Kontrovers: Billig-Tourismus als Strategie?

Den meisten ist es nicht entgangen: nicht nur findet eine Konzentration auf Reiseberichte bei uns statt, sondern auch thematisch findet sich der Tourismus bei uns zunehmend wieder. Und so erfahren wir verstärkt, wer, wo auf den Philippinen Urlaub macht, wie viel Geld er ausgibt oder was er angeboten bekommt. Information pur.

Dabei haben aufmerksame Leser auch bemerkt, dass Urlauber welche richtig Geld für einen Luxus-Urlaub ausgeben möchten, auf den Philippinen schlechte Karten haben. Und so ist es wenig verwunderlich, dass im Schnitt die Touristen nur 9 Tage bleiben und dabei lediglich 84$ täglich ausgeben, wovon bereits mehr als die Hälfte für Unterkunft und Verpflegung drauf gehen. Von den verbleibenden 40$ lässt sich kaum eine attraktive Infrastruktur aufbauen. Ein Teufelskreis?

Als Konsequenz, so sollte man annehmen, bemühen sich die Philippinen ihren Besuchern ein möglichst ansprechendes Land zu präsentieren. Wirklich? Diese Woche liefert das Land die Antwort: Leyte plant den Touristen Low-Cost-Pauschalreisen anzubieten. Und damit es nicht zu einfach wird, fordert der Verband gleichzeitig eine Entwicklung von hochwertigen Hotels, Resorts, Restaurants und Freizeitparks. Dass das eine das andere ausschliesst, scheint die Vorstellungskraft einiger Leute zu übersteigen!

Wie kann es der philippinische Tourismus dennoch schaffen?
Oder schlagen sich die Pinoys mit ihrer eigenen Crab-Mentality selbst die Tür zu?“

Meldungen, die diese Diskussion betreffen:
http://www.philippinen.cc/2012/06/leyte-plant-billig-tourismus/
http://www.philippinen.cc/2012/06/its-more-fun-in-bali-boracay-palawan-weit-abgeschlagen/
http://www.philippinen.cc/2012/06/wie-viel-geld-braucht-ein-tourist-am-tag/
http://www.philippinen.cc/2012/06/fun-in-the-sun-der-grosse-philippinische-traum/

Übrigens: wer sich an unserer Umfrage zum Tourismus noch nicht beteiligt hat, bitte nach dem Lesen des Artikels, dies nachholen. Vielen Dank!

DKB-Partnerprogramm

Stephan

http://www.PhilStep.de
Mit PhilStep auf die Philippinen:
Meer, Strand, Vulkane, Reisterassen, historische Städte und vieles mehr!

 
 
Die Philippinen sind ein wunderschönes Land, aber der Tourismus steckt weiter in den Kinderschuhen. Warum ist das so?
Lassen wir einmal die Diskussion über Image und Berichterstattung aussen vor, das ist ein anderes Thema. Das Hauptproblem ist die mangelnde Infrastruktur, angefangen bei der sehr überschaubaren Anzahl an Flügen und den problematischen Transportmöglichkeiten, besonders dem rückständigen Strassennetz.

Erst dann kommt das Thema Hotels und Unterbringungsmöglichkeiten. Die sogenannten einheimischen ‚Tourismusexperten‘ haben also wieder mal das Pferd von hinten aufgezäumt und erkennen die wahren Probleme nicht. Und sie machen noch einen weiteren, viel entscheidenderen Fehler: Sie verzichten komplett auf einen saubere Kundenanalyse. Und genau deshalb klingen die Vorschläge auch so seltsam entrückt und sind im Endeffekt Lippenbekenntnisse.

Low Cost Tourism auf den Philippinen ist in erster Linie einheimischer Tourismus. Der einfache Pinoy reist gerne, versucht dabei aber Geld zu sparen. Hier muss Nichts entwickelt werden, denn dieser Tourismus existiert und braucht keine Förderung. Die einheimischen Premiumtouristen – in erster Linie die gut situierte Mittelklasse aus Manila – organisiert sich ebenfalls selbst und findet eigenständig den Weg zum persönlichen Tourismusziel, im eigenen Auto oder dem Flugzeug zum Hotel der Wahl.

Ganz schwierig wird es beim Thema ausländische Touristen. Ein Tourismus im grösseren Stil a la Bali oder Thailand – in kleinsten Ansätzen vielleicht auf Boracay vorhanden – ist in diesem Land nur möglich, wenn die komplette Infrastruktur eine Überholung erhält. Das ist aber eine nationale Aufgabe mit einem Zeithorizont von mindestens 10 Jahren, wenn überhaupt. Hier kann keine Region allein voran marschieren, dazu fehlen Kompetenzen und natürlich Gelder.

Die weiteren ausländischen Touristen organisieren sich ebenfalls selbst und werden in Nischen betreut, übrigens oftmals von im Land lebenden Ausländern. Auch dies ist kein Zufall, denn nur diese Anbieter verstehen meistens, was die ausländischen Gäste wünschen. Und dabei ist es egal, ob es sich um Singles, Ökotouristen, Backpacker mit viel Zeit oder auch anspruchsvolle Touristen mit wenig Zeit – der Kundenkreis des Autors dieser Zeilen – handelt.

Fazit: Den Tourismus im grossen Stil wird es auf den Philippinen auch in den nächsten Jahren nicht geben. Dennoch wird dieses spannende und schöne Land weiterhin einen Ausbau der Nischen für einheimische und ausländische Touristen sehen. Dies wird von privaten Anbietern mehr denn je geleistet. Die zuständigen Behörden werden sich weitere positive Entwicklungen eventuell auf die Fahnen schreiben, Beiträge abkassieren und in den Bürosessel furzen, haben aber ansonsten keine Relevanz. Lasst sie reden und sich gut fühlen.

Wir schnüren derweil die passenden Pakete für unsere Kunden und bringen ihnen mit Qualität und Sicherheit ein unglaublich schönes und spannendes Land näher!

Cruzer

Wenn Freiheit irgendeine Bedeutung hat, dann die, den Leuten das sagen zu dürfen, was sie nicht hören wollen.
 
 
 
Sollte jemand an dieser Stelle gedacht haben, ich würde das Thema zum Anlass nehmen, der derzeitigen Administration mal wieder gehörig die Leviten zu lesen, so muss ich ihn leider enttäuschen. Keine Administration könnte im Wesentlichen etwas anderes den Tourismus betreffend tun.

Mit dem Aufbau einer hochwertigen Tourismusinfrastruktur verhält es sich nämlich, wie mit dem Aufbau einer Industrie. Niemand kann von jetzt auf gleich hochwertige Produkte herstellen. Solche Prozesse laufen immer sukzessive ab und benötigen daher Zeit. Wieviel Zeit benötigt wird, hängt von den Rahmenbedingungen ab, die der Staat setzt, wieviel Kapital zur Verfügung steht und vom Know-How der Verantwortlichen vor Ort. Dabei liegt die Verantwortung für eine angemessene Infrastruktur beim Staat. Für den Rest ist die Privatwirtschaft zuständig. Auf den Philippinen mangelt es allerdings an der Koordination. Die Gründe sind bekannt, dennoch ist Besserung in Sicht.

Erstens, die Werbekampagne „It’s more fun in the Philippines“ ist ein kleiner Erfolg. Das DOT hatte ursprünglich nur drei Plakate mit diesem Slogan verbreitet, den Slogan aber nicht urheberrechtlich schützen lassen und jeden aufgefordert, ein Eigenes zu entwickeln. Nun kursieren tausende dieser Meme im Netz bei Facebook und Twitter. Die Kampagne ist in aller Munde, ohne weitere finanzielle Ausgaben des Staates. Entwickelt wurde die Idee von Ramon Jimenez, dessen Unternehmen Jiminez Basic Advertising Kunden wie die San Miguel Corporation, Globe Telecom, Unilab, Jollibee, Chowking, Coca-Cola, Cebu Pacific, Innove, Citibank, Sara Lee, Meralco, und Nutriasia Foods betreut hatte.

Zweitens, die Annahme, nur wohlhabende Touristen würden Geld bringen, ist falsch. Um es mit den Worten von Helmut Kohl zu sagen, der anlässlich einer Steuererhöhung höhere Steuern für Reiche ablehnte: „Masse bringt Masse“. Ausserdem liegt es auf der Hand, dass, solange die Infrastruktur nicht hochwertig genug ist, gut betuchte Urlauber andere Reiseziele bevorzugen. Also fängt man besser klein an.

Drittens, es sind flankierende gesetzgeberische Massnahmen geplant, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt werden, aber äusserst wichtig sind, z.B. Visafreiheit für 30 Tage (u. a. USA, China, Schengen-Staaten), der Rechtsanspruch auch für ausländische Rentner auf die entsprechenden Vergünstigungen, Vereinfachung der Visaprozeduren allgemein; Geplant ist ferner die Bezuschussung für den Bau bzw. Ausbau von Flughäfen, namentlich NAIA, Clark, Pampanga; Puerto Princesa, Palawan; Kalibo; Caticlan, Aklan, Cebu, Bohol, Cagayan de Oro, Davao, Legazpi, Albay, und Laoag in Ilocos Norte.

Was fehlt ist eine Werbekampagne im Ausland. Jeder Deutsche kennt Thailand und Phuket oder Indonesien. Die Philippinen sind nur denen bekannt, die persönlich damit zu tun haben. Allenfalls erinnert sich noch jemand an den Vulkanausbruch des Pinatubo. Das muss sich ändern. Zudem wird der Tourismus durch den Konflikt in Mindanao behindert. Solange ein potentieller Philippinenurlauber auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes zuerst folgenden Satz zu lesen bekommt, wird es mit dem Tourismusboom nichts werden. Zitat: „Auf den Philippinen muss auch weiterhin mit terroristischen Anschlägen gerechnet werden. Ziele sind insbesondere öffentliche Plätze (z.B. Märkte), religiöse Einrichtungen und öffentliche Verkehrsmittel. Die Gefahr ist in Mindanao besonders hoch.“

Dass es sich tatsächlich nicht so dramatisch verhält ist irrelevant, denn der potentielle Erstreisende glaubt, was dort steht.

Es gibt also noch viel zu tun, erste, richtige Schritte sind eingeleitet. Solange die bekannten Probleme existieren, ist auch der Preis ein Entscheidungskriterium im Kampf auf dem Tourismusmarkt. Daher ist ein Angebot von Low-Cost-Pauschalreisen in der gegenwärtigen Situation angemessen.

Ludwig

 
 
 
 
Ich persönlich finde die Idee zunächst einmal grundsätzlich gar nicht so schlecht, denn auch in anderen Regionen auf diesem Erdball haben „Billig-Touris“ oder auch „Rucksackreisende“ oft die Wege für einen attraktiven Tourismus bereitet; ob in Griechenland, Thailand, Indonesien, Vietnam, in einigen karibischen Lokalitäten wurde durch die Vorarbeit der Rucksäcker und sogar der Pauschaltouris ein Land/eine Region zu einem attraktiven Reiseziel – auch für Begüterte!

Man schaue sich doch gerade mal die Entwicklung auf der ehemaligen „Putzfraueninsel“ (50er und 60er-Jahre) Mallorca an: Neben dem Pauschaltourismus liessen sich mehr und mehr auch Wohlbegüterte, Prominente, VIP’s dort nieder und siedelten die recht kleine Insel mit ihren Luxusfincas zu!

Der kleinen, internationalen, Proll – Enklave „Ballermann“ wird gerade Stück für Stück der Hahn zugedreht, da auch die Mallorciner offensichtlich das Potenzial kultivierter und zahlender Reisender und Touristen für sich entdeckt haben; Ähnliches gab es ja auch schon mal auf einer griechischen Insel, auf den Kanaren in einem indischen Golf und karibischen Plätzen!

Auf den Philippinen besteht nach all unserer Erfahrung natürlich die Gefahr, dass „so weit“ gar nicht gedacht, geplant und organisiert wird – da droht eher, dass das vorübergehend schnelle Geld auf „Billigbasis“ einkassiert wird anstatt langfristig gut wirkende und funktionierende „Mischkonzepte“ zu entwickelt und die dafür erforderliche Infrastruktur von den Ersteinnahmen herzustellen!

Schade wäre das, aber dennoch einen Versuch wert!

Cheese-man

 
 
 
 
 
Nun mal ganz ruhig!

Entweder, die Leute, die sich da so weit aus dem Fenster lehnen und von einer neuen Strategie in Bezug auf Tourismus reden, wollen sich nur mal ins Gespräch bringen oder wissen wirklich nicht, was Touristen wollen.

Bevor irgendjemand drüber nachdenkt, ob man an diesem oder jenem Platz ein Hotel, Resort oder ähnliches bauen soll, wäre erst einmal wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie man zum Einen die allgegenwärtige Korruption, die Kriminalität und vor Allem die Infrastruktur in Ordnung bringt. Letzteres muss natürlich in Bezug auf Tourismus, Natur, Kultur und Sicherheit (auch Rechtssicherheit) geschehen.

Hier sind aber so viele Baustellen auf einmal, dass selbst eine zweite und auch eine dritte Amtsperiode für den Präsidenten nicht ausreicht.

Zurück zur Leyte-Meldung: Mir drängt sich hier die Frage auf, wer da schon wieder auf Fördergelder spekuliert, die er sich zumindest teilweise in die eigene Tasche stecken kann.
Solche Beispiele habe ich selbst schon auf Panay gesehen: Da soll mit öffentlichen Geldern eine Straße in einem Wohngebiet gebaut werden. Es wird sogar vor dem Betonieren kontrolliert, ob auch die erforderliche Menge an Stahl im Boden verbaut wurde. Dann ist Feierabend und am nächsten Tag wird betoniert. Aber jetzt nur noch mit der Hälfte des Baustahls. Die philippinische Art der öffentlichen Investitionen.
Solange so etwas quer durchs ganze Land üblich ist, bleibt es dabei. Jeder versucht, sich selbst zu bedienen. Die Folge: Es wird nicht aufwärts gehen. Die konsequente Bekämpfung der Korruption und ist und bleibt die vordringlichste Aufgabe. Über Tourismus-Strategien nachzudenken oder gar zu streiten wäre den zweiten vor dem ersten Schritt zu tun.

Auswandern - Den Kulturschock überwinden

Stevaro

http://www.stevaro.de
Wer das Leben schiebt, dem enteilt es. (Seneca)
 
 
 
 
Die Philippinen wollen mit dem Tourismus zunächst mal Geld verdienen, soweit ist alles nachvollziehbar und legitim. Aber ihnen fehlt das Kapital für eine Nachhaltigkeit, für Werbung, für Investitionen, usw. Und so sind sie gezwungen in kurzen Schritten zu denken und zu agieren. Da die Filipinos selbst kein Geld für Reisen haben, benötigen sie die Einnahmen der Auslandstouristen.

Doch die Auslandstouristen sind nicht so homogen, wie es der Begriff vermuten lässt. Da gibt es Backpacker, es gibt Sextouristen, es gibt Heimaturlauber (Balikbayans), es gibt Familienurlauber, es gibt Single-Urlauber und Luxus-Urlauber … mindestens! Doch davon ziehen die Philippinen gerade mal die Backpacker, die Sextouristen und die Balikbayans an! Und mit dem Großteil dieser Gruppen, ist kaum Geld im Tourismus zu verdienen oder bleibt kaum etwas für die Entwicklung des Tourismussektors übrig.

Doch wie kommen die Philippinen an die lukrativen Urlauber ran? Dafür bedarf es einer nachhaltigen Strategie! Ob der aktuelle Tourismusminister hierfür die richtige Person ist, darf getrost bezweifelt werden. Bei seinem Amtsantritt outete er sich bereits mit extrem dünnen Kenntnissen über Ausländer, in dem er sagte, dass die Philippinen so einfach wie ein Jollybee-Menü zu verkaufen sei. Dass aber kaum ein Ausländer Jollybee freiwillig betritt, ist Herrn Jimenez doch glatt entgangen. Sein nächster Lapsus folgte auf dem Fuss, als er die Tanzgruppe des Gefängnisses von Cebu zur Touristenattraktion erhob. Was weiss der Mann denn wirklich über seine Zielgruppe?

Den letzten grossen Schnitzer leistete er sich mit dem „neuen“ Tourismusslogan, den man schlicht von den Schweizern abkupferte. Nicht, dass soviel Einfaltlosigkeit geradezu peinlich ist. Nein, der Slogan „It’s more fun in the Philippines“ wurde vom ersten Tag an in den Dreck gezogen, da der „Fun“ als Synonym für die Mängel in den Philippinen herhalten musste, wie Gewalt, fehlender Infrastruktur oder Kriminalität! Und somit verkam der Slogan von Anfang an zur negativen Werbung, als „Running Gag“. Aber Herr Jimenez steht immer noch zu diesem Slogan, wohl auch da sein politisches Schicksal damit verbunden ist.

Jimenez wird, trotz wachsenden (wenn auch zweifelhaften) Touristenzahlen, den Tourismus nicht auf Tour bringen, sprich signifikante Marktanteile gewinnen. Insofern muss man sich entspannt zurück lehnen und auf seinen Nachfolger warten. Wenn dieser mehr Erfolg erreichen will, dann wird er sich einen Beraterstab, bestehend aus Ausländern oder zumindest „Auslands-Kennern“ zulegen, sofern man diese beglücken und nicht nur ihr Geld will. Diese müssen dann eine längerfristige Strategie entwickeln, die von der Wirtschaft und der Politik mitgetragen werden muss.

Die Strategie muss ein paar wenige Zielorte mit einer modernen Infrastruktur überziehen und erstklassigen Urlaub wie beispielsweise in Bali, Phuket oder Djerba anbieten. Dazu bedarf es aber Investoren, die grosses Kapital mitbringen und auch neben einer Investitionssicherheit, auch kräftig mitverdienen wollen und dies auch dürfen. Wenn dies aber wegen der philippinischen „Crab-Mentality“ nicht gelingen sollte, dann verfällt der philippinische Tourismus noch weiter in das „Billigst-Tourismus“ Schema wie den billigen Pauschalangeboten aus Leyte. Dann aber gute Nacht philippinischer Tourismus!

Erinnerung: Schon abgestimmt? Falls nicht – jetzt gleich nachholen. Danke!