„Fun in the Sun?“ – Der grosse philippinische Traum

13. Juni 2012 – Es ist Mittagszeit auf dem Loboc River, einem smaragdgrünen Fluss, der durch die philippinische Inselprovinz Bohol verläuft und ich bin im Begriff, mich auf eine Bootstour mit einer Reisegruppe mit japanischen, koreanischen und philippinischen Touristen zu begeben. Wir passieren ein Hinweisschild, das uns auffordert, unsere Schusswaffen bei der Touristen Information abzugeben und schlendern dann an Bord unseres schwimmenden Restaurants. Es ist mehr als nur ein Mittagessen am Buffet mit Obst, Fleisch und Käse. So bewundern wir Kinder, die einige Tanznummern am Flussufer aufführen und lauschen der musikalischen Darbietung eines 12-jährigen Sängerpaares. Den Höhepunkt erreichen wir, als wir an eine Reihe von Miniatur-Wasserfällen kommen, bei der das Rauschen des Flusses, mit dem Gesang einiger Mädchen von Lady Gagas „Born This Way“ in Konkurrenz tritt.

Der Tourismus im „Philippine Style“, nimmt langsam ab. Seit Jahren hat das Land zugunsten seiner südostasiatischen Nachbarn, vor allem die Sicherheitsbedenken und seine marode Infrastruktur übersehen. Fast 4 Millionen Touristen besuchten die Philippinen im vergangenen Jahr, aber was bedeutet dies schon im Vergleich zu etwa 19 Millionen Besuchern des Nachbarlandes Thailand. Doch die Regierung hofft dies zu ändern und plant eine Verdoppelung der Besucherzahl auf dem Archipel bis 2016. Als Teil dieser Bemühungen hat sie eine globale Multimillionen-Dollar Medien-Kampagne im Januar gestartet, in der sie potentiellen Touristen verspricht: „It’s more fun in the Philippines.“ (Es macht mehr Spass in den Philippinen.)

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Während wir gemütlich den Fluss herab fahren, die Show geniessen und uns über die Kinder freuen, die sich vom Ufer aus ins Wasser stürzen, bin ich geneigt dem zuzustimmen. Aber in einem Land, wo der Spass der Besucher manchmal mit Gewaltverbrechen, terroristischen Bedrohungen, Strassen voller Schlaglöcher und antiquierten Flughäfen kollidiert, wird solch ein Slogan zwangsläufig zum Gegenstand der Kritik. Nach der Veröffentlichung eines Berichts, der die Kriminalitätsrate des Landes im letzten Jahr als „beunruhigend“ bezeichnete, wandelte die Antikriminalitätsvereinigung ‚Volunteers Against Crime and Corruption‘ den Slogan ab, in: „It’s more dangerous in the Philippines.“ (Es ist gefährlicher, in den Philippinen.)

In der Tat, wenn das Land mehr Touristen anziehen will, dann muss es seinen Ruf für Gewalttätigkeit abschütteln, der sich im Jahr 2010 noch tiefer verwurzelte bei einem Geiseldrama in Manila, als bei einer Busentführung acht Hongkong Touristen getötet wurden. Aus diesem Grund betonen die Offiziellen, dass Bohol das „familienfreundliche“ Gesicht der Philippinen sei, und kehren den Reichtum an Kultur, Geschichte, Natur – und eben auch an Sicherheit, in den Vordergrund.

In vielerlei Hinsicht scheint dies auch auf Bohol zu zutreffen. Es verfügt über Strände, die genauso malerisch wie die von Boracay sind, dem beliebten philippinischen Reiseziel für Strandliebhaber und Taucher. Aber nicht nur das. Denn die ovale Insel ist die Heimat von einigen erstaunlichen Sehenswürdigkeiten: mehr als Tausend von einzigartigen Kalkstein Hügeln, die als Chocolate Hills bekannt sind. Glühwürmchen, deren Licht den Nachthimmel wie Weihnachtsbäume erstrahlen lassen und die zweitälteste Kirche des Landes. Die lokalen Behörden sagen auch, dass sie einen nachhaltigen Wachstums-Plan verfolgten, sodass Bohol seinen ausgeprägten Insel-Charme behält und sich nicht zu einem weiteren Phuket verwandelt.

„Für eine lange Zeit, war Bohol etwas isoliert, nicht so offen zur Aussenwelt.“ sagt Maria Fe M. Dominise, vom Bohol Investment Promotion Center. „Wir machen das langsam und ich denke, das ist gut so – wir sind vorsichtig, Bohol nicht überzuentwickeln.“ Die Provinz hat Höchstgrenzen für Neubauten umgesetzt, verbietet die Bebauung des Strandes (auf 25 Meter) und legt fest, dass die verwendeten Baumaterialien „die Kultur der Philippinen“ widerspiegeln, so Jo Remolador-Cabarrus, Leiterin des Tourismus-Büros in Bohol. „Wir besuchten einige Orte, wie Phuket, und sagten uns, das ist definitiv nicht das, zu dem sich Bohol entwickeln soll.“ sagte sie.

Aber es gibt auch Schattenseiten dieses derzeit geringer entwickelten Zustands. Während die Flüge nach Phuket praktisch am Strand landen, ist das Kennenlernen von Bohol mühsamer. Der nächste internationale Flughafen liegt in der Nachbarprovinz Cebu, eine zweistündige Bootsfahrt entfernt. Nachdem ich mit einem Abendflug von Hongkong ankam, musste ich die Nacht in Cebu verbringen und konnte erst am nächsten Morgen auf die Insel Bohol weiter reisen. Meinen Rückflug hätte ich beinahe verpasst, da mein Boot eine 90-minütige Verzögerung hatte. Reisen auf der Insel kann stellenweise unangenehm sein, mit einigen verschmutzten Strassen und anderen, die gerade repariert werden. Die Stromversorgung der Insel ist auch unregelmässig. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, habe ich mich in die Insel Bohol verliebt, sie fühlt sich völlig unberührt und unkompliziert an.

Ein schnelles Tourismus-Wachstum wird diese zweifellos entspannte Atmosphäre ändern – genauso wie die lokale Wirtschaft. Yulo Penoso, ein 54-jährige Vater von drei Kindern, stellt Palmzweige für Dächer her, was ihm Einnahmen von $ 3,75 pro Tag einbringt. Im letzten Jahr fing er damit an, nachts Touristen auf Glühwürmchen-Touren am Fluss neben seinem Haus zu begleiten. Dafür verdient er fast das Dreifache des Geldes, in einem Bruchteil der Zeit. Er will, dass mehr Touristen nach Bohol kommen, aber nicht auf Kosten von Ruhe und Frieden. „Aber ich weiss, das ist ziemlich schwierig, beides gleichzeitig zu erreichen.“ sagte er.



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Einige Bebauungspläne bestürzen bereits die Einheimischen. Um internationale Flüge zu bewältigen, verfolgen die lokalen Behörden einen umstrittenen Plan, wonach der Flughafen vor den Toren von Bohols Hauptstadt Tagbilaran, auf die kleine, ruhige Nachbarinsel Panglao verlagert werden soll – ein Schritt, dem sich die Bewohner widersetzen. „Es ist nicht gut für die Insel wegen des Lärms und es wird die Umwelt zerstören.“ sagt Samme Gepayo, ein Fremdenführer. „Ich glaube, die Leute sind besorgt, dass sich zu viel verändert.“ Das Projekt ist noch immer in der Planungsphase, aber Bohols Governor Edgar M. Chatto berichtete, dass der Bau im Jahr 2016 beginnt.

Die Ankunft von grossen Resorts schürt ebenso Ängste. Mehrere grosse Anlagen sind vor kurzem auf Panglao entstanden und ein neues 159-Zimmer Hotel mit dem Namen ‚Bellevue‘ soll dort im Juni eröffnen. Die Bewohner fragen sich, ob die kleine Insel und sogar Bohol als Ganzes, den grossen Zustrom von Touristen, den sich die Behörden vorstellen, bewältigen kann. „Wir sind besorgt über die Aufnahmekapazität der Insel.“ sagt James F. San Diego, Geschäftsführer des ‚Boutique Amorita Resorts‘, das 2007 eröffnete. „Die Herausforderung besteht in der Strom- und Wasserversorgung.“ fügt er hinzu und verwies auf den Pool des Resorts, dessen Befüllen sich unendlich hinaus zögerte, aufgrund eines vorübergehenden Zusammenbruchs der Wasserversorgung.

Auswandern - Den Kulturschock überwinden

Die schlechte Infrastruktur ist nicht auf Bohol begrenzt – es behindert die wirtschaftliche Entwicklung im ganzen Land. Zahlen der Weltbank zeigen, dass die ausländischen Direktinvestitionen im Jahr 2010 auf nur noch 1,7 Mrd. $ schrumpften. Im Vergleich dazu stiegen diese Investitionen in den Nachbarländern Vietnam auf 8 Mrd. $ und Thailand auf 9,68 Mrd. $. Nach seiner Wahl im Jahr 2010 machte der philippinische Präsident Aquino, die Verbesserung der Infrastruktur des Landes und der touristischen Einrichtungen, zu seinen obersten Prioritäten, aber insgesamt geht es nur langsam voran. Philippinische Medien berichten, dass nur eine Handvoll von Aquinos unterschriebenen ‚Public Private Partnership‘ Infrastruktur-Vorschlägen, mit Leben gefüllt wurden und fortgeschritten seien. Inzwischen wurde das Land im vergangenen Oktober in Verlegenheit gebracht, als ein führender Online-Budget-Reiseführer, das Terminal 1 am internationalen Flughafen von Manila, als das weltweit schlimmste Terminal bezeichnete. Die Leser beschwerten sich über diebische Mitarbeiter, schmutzige Toiletten und sogar über eine einstürzende Decke, woraufhin der Verkehrsminister sich verbürgte, die Bedingungen zu verbessern.

Dies sind die Dinge, die man nicht so einfach als „Spass“ bezeichnen kann. Es scheint, zumindest vorerst, geht es um viel mehr als Lieder und Slogans für Bohol und die Philippinen, um Touristen weg von dem überfüllten Strand von Phuket zu locken.


Quelle: http://world.time.com/2012/06/11/fun-in-the-sun-the-philippines-dreams-big-for-tourism/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+timeblogs%2Fmiddle_east+%28TIME%3A+The+Middle+East+Blog%29