„Und wo gehts zur Shoppingmall?“

20. Juni 2012 – Zwischen Shoppingmalls und Museen, stehen die Chancen höher, dass Filipinos zum Shoppen gehen, als eine tätowierte Benguet-Mumie oder andere Artefakte zu bestaunen, die zeigen, wie z.B. die Vorfahren der Igorot Fisch gefangen haben oder am Agno River nach Gold suchten.

Um dieser Vorliebe der Filipinos entgegenzukommen, hat die Ayala-Stiftung ein Museum in einen Shoppingmall-Komplex in Makati City gebaut, sagte Kenneth Esguerra, der leitende Kurator des Ayala Museums. „Aber obwohl das Museum mit der Shoppingmall verbunden ist, haben wir keine hohen Besucherzahlen.“

Esguerra war unter den Rednern des 3. Tam-Awan International Arts Festivals in Baguio kürzlich. Er befasste sich mit der Bedeutung der Museen, ihren Bürgern die Kultur nahe zu bringen und den richtigen Wegen zur Erhaltung und dem Umgang mit Dokumenten und anderen Artefakten.

Filipinos im Allgemeinen haben die Rolle der Museen innerhalb der Bildung noch nicht schätzen gelernt, sagte Gemma Estolas vom Museum in Baguio. „Die Schüler kommen hier nur her, wenn ihre Lehrer von ihnen Berichte über die Geschichte und Kultur verlangten.“

Eines Tages wurde Estolas ruhiger Morgen unterbrochen, als ein Paar von ausserhalb der Stadt kam und den Eintritt von 40 Pesos bezahlte. Sie waren damit die einzigen Besucher. Nach einer 15-minütigen Tour, fragte das Paar nach dem Weg zur grössten Shoppingmall der Stadt. „Immerhin hat das Paar zuerst einmal das Museum besucht, bevor sie in die Mall gingen.“ sagte Estolas.

Im Jahr 2010 verzeichnete das Baguio Museum 12.039 Besucher, viele von ihnen Schüler und College-Studenten, die in Gruppen kamen. Die Zahlen lagen 25 Prozent höher als im Vorjahr. Dennoch bleibt das Museum die meiste Zeit unbesucht, sagte Estolas.

Im Vergleich zu Amerikanern und Europäern, seien Filipinos weniger daran interessiert, in Museen zu gehen und deren Bedeutung zu schätzen, sagte Estolas. Sie zitierte den Fall des Besuches einer philippinischen Frau und ihrem weissen Ehepartner. Der Mann blieb den ganzen Vormittag sinnend an den Artefakten und las die meisten Dokumente, während seine Frau draussen war und sich mit ihrem Handy beschäftigte.

Rechtsanwalt Damaso Bangaoet Jr. und seine Frau Laurel, beide Kunst- und Kulturbegeisterte, versuchen Gruppenreisen zu meiden, wenn sie ins Ausland reisen. Ihre Begründung: Die Routen beinhalteten Museumsführungen, die andere Gruppenmitglieder oft nicht interessieren. Viele Filipinos, die die Vereinigten Staaten besuchten, würden die Casinos in Las Vegas bevorzugen, anstelle des Smithsonian und anderen wichtigen Museen, sagte Bangaoet.


Quelle: http://newsinfo.inquirer.net/215515/%E2%80%98filipinos-prefer-visiting-malls-than-museums%E2%80%99