Taifun Yolanda: Plünderung der Toten – Anarchie droht

11. Nov. 2013 – Überlebende des Taifuns, von dem befürchtet wird, mehr als 10.000 Menschen getötet zu haben, durchsuchen alles nach Nahrung, selbst die umher liegenden Leichen, während der wild gewordene Mob die Hilfskonvois plündert.

Zwei Tage nachdem der Super-Taifun Yolanda ganze Städte des Archipels zerstörte, lassen verzweifelte Überlebensstrategien, neue Gräuel entstehen.

Am Stadtrand von Tacloban, einer Küstenstadt mit 220.000 Einwohnern, wo Tsunami-artige Wellen viele Gebäude zerstörten, berichtet ein Bewohner, dass er versehentlich auf Leichen trat, als er die Trümmer eines Hauses wegräumte.

Lediglich mit einer Basketball-Hose bekleidet, entschuldigte sich der Vater von vier Kindern und Counsilor (Stadtrat) für sein schäbiges Aussehen und dass er von den Toten stiehlt.

„Ich bin ein anständiger Mann. Aber wenn man seit drei Tagen nicht gegessen hat, begeht man Verbrechen, um zu überleben.“, sagte er während des Ausgrabens von Konserven aus den Trümmern. „Wir haben nichts zu essen, wir brauchen Wasser und andere Dinge, um zu überleben.“

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Nach einem halben Tag „Arbeit“, hat er eine Tasche gefüllt mit einem Sortiment aus Spaghetti, Bierdosen, Waschmittel, Seife, Konserven, Keksen und Süßigkeiten. „Der Taifun hat uns unserer Würde beraubt, aber ich habe noch meine Familie und ich bin dankbar dafür.“

Anderswo in Tacloban, greifen die Überlebenden zu aggressiveren Mitteln, um das Sicherheits-Vakuum für sich zu nutzen, da die meisten Polizisten seit dem Taifun nicht mehr zur Arbeit erschienen.

Viele haben seit dem der Taifun mit seiner Sturmflut durchzog, nichts mehr gegessen. Die völlig überforderten Behörden räumten ein, dass sie nicht in der Lage seien, ausreichend Hilfsgüter in die Stadt zu bekommen.

Etliche brachen in Geschäfte ein, die dem Taifun standhielten, indem sie Fenster einschlugen und die Schutzbarrikaden wegräumten. Ein verzweifelter Ladenbesitzer versuchte mit einer Pistole den Mob am Ausrauben seines Ladens zu hindern.

Doch er wurde ignoriert und das Geschäft geplündert. Der Geschäftsmann stand daneben, hielt seine Waffe in die Luft und schrie. Als er erkannte, dass er den Kampf verlieren würde, ging er fluchend weg.

Andere Geschäftsbesitzer beschrieben die Plünderungen als „Anarchie“. „Es gibt keine Security Guards und die Hilfsgüter werden zu zögerlich geliefert. Die Menschen sind schmutzig, hungrig und durstig. In ein paar Tagen werden sie sich gegenseitig umbringen.“

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„Es ist beschämend. Wir wurden von einer Katastrophe getroffen und jetzt werden unsere Geschäfte geplündert und zerstört. Ich kann verstehen, wenn sie unsere Nahrung und Wasser nehmen. Das sollen sie alles haben. Aber Fernseher? Oder Waschmaschinen?“

Der Vorsitzende des philippinischen Roten Kreuzes, Richard Gordon, beschrieb viele der Plünderer als „Gangster“, nachdem ein Konvoi seiner Organisation nahe Tacloban ausgeraubt wurde.

Unterdessen laufen die Menschen verwirrt und ziellos durch die Straßen, die mit umgestürzten Autos übersät sind. Der Gestank von verwesendem Fleisch breitet sich aus.

Das Militär hat ein Team eingesetzt, das die Leichen einsammeln soll, aber die Soldaten sind komplett überfordert. „Es gibt sechs Lastwagen in der Stadt, die die Toten bergen sollen, aber das reicht nicht aus.“, sagte ein Fahrer der Fahrzeuge. „Überall liegen die Leichen, wir haben nicht genug Leute, um sie zu bergen.“

Einige Überlebende händigten kleine Briefe an Passanten und Reporter aus, worin sie darum bitten, ihren Verwandten ihr Schicksal mitzuteilen. Viele haben Wunden in ihren Gesichtern oder hinkten. Alle haben Geschichten von unvorstellbarem Grauen erlebt.

„Die riesigen Wellen kamen wieder und wieder, spülten uns auf die Straße und walzten unsere Häuser nieder. Mein Mann band uns zusammen und doch wurden wir getrennt. Ich sah viele Menschen ertrinken, schreien und untergehen. Ich habe meinen Mann nicht mehr gefunden.“


Quelle u.a.: http://newsinfo.inquirer.net/524755/tormented-survivors-of-supertyphoon-yolanda-raid-the-dead