Erzbischof: Mätressentum sei unter Priestern verbreitet

10. Februar 2012 – Eine Kultur des Schweigens in ganz Asien würde viele Opfer sexuellen Missbrauchs durch die Kirche, davon abhalten, als Zeuge auszusagen, laut einem asiatischen Kirchenführer auf einer Konferenz des Vatikans am Donnerstag.

Monsignore Luis Antonio Tagle, der Erzbischof von Manila, sagte, die asiatische Achtung vor den kirchlichen Autoritäten in Ländern wie dem überwiegend katholischen Philippinen, habe die Opfer davon abgehalten, entsprechende Berichte zu bestätigen. Er sagte, immer mehr Opfer haben in den vergangenen fünf Jahren auf den Philippinen ausgesagt und Fälle von Priestern, die sich Mätressen halten, würden nur noch von den Berichten übertroffen werden, wo Priester Jagd auf Kinder machten.

Tagle sprach zu Priestern und Bischöfen aus 110 Diözesen und 30 Ordensgemeinschaften aus aller Welt, die in der viertägigen Konferenz in Rom lernen wollten: Richtlinien, wie man sich um die Opfer kümmert, wie man Missbrauchsvorwürfe untersucht und wie Pädophile aus der Priesterschaft heraus gehalten werden könne.

Tagles Vortrag machte deutlich, dass der Missbrauchsskandal – der zuerst in Irland in den 1990er Jahren ausbrach, 2002 in den Vereinigten Staaten und 2010 in ganz Europa – Asien noch nicht in dem Ausmaß erreichte. Aber die Sorge sei sehr real, dass es soweit kommen könne: Im November sagte die Föderation der asiatischen Bischofskonferenz der Kirche, dass „drastische und sofortige Maßnahmen“ zur Lösung des Problems ergriffen werden müssten.

„Obwohl das Thema des Kindesmissbrauchs noch nicht in die Öffentlichkeit der asiatischen Gesellschaften rückte, wie es im Westen oder in anderen Kontinenten der Welt passierte, so scheint es noch nicht zu spät zu sein, bevor es zu einer ähnlichen Situation in Asien komme.“ sagte der Verband.

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Tagle sagte, er wisse nicht, ob die stetige Zunahme der Opfer, die in die Öffentlichkeit gingen, seit den letzten fünf Jahren, „ein Vorspiel von einer Explosion sei“. Aber er räumte ein, dass die gemeldeten Fälle nur einen Bruchteil des Ganzen darstellten.

„Die relative Stille, mit denen die Opfer und asiatische Katholiken dem Skandal gegenüber stehen, sei teilweise durch die „Schamkultur“ bedingt, die als wichtigsten Wert, das eigene Ansehen, die Ehre und Würde ansieht, sagte er seinen Amtsbrüdern. „Für die asiatischen Kulturen, bringt die persönliche Schande, gleichzeitig Schande über die eigene Familie, den Clan und die Gemeinschaft. Schweigen ist deshalb ein Weg, die eigene Ehre zu bewahren.“

Die Kultur des Schweigens wird durch andere kulturelle Unterschiede verschärft. Filipinos haben eine „rührende Kultur“, sagte er. Die Gläubigen küssen ihre Priester und schätzen ebenso, „eine sanfte Berührung durch sie.“

„Wir berühren häufig Kinder. Aber sie können nicht eindeutig unterscheiden, zwischen einer liebevollen Berührung und einer böswilligen. Sie sind anfällig für Manipulationen durch Berührung.“ sagte er.

Tagle sagte weiter, eine Meldepflicht, die Bischöfe oder Ordensobere zwingen würde, Missbrauchsvorwürfe der Polizei zu melden, wären „kulturell schwierig“, da in vielen asiatischen Ländern, die Opfer lieber diskret nach Gerechtigkeit suchten, innerhalb des kircheneigenen Rechtssystems.

Er deutete auch an, dass asiatische Bischöfe, die väterliche und brüderliche Beziehungen zu ihren Priestern hätten, es schwierig fänden, einen beschuldigten Priester der Polizei auszuliefern.

Diese Mentalität, gekoppelt mit dem Wunsch den Skandal zu vermeiden, wurde für die enormen Ausmaße des kirchlichen Missbrauchsskandals in den Vereinigten Staaten, Australien und Europa verantwortlich gemacht. Bischöfe und Ordensobere versetzten jahrzehntelang die Täter von Gemeinde zu Gemeinde, anstatt sie der Polizei zu melden, in dem Versuch, den Ruf der Kirche zu bewahren.

Nur im Jahr 2010, auf dem Höhepunkt des letzten Skandals in Europa, hat der Vatikan ausdrücklich seinen Bischöfen gesagt, da wo zivile Meldepflicht existiere, diese auch zu erfüllen.

Tagle sagte, die Mentalität müsse sich nun in Asien ändern. Er sagte, er sei sich nicht sicher über die zivilrechtlichen Gesetze der Berichterstattung in den Philippinen, aber die Bischöfe wüssten, dass sie mit den zivilen Behörden kooperieren müssten.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte, der kirchliche Missbrauchsskandal, der 2010 in Deutschland ausbrach, hat die Kirche Glaubwürdigkeit gekostet, von der sie sich noch nicht erholt habe. „Mauern, Trivialisierung … wird eine neue Glaubwürdigkeit nicht fördern.“ sagte er. „Es kann daher keinen Ersatz für Offenheit, Transparenz und Wahrhaftigkeit geben.“


Quelle: http://www.google.com/hostednews/ap/article/ALeqM5hhI3jZ7BVl9oM9vmX-mkUKWijkIA?docId=9180b8fa4607475daf599373e1d00bb0