„Wir glaubten nicht mehr, hier lebendig raus zu kommen!“

4. Feb. 2013 – Dies sagte Kameramann Ramelito Vela unter Tränen in seinem Krankenhausbett, Stunden nachdem er und sein Begleiter, der Tontechniker Rolando Letrero von den Abu Sayyaf Banditen frei gelassen wurden, nachdem sie fast acht Monate in Gefangenschaft im Dschungel in der Nähe der Insel Jolo waren.

Vela und Letrero, beide Mitglieder des TV-Teams des jordanischen Journalisten Baker Abdulla Atyani, wurden in Patikul am Samstagabend frei gelassen. Von Atyani wird angenommen, dass er noch von den Abu Sayyaf Banditen in der bergigen Gegend festgehalten wird, laut dem Polizeichef von Sulu Supt. Antonio Freyra.

Ein nicht näher definierter Betrag wurde für die Freilassung der beiden Filipinos bezahlt, laut drei Sicherheitsbeamten, die den Entführungsfall überwachten. Die drei sprachen unter der Bedingung der Anonymität, da sie nicht befugt sind mit Reportern zu sprechen.

Das Militär berichtete, die Banditen hatten 130 Millionen Pesos für die Freilassung von Atyani und seinen beiden Begleitern gefordert. „Heftiger Druck“ von der ‚Moro National Liberation Front‘ (MNLF), war für die Freilassung der beiden Filipinos letztlich verantwortlich, sagte Octavio Dinampo, Professor der Mindanao State University in Sulu.

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Die MNLF war einst die größte Moro Rebellengruppe in Mindanao, bis zum Autonomievertrag mit der Regierung im Jahr 1996. Am Sonntag, nur Stunden nach der Freilassung der beiden Filipinos, ereignete sich ein heftiger Zusammenstoß zwischen der Abu Sayyaf und der MNLF, der gestern bereits sechs Tote unter den Kämpfern forderte. Heute früh wurden bereits 20 Tote bei den Kämpfen gemeldet, ein Ende ist nicht absehbar. Hunderte Zivilisten seien auf der Flucht.

Es war die erste große blutige Konfrontation zwischen den beiden Aufständischengruppen, die seit Jahren nebeneinander existierten und verdächtigt werden, bei Entführungen zusammenzuarbeiten. Es gab keine Information über das Schicksal oder den Verbleib des Journalisten Atyani, der für den in Dubai ansässigen Sender Al-Arabiya arbeitet, sagte der Polizeichef für Nord-Mindanao, Supt. Noel de los Reyes.

De los Reyes berichtete, dass kurz nach Velas und Letreros Freilassung, die beiden Filipinos ihre Familien aus einem Hotelzimmer in Jolo informierten. Sie wurden dann anschließend von den Behörden in ein Krankenhaus zur Untersuchung gebracht. Laut Polizei hätten die beiden, als sie im Krankenhausbett lagen, unter Tränen über ihr Martyrium in den Händen der Abu Sayyaf berichtet. „Wir sind so glücklich … Wir gingen durch so viele Schwierigkeiten.“ sollen sie gesagt haben.

Die Polizei beschrieb die beiden als sehr aufgewühlt. Auch seien sie vom Dschungelleben sehr dünn geworden und hätten ungepflegte Haare und Bärte getragen. Einer der beiden sei ernsthaft erkrankt. „Sie waren ein bisschen verwirrt. Sie sagten, man habe ihnen einfach gesagt, dass sie das Lager verlassen könnten.“ ergänzte die Polizei.

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Vela und Letrero sollen gesagt haben, dass während sie zusammen waren, Atyani am fünften Tag ihrer Gefangenschaft von ihnen getrennt wurde und sie ihn seitdem nicht mehr gesehen hätten.

Die Bewaffneten gaben ihnen ein Pferd, da Vela aufgrund eines geschwollenen Beins nicht laufen konnte. Beide verließen das Dschungelversteck ohne Begleitung, bis sie eine Straße erreichten. Mit einem Tricycle fuhren sie zum Hafen von Jolo, wo sie in ein Hotel gingen und um Hilfe baten.

Die Polizei bestritt, dass Lösegeld für die Freilassung von Vela und Letrero bezahlt worden sein soll. Der Jordanier Atyani, zwei europäische Vogelbeobachter, ein japanischer Schatzsucher, ein Malaysier, ein Australier sowie zwei weitere Filipinos, seien noch immer in Gefangenschaft. Angeblich forderten die Banditen 10 Mio. Pesos von Atyanis Familie.

Der Ort, an dem Vela und Letrero freigelassen wurden, ist nun von rund 3.000 bewaffneten MNLF-Kämpfern umzingelt und diese hätten angeblich die rund 700 Abu Sayyaf Banditen und deren andere Gefangenen, umkreist.


Quelle: http://globalnation.inquirer.net/63437/freed-filipino-hostage-thought-hed-die-in-captivity-in-jolo-jungle
und www.rappler.com/nation/21017-death-toll-in-sulu-reaches-20