Bürgermeister provoziert mit öffentlichem „Pranger“ für einen Dieb

6. März 2014 – Der Bürgermeister von Tanauan (Batangas) zwang – ohne Gerichtsverfahren – einen angeblichen Dieb in der Öffentlichkeit mit einem Schild umher zu laufen, auf dem stand, dass er Fisch gestohlen hat. Dies wurde nun von Menschenrechtsgruppen gestern verurteilt, nachdem die Aktion im Internet für Empörung sorgte.

In einem auf YouTube veröffentlichten Video des Fernsehsenders ABS-CBN, wurden dem Mann die Hände auf dem Rücken gebunden und ihm eine Plastiktüte mit Fischen gegeben, während er sowohl auf der Brust als auch auf dem Rücken ein Schild trug, mit der Aufschrift „Ich bin ein Dieb“.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=4CZDJhEFpZI[/youtube]

Etliche Männer, die als Sicherheitspersonal der Stadtverwaltung identifiziert wurden, lachten den gefesselten Mann aus und verspotteten ihn. Desweiteren zwangen sie ihn, vor einer Fischhändlerin nieder zu knien und sich für seine Straftat zu entschuldigen.

„Das ist ein klarer und grober Verstoß gegen die Menschenrechte.“ sagte Loretta Ann Rosales, Leiterin der philippinischen Menschenrechtskommission. „Auch wenn er nicht physisch gefoltert wurde, so wurde er doch mit Schmach und Häme überschüttet und damit psychisch gefoltert.“, fügte sie hinzu. „Nur ein Gericht kann über Schuld und Strafe befinden. Das jedenfalls ist kein faires Verfahren.“

Gegen Bürgermeister Thony Halili sollte wegen Machtmissbrauch und seiner Rolle während der „Scham-Kampagne“ ermittelt werden, sagte Rosales. Noch ist unklar, wann das Video exakt entstand. Der Bürgermeister konnte gestern für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Jedoch berichtete er gegenüber dem Sender GMA, dass er den öffentlichen Pranger angeordnet habe.

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„Er ist ein Wiederholungstäter. Da blieb mir keine andere Möglichkeit, als ihn öffentlich zu beschämen.“, rechtfertigte sich Halili in dem Interview. Die Aktion ereignete sich nur wenige Tage, nachdem die Vereinigten Staaten die Philippinen wegen Nichteinhaltung der Menschenrechte scharf kritisierten, einschließlich außergerichtlicher Tötungen sowie der weit verbreitete Machtmissbrauch und Korruption. (Vgl. HIER: Heftige Kritik der USA an den PH in ihrem Menschenrechtsbericht)

Auf YouTube provozierte das Video wütende Kommentare: „Gibt es noch immer diese Form der Barbarei bei uns? Eine Schande!“, kommentierte ein Leser. Andere warfen der Regierung ein ungerechtfertigtes Herausgreifen von Kleinkriminellen vor, während sie bei korrupten Amtsträgern zwei Augen zudrücke.

Auf der einen Seite seien die Philippinen zwar eine der „freiesten Demokratien“ in Asien. Aber andererseits bemängeln Menschenrechtler eine „Kultur der Straflosigkeit“, in der die Mächtigen Straftaten begehen könnten und dennoch straffrei davon kämen. Dies habe nicht nur zu einem Wildwuchs an Morden unter Journalisten und Aktivisten geführt, sondern auch zu einer Selbstjustiz gegenüber Kleinkriminellen.


Quelle u.a.: http://www.journal.com.ph/index.php/news/provincial/68379-batangas-walk-of-shame-mayor-provokes-outrage