Kontrovers: WikiLeaks

WikiLeaks-Veröffentlichungen zeigen eine neue Form der Berichterstattung, die Konsequenzen mit sich bringt und den Journalismus verändert; auf alle Fälle fordert sie neue Wege der Diplomatie und Geheimhaltung. Blank liegende Nerven werden noch mehr strapaziert und Missstände werden zu Skandalen. Auch der Umgang mit den einzelnen Enthüllungen, die ja eigentlich „Internas“ sind, fordert von den Betroffenen neue Wege. Doch genau hier wird es auf den Philippinen schwierig …

Einerseits werden Nachrichten enthüllt, die im Vergleich zum Westen von der Presse ignoriert oder nahezu verschwiegen werden. Andere positivere Nachrichten werden dann wieder ohne Bedenken und ohne Überprüfung weiter gereicht. Auf die ehemalige US Botschafterin Kristie Kenny haben sich inzwischen die Medien und leider auch die Politiker eingeschossen, da man dadurch vom eigenen Unvermögen und Fehlern ablenken kann. Die Berichte, die Kenny jedenfalls in die Staaten transferierte, hätten genügend Sprengstoff für mehrere „Kontrovers“-Themen.

Um mal 3 der bisher Wichtigen zu nennen:
1. Die „Vigilante Killings“ in Cebu City, bei denen innerhalb von nur rund 6 Monaten mehr als 40 Menschen, vermeintliche Kriminelle, ermordet wurden (2005). Für ein Kopfgeld von 20.000 Pesos führten dubiose Bürgerwehren diese, im ungenannten aber politisch tolerierten Namen, durch. Das gab es auch in anderen Regionen, aber Kennys Bericht liefert das eigentlilch Schlimme daran: nämlich die Duldung durch das Volk!

2. Ein anderer ihrer Berichte kratzt etwas am Image der philippinischen „Demokratie-Ikone“ Corazon Aquino. Denn die unterstützte zunächst Arroyo beim Sturz Estradas, um dann anschließend mit dem in Ungnade gefallenen Estrada, gegen Arroyo zu protestieren. Moralisch gesehen ist das bedenklich oder gar verwerflich, da im Westen zumindest man dieses Verhalten auch mit „Fähnchen in den Wind hängen“ bezeichnet.

3. Die Korruption innerhalb der Polizei: Kauf der Vereidigung, Kauf der Arbeitsstelle, Mehrfachabkassieren von Gehalts- und Pensionszahlungen, Einnahmen aus „mafiosen“ Quellen wie Drogen, Glückspiel und Prostitution. Auch würden die Offiziere schnell in das System eingeführt, in dem sie durch den Kauf der eigenen Ausrüstung in die Verschuldung getrieben werden. Auch das Beschaffungswesen des Polizei-Apparates sei korrupt, wie ja auch die aktuell diskutierte Beschaffung von als „neu“ deklarierten Hubschraubern zeigt.

Was trägt WikiLeaks in den Philippinen zur Demokratisierung, zur Bekämpfung der Korruption oder der Schaffung eines Rechtsstaates bei? Echte journalistische Hilfe oder Selbstdarstellung?

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Ludwig

 
 

 
 
Grundsätzlich halte ich Wikileaks für eine sehr wichtige und nützliche Sache, die vor allem dafür Sorge trägt, dass die Geheimlabore und Hinterzimmer der Politiker, Lobbyisten und schmierigen Geschäftemacher aus Rüstung, Waffenhandel & Co nicht mehr ganz so verschlossen sind; die Öffentlichkeit, also die, die in der Regel ja auch immer alle Zechen zu bezahlen haben, einiges mehr erfährt und somit eventuell der Druck auf rechtswidriges, ja kriminelles, Verhalten größer wird und mehr von den wahren Tätern in die Verantwortung genommen werden können.

Präventiv werden schon mehr sich überlegen, ob sie bei diesen „Sauereien“ überhaupt mitmachen sollten und bis diese Clique wieder andere Wege der Verschleierung gefunden haben wird, könnte sich ja das ein und andere bessern – allemal wird mehr Öffentlichkeit, Transparenz und somit mehr Demokratisierung erreicht!

Für die Philippinen schon dadurch ein Gewinn, weil die Arbeit der hiesigen Journalisten schon oft einem Himmelfahrtskommando entspricht wenn es denn um üble Machenschaften von Mächtigen – welcher Art auch immer – geht; es gibt nur sehr wenige Länder in denen der Journalist mehr bedroht ist durch seine Arbeit, sein Leben zu verlieren!

Andererseits sind die Macher von Wikileaks und der sich abgespaltenen Konkurrenzorganisation auch nicht mehr in der Lage, dafür zu sorgen, dass gefährdete Informanten geschützt bleiben und ihrerseits von Folter, Gefängnis und Tod bedroht sind weil „das Netz“ auch da bereits seine Eigendynamik entwickelt hat und in „Zauberlehrlingsmanier“ eine Vielzahl von Veröffentlichungen – ohne jeden Identitätsschutz – produziert; das wäre in der Region der Philippinen für die demokratischen Kräfte eine Katastrophe.

Somit müssen wir das von den Wikileaksverantwortlichen und -beteiligten eben verlangen was ja auch von den Kritisierten erwartet wird: Übernahme von verantwortlichem Handeln! Veröffentlichung nur, wenn der Schutz aller Informationslieferanten gewährleistet ist – dann wird das weiter eine feine Sache sein, die auch die Philippinen langfristig nicht unbeeindruckt bleiben lässt!

GC

 
 

 
 
WikiLeaks kollidiert mit der philippinischen Gefühlswelt. Es wird halt immer nur das Gute gesehen und das Schlechte (und Böse) wird dann irgendwie ausgeblendet. Die Journalisten sind auf der einen Seite tollkühn und wagen sich an das heiße Eisen ran, aber auch immer mit einem gewissen Selbstzweck (z.B. soll ein Redakteur des Daily Inquire auch im Miningbusiness mit drin hängen und ihm sollen sogar Anteile an einer Mine gehören, was auch zu einer Art missbraucht werden kann, um Konkurrenz mit Hilfe der Presse auszuschalten oder mundtot zu machen).

Die konsequente Leugnung von Fakten, die einer Kritik an Personen nahe kommen, werden halt so lange ignoriert, bis die Person out ist, dann wird z.B. nachgetreten. Im Falle Corazon Aquinos wurde das völlig ausgeblendet. Sie ist nach wie vor eine Heilige. Ob sie es auch noch wäre, wenn Ihr damaliger Mann das Attentat überlebt hätte?

Auch im Fall Marcos neigen die Medien zum vergessen der Gräueltaten. Sobald es an den Nationalstolz geht, ist den Philippinen alles heilig. Da werden sogar Diktatoren als gute Menschen bezeichnet, obwohl bekannt ist, was selbige angerichtet haben. Als Beispiel diente die Debatte über Marcos Staatsbegräbnis. Das wäre so, als würde man unserem letzten Diktator die letzte Ehre erweisen. Da herrscht in den Philippinen ein anderes Weltbild.

Ob WikiLeaks das knacken kann, bleibt sehr fraglich, da die aktuellen Äußerungen eines Delegationsmitgliedes der Aquino Delegation in China wohl nicht auf Besserung hoffen lassen. Es herrscht keine Einsicht in Bezug auf Geiseldrama und Spratly Islands, bzw. dem Kauf von alten US Militärschiffen und Hubschrauberdeals.

Auch gegen die USA wird scharf geschossen, nach der Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen. Ein Mitglied der Botschaft wird verbal attackiert, aber wenn im selbigen Land die Polizisten sich ungerecht behandelt fühlen, weil sie berechtigterweise entlassen worden sind und in ihrer Ehre gekränkt sind und Geiseln nehmen, dann muss WikiLeaks noch sehr viel leisten, um dort das Ruder rumzureißen.

Es muss wahrscheinlich erst auf die Spitze getrieben werden, bis das Volk sich erhebt. Solange WikiLeaks den Leuten Wahrheiten liefert, welche aber als solche nicht erkannt oder bewusst ignoriert werden, ist dies Perlen vor die Säue werfen. Es muss wohl erst richtig schlecht werden, bis es wider gut wird. Schade, aber wohl wahr.

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Stevaro

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Wer das Leben schiebt, dem enteilt es. (Seneca)

 
WikiLeaks kann zum heutigen Zeitpunkt nicht pauschal bewertet werden. Es trägt dazu bei Missstände aufzuzeigen, aber ist meilenweit von einer seriösen Nachrichtenquelle entfernt. Solange durch die Offenlegung der Nachrichten, die Quellen nicht besser geschützt werden, bin ich zurückhaltend mit Beifall.

Was aber die Beispiele aus den Philippinen zeigen ist, dass ein Medium wie WikiLeaks seine Existenzberechtigung hat. Ob es jedoch zu Veränderungen führt, darf kurz- bis mittelfristig bezweifelt werden. Dennoch führt es zu Diskussionen, zur Hinterfragung bestehender Strukturen, zu Tabubrüchen und zur unfreiwilligen Zugabe von Untaten.

Etwas nervig sind dabei die Zwischenrufer: „Nein, ich war das nicht!“ oder „Nein, das ist ein Tabu!“ oder die ständigen Verweise auf die „Unseriosität“ des Mediums. Was da manche als (Selbst-)Verteidigung von sich geben, ist eher ein Eingeständnis.

Doch schauen wir mal die Fälle im Einzelnen an:

1. Die Vigilante Killings
Hier wurden in der Vergangenheit unter Duldung durch die Offiziellen, die Kriminellen dauerhaft aus dem Verkehr gezogen. Die Gesellschaft wurde vom „Abschaum“ erlöst. So kann man es sehen wenn man denn möchte. Ohne gerichtliches Urteil, ohne Richter und ohne Verteidiger. Eine Chance auf Rehabilitierung – wozu? Hier widerstrebt sich mein rechtsstaatliches Bewusstsein massivst. Doch nun sagt WikiLeaks, das eigentlich schlimme an der Geschichte ist nicht die offizielle Duldung, sondern die Duldung durch das Volk! Denn das Volk war mehrheitlich hinter diesen Aktionen. Und an dieser Stelle blutet meine Seele: was wäre wenn man den Falschen exekutiert? Oder gar noch schlimmer: wenn man eine Volksabstimmung zu solchen Fragen durchführte? Ein Albtraum!

2. Corazon Aquino
Die Mutter des aktuellen Präsidenten wird in den Philippinen fast vergöttert wie „Mama Mary“. Es fehlt nur die Heiligsprechung durch den Papst, ab das kriegt man auch noch hin! Fakten sind bei dieser emotionalen Sichtweise unerwünscht oder verboten. Die Aufregung über jemand der die Wahrheit spricht ist derart weit hergeholt, wie die kürzliche Aufregung Estradas über einen angeblichen Ausspruch der Botschaftergattin Malaysias, über den „national hero“ Rizal. Tabubruch! Dazu fällt mir nur ein: wer mit seiner Kritik ernst genommen werden möchte, sollte zuerst mit der eigenen Kritikfähigkeit beginnen.

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3. Die Korruption in der PNP
Eigentlich hat WikiLeaks hier nichts neues erzählt. Denn gewusst hat das jeder, gut, wenn man mal von der Fraktion der rosaroten Brillenträger absieht. Jedoch geschrieben, hat das in dieser Form bislang kaum einer. Dass Beweise gefälscht werden, die Polizei von systematischer Korruption durchzogen wird, die Gehälter mehrfach ausbezahlt werden oder das Beschaffungswesen laufend neue Skandale liefert … und wem das nicht genügt, der sollte mal die Geschäftsfelder „Drogen, Prostitution und Glücksspiel“ näher unter die Lupe nehmen. Das schlimme daran ist, dass die Polizei eine tragende Säule in der Statik des Rechtsstaates darstellt. Und die Tatsache dass diese derart korrupt ist, lässt die Vorgehensweise Aquinos Politik der Korruptionsbekämpfung erklären. Aber ändern wird sie nichts. Leider.

4. Mike Arroyo und WikiLeaks
Da behauptete doch WikiLeaks, dass Arroyo in dem illegalen Glücksspiel Jueteng und im Schmuggel beteiligt war. Auch diese Nachricht erschüttert uns nur wenig. Zu viele andere Korruptions-, Bestechungs- und Schmierengeschichten machen derzeit um den Arroyo-Clan die Runde. Aber hier bietet WikiLeaks einen Ansatz zur Wahrheitsfindung. Vielleicht ein bisschen spät. Doch hoffentlich nicht zu spät.

5. Die katholische Kirche
Ja da kommt natürlich die Gretchenfrage auf: Was isse denn nun, die katholische Kirche? Pastorale Institution, Kontrollorgan der Gesellschaft, gar beides oder bei Bedarf das eine und das andere? Der verstorbene Kardinal Sin hat jedenfalls seinen politischen Einfluss in die katholische Kirche eingebracht. Das mag philippinisch korrekt sein, aber international ist das Sackgasse! Das ist weder mit der katholischen Lehre, noch mit der Trennung von Kirche und Staat zu vereinbaren. Aber warum sollte der Vatikan eine leichtere Aufgabe haben als andere Institutionen? Doch gerade dieses Beispiel zeigt das Dilemma der Kirche auf: sie hält ihre Rücktrittsforderungen an Arroyo nach dem Wahlbetrugsskandal zurück, hat aber kein Problem damit bei Themen wie z.B. der RH Bill in das politische Tagesgeschäft einzugreifen.

Mein (bisheriges) Fazit zu WikiLeaks: „Man liebt den Verrat, aber hasst den Verräter“, hat ein neues Paradebeispiel gefunden. Wenn WikiLeaks seine Informanten schützt und zeitgerecht informiert, dann kann es einen seriösen Beitrag zur Aufklärung in einem an Aufklärung unterentwickelten Land liefern. Mehr aber nicht. Der Anspruch eine politische Macht, vergleichbar den etablierten Medien zu werden, wird aber WikiLeaks nicht gerecht. Das liegt in der Tatsache der Form der Informationsbeschaffung zugrunde, die eben leider oft nur ein „Ausplaudern“ ist …

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Stephan

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Um mal mit einem platten Spruch anzufangen: Wissen ist Macht! Davon bin ich mehr denn je überzeugt. Ganze Dynastien wurden darauf aufgebaut: Völker wurden dumm gehalten, um die Macht und den Reichtum zu sichern.

So gesehen klingt es logisch, dass, je mehr Informationen ans Tageslicht kommen, es umso besser für die breite Masse ist. Aber weit gefehlt! Denn jetzt haben wir ein neues Problem, nämlich das der Informationsverarbeitung. Denn damit haben viele Menschen ein Problem, weil es dazu wiederum einer gewissen Bildung bedarf. Nur, wenn ich eine Information in einen größeren Kontext einordnen und gewichten kann, bringt mir diese etwas. Das können schon in scheinbar entwickelten Ländern nicht viele Menschen und nur deshalb können Medien wie die Bild-Zeitung auch immer wieder virtuelle Säue durchs Dorf treiben.

Übrigens: Seit es das Internet gibt, hat die Zahl der Verschwörungsfanatiker rapide zugenommen. Ja, es gibt mehr Informationen in der Breite. Aber viele Nutzer können damit schlicht und ergreifend nicht umgehen. Sie können Informationen nicht einschätzen, einordnen und gewichten. Gefährliches Halbwissen, ist da ein Stichwort. Ich kann mir fast alle Informationen dieser Welt auf den Bildschirm holen. Das bedeutet aber nicht, dass ich damit umgehen
kann. Deshalb gibt es ja so viele IT-Leute, die mit dem Internet perfekt umgehen können und glauben alles zu wissen, was die Welt ausmacht. Aber sie können mangels umfassender Bildung nicht gewichten und einschätzen und werden deshalb zu Verschwörungsfanatikern (Ich behaupte, dies ist empirisch belegbar!).

Und damit kommen wir zurück zu den Philippinen. Einem Land, das zwar formal über Bildungsinstitutionen verfügt, aber erschreckend schwache Ergebnisse in allen Segmenten der Gesellschaft abliefert. Und gleichzeitig zwar so etwas wie Demokratie zelebriert, in Wahrheit aber eine waschechte Oligarchie ist.

In so einem Land kann Wikileaks keine wirkliche Rolle spielen und es gilt die Maxime: Nix wissen macht nix!