Hat die Armee die Hand im Priestermord?

20. Oktober 2011 – Einwohner und kirchliche Mitarbeiter sagten, Fr. Fausto Tentorio lebte unter ständiger Bedrohung und es gab Anzeichen dafür, dass Elemente der philippinischen Streitkräfte darin beteiligt waren.

Wochen bevor der italienische Missionar am Montag von einem einzelnen Attentäter erschossen wurde, wurde die kirchliche Anlage beobachtet, laut Leoncio Lubiano, Leiter der Gemeindebildung.

Lubiano sagte, dass seit August mehrere Fischverkäufer rund um die kirchliche Anlage gesehen wurden. Die Fischverkäufer behaupteten, sie wären von Digos City (Provinz Davao del Sur) und wollten nur wissen, was in der Kirche sei.

„Manchmal schliefen sie in der Nacht hier. Sie waren noch immer hier letzte Woche, aber am Tag als Father Fausto ermordet wurde, waren sie plötzlich weg.“ sagte Lubiano.

Am 14. Oktober fragten Soldaten des 57. Infanterie-Bataillons, Führer der ‚Basic Ecclesiastical Community‘ in der Village von Badiangon ob sie Tentorios Handynummer hätten.

Am folgenden Tag, nachdem Tentorio eine Messe im Barangay Dalag las, beschlagnahmte die Polizei einen Sack voll Waffen, an Bord eines Motorrades das ein Zivilist fuhr, sagte Lubiano.

Tentorio war bereits aus dem Bereich, als die Schusswaffen, darunter zwei M-16 Gewehre, beschlagnahmt wurden. Als die Polizei den Zivilisten festnahm und die Waffen beschlagnahmte, schickte ein Offizier, ein gewisser Captain Espiritu, eine SMS in der er gegenüber der Polizei behauptete, der Eigentümer der Waffen zu sein.

Am Vorabend des Angriffs auf den Priester, wurden zwei Militärfahrzeuge gesehen – auch Kennedy genannt – die Patrouille fuhren im Bereich der Kirche.

Lubiano sagte, einige Soldaten nahmen in einer nahe gelegenen Schule an einem ‚Community Development Programm‘ teil, aber reagierten nicht, als der Attentäter, der einen Motorradhelm trug, Tentorio mit 10 Schüssen erschoss.

Chief Superintendent Lester O. Camba, Leiter der Task Force der Polizei sagte, dass Ermittlungen durchgeführt würden, konnte aber nicht sagen, ob der Mord in Verbindung steht mit Tentorios Haltung gegenüber dem Bergbau, der illegalen Abholzung oder dem ‚Landraub‘.

„Wir haben einen Spur und wir sind dabei weiterhin Beweise zu sammeln.“ sagte Camba. „Wir appellieren an die Öffentlichkeit, uns nur korrekte Informationen zu geben und uns keine Spekulationen zu liefern, da wir die wahren Schuldigen fangen wollen.“ sagte er gegenüber des ‚Philippine Daily Inquirer‘ in einem Telefon-Interview.

Sprecher der separatistischen ‚Moro Islamic Liberation Front‘ (MILF) und der kommunistischen ‚National Democratic Front‘ (NDF) sagten, das Militär sei an der Ermordung Tentorios beteiligt gewesen.

„Wir haben begründete Informationen, dass eine bewaffnete Gruppe, die das Militär zusammen gestellt hat, hinter dem Mord stand.“ sagte Mohagher Iqbal von der MILF. Er gab aber keine weiteren Details.

NDF-Sprecher Rubi del Mundo sagte, die 6. Infanterie-Division der philippinischen Armee leitete, plante und führte die Ermordung des Priesters als Teil ihrer Operationen zur Aufstandsbekämpfung aus.

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Colonel Leopoldo Galon Jr., Sprecher des Ost-Mindanao Kommandos, bestritt die Behauptung. „Lasst sie das beweisen. Wir fordern sie auf, uns zu helfen und der ‚Philippine National Police‘ alle Beweise zu geben, um diese gottlosen Mörder zu identifizieren.“ sagte er dem Inquirer.

Kirchliche Mitarbeiter sagten, Tentorios Engagement im Kampf für die Rechte der Lumad (Ureinwohner in Mindanao) habe ihn auch militärischen Schikanen ausgesetzt.

Libunio erzählt von einem Überfall vom 12. Juni 2009, als Soldaten in voller Kampfausrüstung in die kirchliche Anlage gingen, auf der Suche nach Tentorio.

Am selben Tag schrieb Tentorio einen Brief an den Bürgermeister von Arakan Romulo Tapgos, in dem er fragte, ob es normal sei, dass das Militär Privateigentum betreten dürfe, ohne Abstimmung mit dem Eigentümer.

„Ich habe nichts zu verbergen, und ich versichere das Militär ist herzlich willkommen in unserem Konvent, aber ich würde es begrüßen, wenn sie das mit mir koordinierten, bevor sie die kirchliche Anlage durchkämmen, weil ich der Gemeindepriester bin.“ schrieb Tentorio.

Tentorio war Mitglied des städtischen Ausschusses für Frieden und Ordnung, aber das Militär forderte die Gruppe auf ihn fallen zu lassen, nachdem er lautstark gegen die Intensivierung der militärischen Operationen war, die angeblich gegen die ‚New People’s Army‘ (NPA) gerichtet waren, jedoch die Lumad Gemeinden als Ziel hatten.

Einwohner, die aus Sicherheitsgründen um Anonymität baten, sagten am 29. Juli 2009 kamen Soldaten des 57. Infanterie-Bataillon in den Villages Tumanding, Sto. Nino, Ma. Caridad und Salasang an und errichteten Lager in Barangay Hallen, in der Nähe der Schule, der Kirche sowie Gesundheits- und Kindertagesstätten.

Die Soldaten blieben für 16 Tage, was zu Befürchtungen Anlass gab, nachdem sie eine Volkszählung durchführten und die Mitglieder der Lumad Gruppe Tikulpa als NPA Guerillas bezeichneten, sagten die Anwohner. Die Soldaten haben angeblich auch Zivilisten darum gebeten, ihnen bei ihren Operationen zu helfen.

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Fr. Peter Geremia, ein weiterer italienischer Priester sagte, es war zu früh, der NPA an dem Mord eine Beteiligung vorzuwerfen, unter dem Hinweis, dass sich bei den Untersuchungen kaum etwas bewegt habe.

„Die Henne macht eine Menge Lärm wenn sie ein Ei legt.“ zitierte Geremia ein altes italienisches Sprichwort, nachdem er Beamte hörte, die bereits die Schuld für den Tod von Tentorio, der NPA in die Schuhe schieben wollten.

„Auch während der Zeit des Favali-Mordes, machten sie die gleiche Aussage, aber es wurde das Gegenteil bewiesen.“ sagte er und erinnerte, wie am 11. April 1985, eine paramilitärische Gruppe angeführt von Norberto Manero, den italienischen Priester Fr. Tulio Favali in Tulunan (Provinz Cotabato) töteten.

Er sagte, die Ermordung von Tentorio, dem dritten italienischen Missionar der auf den Philippinen ermordet wurde, erinnere ihn wieder an Favali.

„Sie sagen wieder das Gleiche.“ sagte der italienische Priester, der 39 Jahre auf den Philippinen verbrachte.

dkb.de

Quelle: http://newsinfo.inquirer.net/79085/something-fishy-afp-hand-suspect-in-fr-pops-slay