Zamboanga: Massive Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten

20. Sep. 2013 – Sowohl die philippinische Armee (AFP) als auch die Rebellen der ‚Moro National Liberation Front‘ (MNLF) begingen Menschenrechtsverletzungen, sagte ‚Human Rights Watch‘ (HRW) am Donnerstag.

Die internationale Menschenrechts-Gruppe verwies darauf, dass die Rebellen unschuldige Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchte. Auf der anderen Seite hätten Regierungstruppen angeblich gefoltert und mutmaßliche Rebellen misshandelt.

In Interviews mit einigen der mutmaßlichen Rebellen in Zamboanga wurde bekannt, dass Militär und Polizei diese folterten, um sie zu dem Geständnis zu bringen, MNLF Rebellen zu sein. „Fünf Häftlinge sagten aus, dass sie von der Polizei oder dem Militär verhört wurden, indem ihnen eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt wurde, um ihnen die Luft zu nehmen. Sie berichteten auch, geschlagen und von ihren Vernehmenden getreten worden zu sein.“ sagte HRW in einer Erklärung.

„Die Verdächtigen gaben an, ihre Vernehmenden versuchten sie zu zwingen, zuzugeben dass sie MNLF Mitglieder seien. Einer sagte, dass er dies gestand, da er den Schmerz nicht mehr ertragen konnte.“, hieß es. Ein älterer Häftling behauptete, er wurde mit verbundenen Augen mit seinem Kopf zwei Mal in eine Toilettenschüssel getaucht und ein anderer berichtete, Alkohol wurde in seine Nase gegossen, um ihn zum Gestehen zu bringen.

Tintenwelt - Ihr Shop für Tintenpatronen und Toner

HRW verweist auf die philippinischen Gesetze, nach denen ein Verdächtiger nur 36 Stunden festgehalten werden darf und dann Anklage erhoben oder er freigelassen werden muss. „Die meisten der Verdächtigen wurden jedoch selbst nach bis zu 10 Tagen in beengten Gefängniszellen nicht angeklagt.“ HRW widerspricht der Behauptung von Innenminister Manuel Roxas, dass die Verdächtigen noch nicht angeklagt werden konnten, da das Justizbüro in Zamboanga City geschlossen sei, wegen der Kämpfe.

„Die Regierung hat die Verantwortung, dass jeder in ihrem Gewahrsam, darunter auch mutmaßliche Rebellen, menschenwürdig behandelt werden.“, sagte Brad Adams, von HRW Asien. „Die Schließung des Büros ist keine Entschuldigung dafür, um die Gefangenen nicht ordnungsgemäß anzuklagen oder freizulassen.“, sagte er.

Die Rebellen auf der anderen Seite begingen schwere Menschenrechtsverletzungen, als sie ganze Dörfer entführten und die Zivilisten als Geiseln benutzten. Eine von denen, die als Geiseln genommen wurden, war Michelle Candido zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem zweijährigen Kind. Candido und ihre Familie wurden von den Rebellen gefangen genommen, als sie evakuiert wurden. Sie wurden in eine Kirche mit 50 anderen gebracht. Alle waren Christen, da Muslime von den Rebellen frei gelassen wurden.

„Die Rebellen fesselten die Geiseln und wiesen sie an, sich mitten auf die Straße zu bewegen.“ Die Geiseln wurden benutzt, um eine Waffenruhe zu erzwingen und wurden als Schutzschilde von den Rebellen verwendet. Eine der Geiseln kam dabei ums Leben, als ein Schusswechsel ausbrach. „Die Schüsse kamen aus der Ferne.“, sagte Candido. „Es war, als ob ihnen die Geiseln egal waren.“

DKB-Partnerprogramm

„Das Schießen war unerbittlich.“ berichtete Monica Limen, eine 50-jährige Hausfrau, die unter mit ihren beiden Kindern unter den Geiseln war. Eine andere Geisel, die 17-jährige Lemuel Agucita sagte, es war „wie ein Massaker. Das Schießen ging einfach weiter. Wir warfen uns auf den Boden, einige sprangen in den Abwasserkanal.“

HRW berichtet, dass beide Seiten schwere Verstöße gegen das Völkerrecht begangen hätten. „Die Verstöße einer Seite rechtfertigt nie die Verstöße durch die Gegenseite. Somit erlaubt die Geiselnahme und die Verwendung als menschliche Schutzschilde durch die MNLF nicht der philippinischen Armee Angriffe, bei denen Zivilisten in Gefahr gebracht werden.“, hieß es.

Folter und das rechtswidrige Festhalten von Verdächtigen, seien ebenfalls durch das Völkerrecht verboten. Verdächtige müssen unverzüglich einem Richter vorgeführt werden und mit der entsprechenden Straftat angeklagt oder freigelassen werden. „Die Regierung hat die Pflicht, die Verantwortlichen für die Misshandlung von Personen in ihrem Gewahrsam, zu untersuchen und sie angemessen anzuklagen.“, sagte HRW.

„Wenn sich der Rauch endlich in Zamboanga verzieht, dann muss die Regierung untersuchen, was passiert ist, einschließlich der Festnahme der verantwortlichen Militärs und der Polizei, die Übergriffe begangen haben.“, sagte Adams.


Quelle u.a.: http://globalnation.inquirer.net/86051/afp-mnlf-have-committed-human-rights-abuses-hrw