißt es Aufräumen und Verstauen. Hier und da sind kleine Arbeiten zu erledigen, das Schiff muss „klar“ gemacht werden.

Landratte oder Seebär

Landratte oder Seebär

Die anstehende Reise wird einige hundert Seemeilen von Palawan nach Negros gehen, kein Pappenstiel, es geht über das offene Meer, mit allem was dazu gehört. Was das genau sein wird, will das neue Crewmitglied noch gar nicht so genau wissen. Und wann die Segel gesetzt werden, steht auch noch in den Sternen, der Kapitän studiert die Karten und das Wetter. Das sonntägliche Buffet im Jachtclub soll in jedem Fall noch mitgenommen werden, der nachfolgende Satz klingt nicht gut: „Danach gibt’s ja erst mal weniger …“. Ein kühles Bier zum Sonnenuntergang sorgt für allgemeine Entspannung, der Tag klingt aus, von Stadt wehen akustische Karaoke-Fetzen herüber. Dann ruft die Kabine im Bauch der „Mescalito“, klein, aber gemütlich. Und schon entschlummert der Autor selig: Angekommen, aufgenommen, oder einfach: „Welcome on Board!“

Erster Logbuch Eintrag erledigt ...

Erster Logbuch Eintrag erledigt …

Mit PhilStep auf die Philippinen

Mit PhilStep auf die Philippinen

 
Autor:
Stephan ist normalerweise auf Nordluzon unterwegs.
Mit PhilStep bietet er Rundreisen an.

Ziele sind u.a. der Pinatubo Vulkan,
die spanische Kolonialstadt Vigan
und natürlich die Kordillera mit
den hängenden Särgen in Sagada und
den weltbekannten Reisterrassen.

 
 
Weitere Bilder hier:
(Zum Vergrößern bitte das Minibild anklicken …)

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