„Prostitution eine Straftat?“ – Die Sicht betroffener Frauen

31. Okt. 2012 – Vorsichtig wischt die 20-jährige Adelyn über die Wange ihres Neugeborenen, wie eine Brise in den wärmsten Nachmittagsstunden, denn sie hat eine Menge wofür sie dankbar ist, seit sie Mutter geworden ist.

Als eine junge alleinerziehende Mutter, sagt Adelyn, half ihr die Geburt ihrer Tochter, den Kreislauf der Prostitution zu durchbrechen, ein Ereignis in ihrem Leben das sie nicht mehr erwartete. Sie lief von zu Hause vor dem gewalttätigen Vater weg und ging vor 3 Jahren nach Cebu, in der Hoffnung ein Leben zu führen, wie sie es wollte – frei von Gewalt und Armut.

Man versprach ihr einen Job als Hostess in einer Bar, wo sie angewiesenen wurde, mit „großzügigen“ Männern einen „Ausflug“ zu machen. Adelyn nahm das Angebot an und glaubte, dass der „Ausflug“ nur bedeuten würde, mit ihnen auszugehen und einen Drink mit ihnen zu nehmen. „Ich erlebte all die Dinge, die eine Frau nie erleben möchte.“ sagte sie. Adelyn war erst 17 Jahre alt war, als ihr der „gut bezahlte“ Job versprochen wurde.

Frauenrechtsgruppen sagen, sie ist nur eine von Hunderten Frauen hier, die Opfer von Menschenhandel wurden. Jobvermittler bieten Arbeitsplätze an, zwingen die Frauen aber zu sexuellen Handlungen gegen Bezahlung.

Lory Pabunag (36) hat heute drei Kinder und sagt, bereits 1994 eine ähnlich schreckliche Erfahrung gemacht zu haben. „Jemand sagte mir, dass ein Restaurant auf der Suche nach einer Kellnerin sei, die gut bezahlten. Aber als ich für sie zu arbeiten begann, war ich erstaunt, da wir gezwungen wurden, sehr knappe Kleider zu tragen. Es gab gar kein Essen im Restaurant, nur Bier und Knabberzeug.“ sagt Lory.

Lory realisierte, dass ihr Arbeitgeber sie bereits „verkauft“ hatte, als ein Kunde sie darum bat, mit ihm einen „Ausflug“ zu machen. „Zuerst dachte ich, wir machen einen Ausflug nur zum Spaß und um etwas zu trinken, bis ich realisierte, dass das Taxi mit dem wir fuhren, an einem Motel anhielt.“ sagte sie.

„Verurteilen Sie uns nicht, denn Sie wissen gar nicht, welche Geschichte sich dahinter verbirgt.“ sagt Lory, die ergänzt, Prostitution sei nicht der Job, den sie sich aussuchten.

Im Jahr 2011 waren 1.099 Prostituierte in Davao City registriert, sagt Carina Sajonia, Anwältin von Talikala. Die Nichtregierungsorganisation, die sich um das Wohl der Prostituierten kümmert, sagt neben diesen 1.099 registrierten Prostituierten, sind doppelt soviele nicht registriert, während schätzungsweise 4.000 Frauen und Kinder gelegentlich in der Prostitution tätig sind. Rund 20% davon sind Minderjährige im Alter zwischen 12 und 17 Jahren.

Lory erinnert sich, schon unzählige Male von ihren Kunden vergewaltigt worden zu sein. Einmal schob ihr ein Polizist seine Pistole in ihre Genitalien, verprügelte sie und stahl ihr ganzes Geld. Tage später musste sie zum Arzt, da ihre Vagina entzündet war.

„Wie bitter dieses Leben ist! Meine einzige Hoffnung sind meine 3 Kinder, sie aufzuziehen, ihnen Milch und Kleidung zu kaufen. Warum behandeln uns die Kunden wie Müll?“ fragt sie.

Sie hatte auch schon den Tod vor Augen, als ihr Kunde, ein Judo Trainer wütend wurde, weil sie Analsex ablehnte. „Er drückte mich in der Badewanne unter Wasser, während ich nackt war. Er beleidigte mich und sagte, ich sei doch keine Jungfrau mehr. Natürlich nicht, da ich schon meine Kinder hatte. Ich blutete bereits am Kopf. Er schlug mit seinen Fäusten auf mich ein und trat mich mit den Füßen. Ich dachte, ich würde jetzt sterben.“ sagte sie.

Prostitution bleibt in den Philippinen illegal und hat speziell Frauen als Opfer. Dies bedeutet, dass die Kunden und diejenigen die das Geschäft mit den Prostituierten machen, nicht als Straftäter angesehen werden. Die Kommunen tolerieren diese Aktivitäten, indem sie die Betriebsgenehmigungen für Lokale erteilen, in denen sich Frauen prostituieren. Den prostituierten Frauen, auf der anderen Seite, stellen sie „Pink“-Cards aus, sagte Sajonia.

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Die Vereinten Nationen schlagen den asiatischen Ländern vor, darunter auch den Philippinen, die Prostitution zu legalisieren. (Vgl. Bericht HIER: http://www.philippinen.cc/2012/10/un-fordert-legalisiert-die-prostitution-in-den-philippinen/)

Der Bericht besagt, dass Safer-Sex Praktiken eine „größere Chance“ hätten, wenn Prostitution entkriminalisiert würde. Auch gäbe es „keine Beweise dafür, dass die Entkriminalisierung zum Anstieg der Sexarbeit führt.“ Aber Frauenrechts-Organisationen im Land widersprechen dem UN-Vorschlag.

„Legalisierung der Prostitution wird nur zur Legalisierung der Misshandlungen und der Ausbeutung innerhalb des Systems der Prostitution führen.“ sagte Jeannette Ampog von Talikala. „Von der Legalisierung der Prostitution wird nur die Sex-Industrie profitieren und die Leute dahinter, werden zu legitimen Unternehmern.“

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„Meine Mutter ging der Prostitution nach, weil sie arm war. Sie hat deshalb die Schule nicht abgeschlossen. Sie tat es für uns. Und es gibt andere in der Prostitution, die einfach betrügerisch angeworben wurden.“ sagt die 16-jährige Anna Mae.

Prostitution ist, nach dem 16-jährigen Edward, ein Produkt der Armut. Seine Freundin Anna Mae und Louie stimmen dem zu. All ihre Mütter waren auch in der Prostitution tätig. „Unser Gesetz sagt, Prostitution ist ein Verbrechen. Aber es kennt nur Frauen als Täter, der ‚rechtswidrigen Tätigkeit‘.“ sagte er.


Quelle: http://www.rappler.com/move-ph/33-editors-pick-moveph/15103-should-the-ph-legalize-prostitution?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+rappler+%28Rappler%29