Scheidung: Legalisierung oder Rückschritt in Richtung Mittelalter?

4. Juli 2013 – Die Führung des neuen 16. Kongresses will jegliche wiederbelebte Bemühungen für eine geplante Legalisierung der Scheidung im Land verhindern.

„Das ist gottlos und eine ernsthafte Bedrohung der Moral unserer Gesellschaft, das die philippinischen Familien ruiniert. Die Mehrheit unserer Gesetzgeber wird das nicht unterstützen. Es ist sicher, dass der 16. Kongress dieses Scheidungsrecht bereits im Ansatz vernichten wird.“ sagte der Abgeordnete Neptali ‚Boyet‘ Gonzales, der als Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses wiedergewählt wurde.

Doch nicht nur das! Der Abgeordnete Marcelino Teodoro reichte einen Gesetzentwurf zum Schutz der Ehe vor einer Scheidung ein, der versuchen soll, im Land die Gültigkeit einer ausländischen Scheidung für nichtig zu erklären.

„Das Gesetz soll die Ehe als eine unantastbare soziale Institution und die Familie als Fundament der Nation und anderer Zwecke, schützen. Es stellt sicher, dass die Scheidung in der philippinischen Rechtsordnung auch weiterhin nicht akzeptiert wird und lediglich eine ‚Trennung von Tisch und Bett‘ (Legal Separation) von Ehegatten in schwieriger Ehe in Anspruch genommen werden kann, wie sie das Familiengesetz vorsieht. So können sie unabhängig voneinander leben, jedoch ohne das Recht, wieder andere Personen zu heiraten.“ besagt Teodoros Entwurf.

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Während des letzten Kongresses reichten die Abgeordneten Luzviminda ‚Luz‘ Ilagan und Emerenciana ‚Emmi‘ de Jesus, den Gesetzentwurf zur „Einführung der Scheidung in den Philippinen“ ein, der jedoch vor dem Ausschuss zur Überarbeitung der Gesetze, „verhungerte“. Gestern versprach Ilagan, den Entwurf ohne große Änderungen gegenüber der letzten Version, wieder einzureichen. „Wie versprochen, dieser Gesetzentwurf zur Scheidung ist Bestandteil unserer Kampagne, die Gewalt gegen Frauen zu beenden.“ sagte Ilagan. Als Reaktion auf Teodoros Gesetzentwurf, sagte Ilagan, das sei verfrüht, da es keine Scheidung in dem Land gebe.

Ilagan rief ihre Kollegen auf, die Paare zu befreien, die in unglücklichen und unversöhnlichen Ehen sich befänden. „Ehen in denen Missbrauch stattfindet, brauchen eine andere Option, über die bestehenden hinaus, wie der Trennung von Tisch und Bett (Legal Separation) oder der Nichtigkeitserklärung (Annulment).“

Der Gesetzentwurf zur Scheidung vom vergangenen Kongress, sah die Regelung vor, dass Paare die mindestens fünf Jahre getrennt sind oder mindestens zwei Jahre rechtlich getrennt leben, eine Scheidung beantragen können. Gemäß Artikel 36 des Familienrechts, ist die psychische Ehekonsensunfähigkeit einer der Hauptgründe für eine ‚Separation‘ oder ‚Nullity‘ der Ehe.

Vor der Implementierung des ‚Civil Codes‘ (Grundgesetz) im Jahre 1950, war die Scheidung rechtlich zugelassen und wurde auch flächendeckend in alten Stämmen praktiziert wie in Palawan, Nueva Vizcaya, den Kordilleren, den Manobos und Moslems in den Visayas und Mindanao. Die Scheidung wurde erst verboten, als der Civil Code am 30. August 1950 in Kraft trat und damit eine gesetzliche Trennung zur Verfügung stand.

Das Büro des Solicitor Generals (Generalstaatsanwalt) verwies bereits früher darauf, dass die Anzahl der Eheannullierungen in den Philippinen um 40 Prozent von 4.520 Fällen im Jahr 2001 auf 8.282 im Jahr 2010 stieg. Es stellte fest, dass 61 Prozent derjenigen, die eine Annullierung einreichten Frauen waren. Mehr als 90 Prozent der Annullierungen wurden von den Gerichten gewährt.


Quelle u.a.: http://www.journal.com.ph/index.php/news/national/53525-solons-still-say-no-to-divorce