Eine muslimische „Weihnachtsgeschichte“

15. Dez. 2013 – Die christlichen Bewohner Zamboangas bemerkten nichts Ungewöhnliches, als sie Muslime mit Tischlerwerkzeug entdeckten – bis sie erkannten, dass diese sich freiwillig gemeldet hatten, um beim Wiederaufbau einer katholischen Kapelle zu helfen.

„Wir dachten, dass sie nur zerstörte Moscheen wieder aufbauen wollten.“, sagte Jimmy Villa, Barangay Captain des Stadtteils Santa Catalina. Aber zur Überraschung der überwiegend christlichen Bevölkerung, kündigten die Muslime an, dass sie nach Santa Catalina kamen, um beim Wiederaufbau der ‚Christ the King‘ Kapelle zu helfen.

Erbaut in den frühen 80er Jahren, wurde die Kapelle von einem der vielen Brände zerstört, der während der dreiwöchigen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Guerillas der ‚Moro National Liberation Front‘ im vergangenen September ausbrach.

Als die Kämpfe beendet waren, blieben nur eine Wand und der Altar der Kapelle stehen. Die 100 Jahre alte hölzerne Statue des ‚Christ the King‘, die regelmäßig bei großen religiösen Prozessionen hier zum Einsatz kam, überlebte die Flammen nicht.

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„Wir haben noch nie von Muslimen gehört, die beim Bau einer Kapelle halfen.“, sagte Villa. Doch bevor die Christen auf die Aktivitäten der Muslime reagieren konnten, gingen diese an die Arbeit, sägten Holz, schlugen Nägel ein und leisteten Hilfe, die Kapelle wieder aufzubauen.

„Wir sind sehr glücklich darüber. Die Bevölkerung von Santa Catalina ist tief berührt von der Unterstützung durch die Muslime. Wir rechnen unseren muslimischen Brüdern und Schwestern ihre Hilfe hoch an.“, sagt Villa. Schließlich habe die muslimische Bevölkerung Zamboangas ebenso unter der dreiwöchigen Belagerung gelitten. „Kaum einen Monat nach Beginn der Arbeiten ist unsere Kapelle schon zu rund 90 Prozent fertig gestellt.“, ergänzte er.

Father Michael Ufana von der St. Joseph Gemeinde sagte, er sei überwältigt von dem, was die Muslime hier gezeigt hätten. Ufana sagte weiter, dass diese Bemühungen nicht nur zu einem schnellen Wiederaufbau der Kapelle führten, sondern auch die harmonische Beziehung zwischen Muslimen und Christen stärkten.

Ufana wurde zusammen mit seinem Vater Isidro, Schwester Madelyn und anderen Verwandten, von den MNLF Rebellen als Geisel genommen, als diese Santa Catalina und andere angrenzende Stadtteile Zamboangas am 9. September belagerten. Er räumte ein, dass bei vielen Christen, wie auch ihm selbst, dadurch Feindseligkeit gegenüber Muslimen in der Vergangenheit aufkam. Aber all das habe sich jetzt geändert, sagte er. „Die Art, wie die Muslime uns so gut es ging halfen, hat dies ausgelöscht.“ sagte er.

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Der pensionierte Polizeichef Sukarno Ikbala berichtete, er habe in einer Radiosendung in den USA gehört, dass sein ebenfalls pensionierter Kollege, Supt. Julmunier Jubail, Muslime dazu aufrief, beim Wiederaufbau der Stadt zu helfen. Ikbala machte sich sofort auf den Heimweg, traf sich mit Jubail und einigen anderen muslimischen Spezialisten und gründete ein Team, das sie „Esperanza“ (Hoffnung) nannten.

Ikbala berichtete, bei diesem Meeting sammelten sie 120.000 Pesos Spenden von der Asia Foundation und von dem Muslimen Abdurahman Nuno. Das Geld kam nun dem Wiederaufbau der ‚Christ the King‘ Kapelle zugute. „Wir verwenden auch unsere eigenen Mittel. Wir helfen so gut wir können und Geld in der Tasche haben. So können wir schon bald das Dach der Kapelle fertig stellen.“, verkündete er stolz.

Jubail sagte, was ihn zum Handeln veranlasste war der Gedanke, wie die christliche Bevölkerung die Muslime jetzt nach der Belagerung sehen muss. „Ich will nicht, dass die Christen auf uns herabsehen und alle Muslime für schlechte Menschen halten. Denn wir sind alle Opfer.“, sagte er. „Wir hoffen, dass mit unserem eigenen kleinen Beitrag zur Annäherung, etwas Gutes herauskommen wird.“ Und das tat es bereits!

„Nicht alle Muslime sind schlecht und nicht alle Christen sind gut. Der Wiederaufbau der Kapelle durch die Muslime hat gezeigt, dass sie nicht schlecht sind und damit unsere Stimmung und unsere Hoffnung auf Frieden heben wollten.“, sagte Rey Zaragosa, ein 67-jähriger Bewohner Santa Catalinas. Zaragosa sagte, er freue sich nun auf die Fertigstellung der Kapelle, so dass er darin Weihnachten feiern und die ‚Misa de Gallo‘ (Weihnachtsmesse) besuchen könne.


Quelle u.a.: http://newsinfo.inquirer.net/546373/muslims-help-rebuild-catholic-church-in-zamboanga