Dacer-Corbito Morde: US-Gericht verurteilt Lacsons/Estradas „Helfer“

23. Jan. 2014 – Was die Justiz in den Philippinen nicht zustande bringt, urteilte jetzt ein Gericht in den Vereinigten Staaten: einen Hauch von Gerechtigkeit im Dacer-Corbito Mordfall.

Den Töchtern des ermordeten Publizisten Salvador ‚Bubby‘ Dacer wurde gestern eine Entschädigung in Höhe von über 4,2 Millionen Dollar von dem US-Bezirksgericht zugesprochen, die der vermeintliche Mörder ihres Vaters, der ehemalige Polizeibeamte Michael Ray Aquino zu zahlen hat.

Dacer war ein bekannter philippinischer Publizist, der zusammen mit seinem Fahrer, im November 2000 brutal ermordet wurde. Dies ereignete sich kurz nachdem er in den Präsidentenpalast vorgeladen wurde, in Verbindung mit dem Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten und jetzigen Bürgermeister von Manila, Joseph Estrada.

Salvador ‚Bubby‘ Dacer hatte als Publizist viele Top-Kunden in der philippinischen Politik, insbesondere die ehemaligen Präsidenten Fidel Ramos und Joseph Estrada. Bubby Dacer und sein Fahrer, Emmanuel Corbito wurden in Makati entführt und später ermordet.

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Als Hintergrund des Mordes werden politische Motive genannt. So beschuldigte Fidel Ramos öffentlich seinen Nachfolger, Joseph Estrada, den Mord beauftragt zu haben. Estrada war zu der Zeit in einen Korruptionsskandal verwickelt. Laut etlicher Berichte, war Estrada davon überzeugt, dass Dacer Ramos dabei half, seine Regierung zu destabilisieren.

Im Jahr 2001 erhob das Justizministerium, wegen der beiden Morde an Dacer und seinem Fahrer Corbito, Anklage gegen den Polizeibeamten Michael Ray Aquino und gegen Cezar Mancao. Beide setzten sich jedoch im selben Jahr in die USA ab, wo sie Arbeit fanden. Sowohl Aquino als auch Mancao waren sehr enge Mitarbeiter des damaligen Leiters der philippinischen Polizei Lacson, der erst kürzlich von der Regierung Aquino zum Leiter des Wiederaufbaus der vom Taifun Yolanda zerstörten Region, ernannt wurde.

Mancao wurde schließlich nach Manila ausgeliefert, aber sein Komplize Aquino versuchte, allen Bemühungen zum Trotz sich zu widersetzen, auf die Philippinen ausgeliefert zu werden. Im Jahr 2005 wurde er in New Jersey wegen eines abgelaufenen Visums festgenommen. Die US-Behörden verklagten ihn später jedoch wegen eines anderen Falles, nämlich der Spionage. Mancao, auf der anderen Seite, flüchtete aus dem NBI (National Bureau of Investigation) Gefängnis im Mai 2013.

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Aquinos Verhaftung in New Jersey ermutigte Dacers Töchter, die zu diesem Zeitpunkt bereits die US-Staatsbürgerschaft besaßen, Gerechtigkeit vor einem US-Gericht zu suchen. So reichten sie eine 60 Millionen $ Entschädigungsklage gegen 7 ehemalige philippinische Amtsträger ein, einschließlich Estrada, Lacson und Aquino.

Der Fall wurde auf Basis des Gesetzes für Folterungsopfer vor dem amerikanischen Gericht verhandelt. Das ‚Torture Victim Protection Act‘ (TVPA), erlaubt Ausländern Fälle vor amerikanischen Gerichten zu verhandeln, auch wenn die Menschenrechtsverletzungen durch Amtspersonen einer ausländischen Regierung in einem beliebigen Land durchgeführt wurden.

„Es ist wichtig, vor solch außergerichtlichen Tötungen von Publizisten abzuschrecken, vor allem wenn die Opfer US-Bürger sind. Trotz der grausamen Weise des Mordes an Salvador Dacer, ist es Michael Aquino offenbar gelungen, sich der Justiz zu entziehen.“, begründet Richter William Alsup sein Urteil.

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Dacer wurde mit einem Draht erdrosselt und seine Leiche verbrannt in einem ausgetrockneten Bach gefunden. „Die grausame Art und Weise, in der der Beklagte Michael Aquino die Entführung von Salvador Dacer inszenierte, ihn folterte und ermordete, ist ernüchternd.“, heißt es weiter. Die 4,2 Millionen $ Entschädigung wurden in Abwesenheit Aquinos angeordnet, da dieser an 8 Verhandlungstagen nicht erschien.

Und was macht Aquino heute? Er wurde im Jahr 2011 von der USA an die Philippinen ausgeliefert. Er wurde vom NBI inhaftiert und schließlich im Jahr 2012 freigelassen, nachdem ein Gericht in Manila den Mordfall gegen ihn abwies.

Aquino bewegt sich jetzt als freier Mann in Manila und soll als Sicherheitsberater für ein großes Unternehmen arbeiten. Nach diesem Gerichtsurteil kann Aquino nicht in die USA einreisen, es sei denn er zahlt den Dacer Töchtern die 4,2 Mio. $.


Quelle u.a.: http://www.rappler.com/nation/48635-dacer-damages-us-ruling