Tagsüber Studentin – Nachts Prostituierte

20. November 2011 – Die 20-jährige Sophia sieht aus wie eine typische Studentin, die einen Traum hat, eines Tages eine angesehene Anwältin zu werden.

Gerade 1,50 Meter groß, ist sie eher unauffällig an der katholisch-geführten Hochschule in Cebu City, wo sie eine neue Studentin ist, da sie niemanden auf sich aufmerksam machen will. Es ist, weil sie ein Geheimnis vor ihren Mitstudenten hat: Sie verkauft ihren Körper, um ihre Ausbildung zu bezahlen.

Sofia arbeitet als GRO (Guest Relations Officer) in einem Nacht-Club und bietet Männern sexuelle Dienstleistungen an, meist Ausländern. „Ich kümmere mich nicht darum, dass ich eine Prostituierte bin. Ich möchte mein Studium beenden, egal zu welchem Preis.“ sagte sie.

Sofia ist kein Einzelfall. Laut Julius Bungcaras, Leiter der ‚International Justice Mission‘ (IJM) in Cebu sind 10-15 Prozent der Studenten in der Prostitution. Die IJM ist eine Menschenrechtsorganisation, die Opfer vor der Sklaverei rettet, vor sexueller Ausbeutung und anderen Formen der gewaltsamen Unterdrückung.

Bungcaras sagte, dass auf der Grundlage der Fälle, die er behandelt hatte, Studenten sich nicht nur wegen der Studiengebühren prostituierten. Andere Gründe sind finanzielle Unabhängigkeit, Materialismus und der Druck der Straße, wo die Studenten das Bedürfnis haben, das selbe wie ihre Freunde zu besitzen, sagte er.

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Sofias Geschichte

Sofia, die von Negros Oriental stammt, wurde in die Obhut ihrer Tante gegeben, als sie 12 Jahre alt war, nachdem ihr Vater verstarb und ihre Mutter sie verließ. Nach dem Abschluss in der High School zog das 16-jährige Mädchen von Negros Oriental nach Cebu, um einen Hochschulabschluss anzustreben. Sie ahnte nicht, dass das Schulgeld in Cebu teuer ist.

Drei Jahre lang hatte sie Gelegenheitsjobs, als Hausmädchen oder Verkäuferin und so konnte sie genug Geld für ihre Studiengebühren sparen. Aber das Einkommen war nicht genug, um selbst ihre Grundbedürfnisse abzudecken.

Sie kündigte als Verkäuferin und war eine Weile ohne Arbeit. Im April letzten Jahres, sagte ihr eine Freundin, die als GRO arbeitet, dass ihr Nachtclub weitere GROs suchen würde. Da es schwierig war, als High-School-Abgängerin eine Arbeit zu finden, nahm sie den Job an.

„Ich mochte es nicht, aber ich hatte keine andere Wahl.“ weint sich Sofia aus. Die Bezahlung war gut und das brachte sie zur Entscheidung, in dem Geschäft zu bleiben. Seitdem war sie in neun verschiedenen Clubs, wo das Trinkgeld zwischen 1.000 und 8.000 Pesos von ihren ständigen „Gästen“ erreichte.

‚Private‘ Dienste

„Wir nennen unsere Kunden, Gäste. Die Gruppenvorstellung der GROs nennt sich Show-Up. Ich bin eine von denen. Dann wählen die Gäste unter den GROs diejenige aus, die sie wollen.“ sagte sie in Cebuano. Neben Trinkgeld, erhält sie eine feste Bezahlung von 120 Pesos pro Stunde vom Club und erhält mindestens 1.000 Pesos pro Kunde für „private“ Leistungen.

Sofia geht morgens zur Schule und ihre Arbeit beginnt um 19 Uhr und endet um 4 Uhr in der Früh. Ihr Einkommen ermöglicht es ihr, Essen sowie für ihre Unterkunft und Verpflegung sowie das Schulgeld zu bezahlen. Sie hat Geld übrig, um ihrer Tante in Negros Oriental etwas zu schicken, die keine Ahnung hat, womit sie ihr Geld verdient.

Sofia sagt, sie leistete sich auch ein neues Handy, Kleidung und eben auch Shabu (Methamphetamin-Hydrochlorid), um die ganze Nacht zu ertragen. Abgesehen von anderen Kunden, hat Sofia einen „Boyfriend“ ein 61-jähriger Norweger, der in diesem Jahr ihre Studiengebühren bezahlte.

Sexuell übertragbare Krankheiten, einschließlich der unheilbaren AIDS-Erkrankung, erschrecken sie nicht. Sie hat mehr Angst davor, von ihren Kunden – ohne Zeugen, im Inneren des Hotels – getötet zu werden, als an Aids zu sterben.

Worauf es für sie ankommt ist, ihr Studium zu beenden, damit sie eine Top-Anwältin wird und den Respekt erhält, den sie sich immer gewünscht hatte.

Die Verlockung des schnellen Geldes, ist einer der Gründe, weshalb einige Studenten-Prostituierte die Schule verlassen und die Prostitution als berufliche Laufbahn wählen.

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Miles Geschichte

Eine von ihnen ist die 20-jährige Miles, die sich dazu entschloss, das Studium zu „schmeißen“, weil sie glaubt, dass die Prostitution der einfachste Weg sei, sowohl ihrer Mutter und ihren drei Geschwistern zu helfen, als auch ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen nachzukommen.

„Ich kann meiner Mutter mehr Geld geben, wenn ich meine Arbeit als Prostituierte weiter mache. Es ist schnell und praktischer als in die Schule zu gehen.“ sagte Miles in Cebuano. Sie bekommt mindestens 1.000 Pesos pro Stunde von ihren Kunden, die meist Ausländer sind.

Im Gegensatz zu Sofia, arbeitet Miles nicht in einem Club, sondern bleibt zu Hause und wartet auf eine SMS von ihren Kunden, wo und wann sie sich treffen.

Sie verwendet ihre Einnahmen um ein neues Handy zu kaufen, für modische Kleidung, Essen und Make-Up. „Manchmal kann ich alles was ich will kaufen, aber ich habe nie Drogen genommen.“ sagte sie.

Gefragt, ob sie keine Angst davor hat, sich AIDS einzufangen, sagte Miles, sie sei überzeugt gesund zu sein, da sie Kondome benutze für jeden sexuellen Kontakt und auch alle drei Monate eine regelmäßige Kontrolle machen lasse.

Obwohl sie keine Pläne hat das Studium wieder aufzunehmen, erkannte Miles, dass ihr gewählter Beruf nicht ewig dauern wird. Vielleicht wird sie einen Abschluss machen, um in einem anständigen Job arbeiten zu können.

Tonis Geschichte

Toni ist Kunststudent und ein homosexueller Escort. Er bestätigt, dass viele Studenten Prostituierte sind. „Ich glaube nicht, dass die Regierung alles tun kann, weil es nicht nur mich alleine betrifft. Es gibt eine Menge von uns.“ sagte er.

Toni (22) bietet sexuelle Dienste für homosexuelle Ausländer an und bekommt 1.500 bis 2.500 Pesos pro Kunde. „Es ist leicht verdientes Geld.“ sagte er. Er hat in der Regel zwei Kunden pro Nacht. Toni sagte, dass er von seinem Einkommen, seine Familie unterstützen und seinen Unterricht bezahlen kann.

„Wir besuchen Dating-Sites, wo die meisten Ausländer (meist ältere Europäer und Amerikaner) zu Besuch kommen und uns für Sex kennen lernen.“ sagte er. Er benutzt Kondome, sagte er, weil er immer Angst vor AIDS hat. „Wir wurden auf AIDS getestet im vergangenen April und sind froh negativ zu sein.“ sagte er.

Toni hatte mit dem Studium aufgehört, da er sich von seinem Freund trennte, einem Ausländer, der seine Studiengebühr bezahlte. Nun da er etwas Geld gespart hat, will er wieder zur Schule gehen und einen Abschluss erhalten. „Wenn ich das College nicht beenden kann und keinen guten Job bekomme, vielleicht werde ich am Ende dann doch für immer ein Escort.“ sagte Toni.

Annabelle Maglasang, Berufsberaterin der High School der ‚University of the Philippines‘ sagte, die stark gestiegenen Studiengebühren zwangen die Studenten, ihren Körper zu verkaufen. „Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Aber ich kann es ihnen nicht verübeln, Studenten-Prostituierte zu sein.“ sagte sie.

Keine Information

Die Regierung hat daran gearbeitet, die sexuelle Ausbeutung von Studenten über verschiedene Behörden zu verhindern, aber diese kennen noch nicht einmal die Anzahl der prostituierten Studenten. Das Sozialministerium und die Polizei greifen nur dann ein, wenn es Beschwerden gibt oder ein Verdacht auf Menschenhandel vorliegt.

Das ‚City Health Office‘ (Gesundheitsamt), auf der anderen Seite, hat kein besonderes Augenmerk auf Studenten-Prostituierte. Es führt lediglich Überwachungsmaßnahmen und regelmäßige Untersuchungen von Prostituierten durch.

Für Sofia, Toni und Miles ist der einzige Weg aus dem Fleischhandel auszusteigen, vor allem unter den Studenten, die Ausbildung erschwinglich zu machen. Sofern sie nicht in der Lage sind, einen Abschluss zu machen und einen menschenwürdigen Arbeitsplatz zu finden, müssen sie mit der Prostitution weiter machen, um zu überleben.

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Quelle: http://newsinfo.inquirer.net/96605/students-by-day-sex-workers-by-night