Abtreibung: Mehr als 500.000 pro Jahr in den Philippinen

3. Juli 2013 – Auf dem Höhepunkt der Debatten über die verantwortliche Elternschaft und das reproduktive Gesundheitsgesetz (bekannt geworden unter dem Namen ‚RH Bill‘), schworen viele der meist katholischen „Pro-Life“ Gruppen, dass die Verabschiedung des Gesetzes den Übergang des Landes zur Legalisierung der Abtreibung signalisieren könnte.

Die katholische Bischofskonferenz der Philippinen (CBCP), zum Beispiel, warnte die Öffentlichkeit, dass eine „Verhütungs-Mentalität“ der „Abtreibungs-Mentalität“ vorausginge. Aber seriöse Statistiken über Schwangerschaftsabbrüche in den Philippinen, zeichnen eine andere Realität.

Obwohl eine induzierte Abtreibung in dem Land nie legalisiert wurde, entscheiden sich Tausende von Frauen jedes Jahr, ihre Schwangerschaft zu beenden, wobei die meisten dieser Verfahren „unsicher“ erfolgen. Wissenschaftler des ‚Guttmacher Instituts‘ und des Instituts zur Bevölkerungsentwicklung der ‚University of the Philippines‘ schätzten, dass über 470.000 Schwangerschaftsabbrüche in den Philippinen bereits im Jahr 2000 durchgeführt wurden.

Dies entspricht fast einem Drittel der Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren, die sich zur Abtreibung entschlossen, nachdem sie schwanger wurden. Diese Schätzung basiert vor allem auf Patientenakten, die auf eine Behandlung nach dem Schwangerschaftsabbruch hindeuteten, von mehr als 1.000 Krankenhäusern landesweit. Da aber nicht alle Frauen nach einer Abtreibung eine Behandlung benötigen oder beanspruchen, beschreiben diese Krankenhauszahlen allein nicht das Ausmaß der Abtreibungen im Land.

DKB-Partnerprogramm

Im Jahr 2010 wurde die Zahl der stationären Krankenhausaufenthalte wegen Abtreibungs-Komplikationen auf 90.000 projiziert. Somit erhöhten sich die Abtreibungen auf 560.000 allein in diesem Jahr. Obwohl Frauen aller Altersgruppen und sozioökonomischen Hintergründen Abtreibungen durchführen lassen, entscheiden sich mehr arme Frauen (68%) dafür, im Vergleich zu nicht armen Frauen (32%). Und da sicherere chirurgische Abtreibungen etwa 15.000 Pesos kosten, tendieren arme Frauen auch mehr zu unsicheren Abtreibungen, als die Reicheren.

Die Forscher haben auch belegt, dass 90% der abtreibenden Frauen, katholisch sind und 70% die High School besucht haben. Es gibt auch regional große Unterschiede bei den Abtreibungen. Metro Manila hat die höchste Rate mit 52 auf 1.000 Frauen. Diese Zahl ist fast doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt. Der Rest von Luzon liegt bei einer Rate von 27 pro 1.000 Frauen, während Mindanao und Visayas bei 18 bzw. 17 pro 1.000 Frauen liegen.

Basierend auf Schätzungen des Guttmacher Instituts suchen jedes Jahr mehr als 78.000 Frauen nach einer Abtreibung, die Behandlung in einer medizinischen Einrichtung und 800 bis 1.000 philippinische Frauen sterben durch Komplikationen der Abtreibung. Diese hohe Zahl an Abtreibungs-bedingten Krankenhausaufenthalten und Todesfällen ist im Wesentlichen auf die unsicheren Methoden zurückzuführen, die die Frauen in ihrer Not aufsuchen.

Nach Angaben des in New York ansässigen ‚Center for Reproductive Rights‘, greifen Frauen auf eine Vielzahl von Methoden zur Abtreibung zurück. Manche Frauen benutzen ein Pflanzen- und Kräutergebräu, Bauch-Massage, Einführen von Objekten in die Scheide (z.B. Katheter, Kleiderbügel oder Besen) oder die Einnahme von „Vino de Quina“ und anderen alkoholischen Getränken.

Andere versuchen eine Abtreibung durch Schlagen ihres Bauches einzuleiten, trainieren übertrieben intensiv oder springen von hohen Stellen nieder. Cytotec, ein Medikament zur Behandlung von Magengeschwüren, wird auch häufig verwendet um die Abtreibung einzuleiten.

Nur ein Drittel der philippinischen Frauen erhalten eine Ausschabung oder Absaugung, die die ärztlich verordneten Methoden einer Beendigung einer Schwangerschaft sind. Und da Abtreibung in den Philippinen nach dem revidierten Strafgesetzbuch illegal ist, lehnen Ärzte eine sichere Abtreibung ab und verachten sogar manchmal diejenigen, die eine verlangen.

Experten betonen, dass unbeabsichtigte oder ungewollte Schwangerschaften im Grunde genommen die Ursache der vielen Abtreibungen sind. Sie argumentieren, Frauen suchen deshalb eine Abtreibung, weil sie die Kosten der Erziehung eines Kindes nicht tragen könnten.

Dieses Argument wird von der Forschung in den Philippinen und anderen Ländern bestätigt, dass der primäre Grund für eine Abtreibung die wirtschaftliche Situation ist und nicht das Stigma der außerehelichen Schwangerschaften, wie wir geneigt sind zu glauben. Selbst Frauen, die bereits Kinder haben und die Größe ihrer Familie begrenzen wollen setzen sich intensiv damit auseinander.

Auswandern - Den Kulturschock überwinden

Auf den Philippinen haben 22% bzw. 24% der verheirateten bzw. unverheirateten Frauen jeweils einen ungedeckten Bedarf an Verhütungsmitteln. Dies bedeutet, dass diese Frauen nicht schwanger werden wollen, aber keinen Zugang zu modernen Verhütungsmitteln haben. Eine direkte Folge davon ist, dass fast die Hälfte der Schwangerschaften bei philippinischen Frauen im Alter von 15-45 Jahren unbeabsichtigt sind, laut einer Studie. Dies entspricht 1,3 Millionen ungeplanten Geburten jedes Jahr.

Obwohl der ungedeckte Bedarf zur Empfängnisverhütung weitgehend für die hohe Abtreibungsrate verantwortlich ist, gaben Experten zu, dass das Problem nicht ganz so einfach ist. Denn die Forschung aus anderen Ländern belegt, dass der Zugang zu Verhütungsmitteln allein, nicht zu weniger Schwangerschaftsabbrüchen führt. Oder zumindest nicht sofort.

So zeigt zum Beispiel ein Bericht aus Vietnam, dass Verhütungsmittel nicht direkt zu niedrigeren Abtreibungsraten führt. Die Forscher erklärten, dass viele Frauen sich immer noch weigerten, moderne Methoden zu benutzen oder unsachgemäß anwendeten. Ebenso gibt es eine kulturelle Präferenz für Söhne in Vietnam, was die Rate der Abtreibungen erhöht.

Zusammen mit dem Zugang zu Verhütungsmitteln, ist die Aufklärung über den richtigen Gebrauch von Pille, Spirale, Kondome und andere Methoden, daher von größter Bedeutung.


Quelle u.a.: www.rappler.com/move-ph/32710-abortion-philippines