Philippinische Surfszene trauert um einbeinigen Wellenreiter

Kompromissloser SurferFast jeder, der in den letzten 10 Jahren zum ersten Mal an den Strand von Urbiztondo in San Juan La Union kam, stellte bei Wellengang nach ein oder zwei Tagen die Frage: Wer ist das denn?

Denn da sauste in gekauerter Haltung ein Surfer in atemberaubender Geschwindigkeit über die Wellen oder surfte Kreisel in die Wellen, ja, sogar 360 Grad Wenden streute er immer wieder ein. Doch wenn Ronie Esquivel aus der Brandung zurückkehrte, wurde das Staunen nur grösser. Mit einem Bein hievte er sich an den Strand und dann auf seine Krücke. Obwohl er nur mit einem rechten Bein und deformierten Zehen und Fingern geboren worden war, wurde er seit Ende der 90er Jahre zu einem der Surfstars von San Juan und erlangte neben Champion Luke Landrigan sogar landesweite Bedeutung. Da hatte einer seine Behinderung einfach angenommen und zu seinem Vorteil auf den Wellen entwickelt.

Er wird fehlen - auf der Welle und im LebenUnd das schon mit 8 Jahren, mit 13 Jahren berichtete erstmals ein australisches Surfmagazin über Esquivel, den alle nur ‚Poks‘ nannten. Der Aufschwung von San Juan zum Surfzentrum der Philippinen neben Siargao ist eng mit seinem Namen verbunden. Auch abseits der Wellen machte Poks immer eine gute Figur, sein Tanzstil bei den After-Surf-Partys gilt als legendär.

Sein Tod am vergangenen Wochenende hätte tragischer nicht sein können. Nach wochenlanger Flaute kündigten sich erstmals wieder Wellen an. Noch am Samstagnachmittag schrieb er eine SMS an Luke Landrigan und freute sich auf die gemeinsame Surfsession am Sonntag. Luke reagierte auf die SMS, doch er bekam keine Antwort mehr. Noch am Abend erfuhr er, dass das Herz von Poks im Alter von nur 27 Jahren einfach zu schlagen aufgehört hatte.

Surflegende trotz BehinderungEs gab in den vergangenen Tagen auch kritische Töne aus der Surfszene. Dabei kam oft der Hinweis, dass bei Wellengang die Surferszene immer im Wasser und bis in die Haarspitzen auf den Sport konzentriert sei, bei Flaute aber der lockere Lebensstil und Alkohol eine Rolle spiele.

Doch jetzt steht die Trauer um Poks im Vordergrund. Er wird der Surfszene und den Menschen in Urbiztondo fehlen. Im Leben. Und auf der Welle. Dort ist ein Platz freigeworden, den kein Surfer einnehmen kann oder will.

Die Beerdigung findet am 4. August statt, sein Shortboard, seine schwarze Kappe und seine Krücke werden mit ihm im Sarg zu Grabe getragen werden.

RIP Poks

Bilder von Poks:
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www.philstep.de

Der PhilStep Surfreport erscheint in unregelmäßigen Abständen und wird unterstützt durch die Reiseexperten von www.philstep.de. Der Surfreport greift dabei aktuelle Themen aus der philippinischen Surfszene auf und stellt interessante Surfspots vor. Im Vordergrund steht dabei immer wieder der Surfspot in San Juan La Union im Nordwesten von Luzon.