Kontrovers: Muslim Mindanao

Lösung für Muslim Mindanao: militärisch oder diplomatisch?

Nach diversen Eskalationen der beteiligten Parteien, die zu immer schlimmerer Grausamkeit führt, scheint eine diplomatische Lösung der einzig richtige Weg zu sein. So liest es sich fast als Selbstverständlichkeit, dass Aquino als erster Präsident auf die Muslims zugeht und mit ihnen verhandelt.

Ein Novum! Doch wird es Erfolg haben? Denn in dem Bürgerkrieg gibt es nicht nur die MILF sondern auch die MNLF, die BIFF, die NPA oder die Abu Sayyaf, um nur mal eine Handvoll zu nennen. Diese haben unterschiedliche Ziele (politische, religiöse, terroristische, …) und sind oft wenig stabil aufgebaut, dass es nur eines kleines Anlasses bedarf, um eine Abspaltung zu provozieren.

Werden diese Aufständischen zu bändigen sein?
Bringt eine diplomatische Lösung mit der MILF den ersehnten Frieden?

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Stevaro

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Wer das Leben schiebt, dem enteilt es. (Seneca)

 

Eine sich bietende Gesprächschance nicht zu ergreifen, wäre in dieser Situation verantwortungslos für einen Politiker. Somit muss Aquino mit der MILF sprechen, die eine gewichtige Gruppe innerhalb der muslimischen Gesellschaft in Mindanao darstellt. Über die Form des Zustandekommens und der Durchführung, kann man unterschiedlicher Meinung sein. Aber in Asien ticken manchmal die Uhren anders.

Doch ich verfolge das Geschehen seit rund 20 Jahren in Mindanao und es drängt sich mir immer stärker der Eindruck auf, dass es dort bestimmte Menschen gibt, die keinen Frieden wollen. Beispiel Abu Sayyaf. Die haben nichts mit dem Islam zu tun! Das sind Banditen, die statt zu arbeiten, lieber als Wegelagerer sich Geld beschaffen. Sind sie deshalb Al-Quaida Terroristen? Eigentlich auch nicht, denn diese Banditen schlüpfen in jedes Kostüm hinein das sich ihnen anbietet. Klassische Trittbrettfahrer.

Ob religiöser Deckmantel oder politische Ziele – egal, Hauptsache man findet eine halbwegs plausible Motivation und damit Rückendeckung, bei Unterstützern und Gönnern. Da diese aber als Guerillas im Dschungel kämpfen und oft in ganz normalen Familien leben, erschwert dies ihre Identifikation. Mit ihnen kann man nicht verhandeln, sie zu bekämpfen, ist aber eine schwierige und langwierige Aufgabe.

Daneben gibt es aber auch andere, die im Falle eines für sie nicht akzeptablen Themas – und da reichen bereits winzige Kleinigkeiten dafür aus – sich von der Hauptgruppe abspalten und eine neue Gruppierung bilden. Jüngstes Beispiel solcher Abspaltung: der Landstreit um 6 Hektar Land, weshalb man – ganz nebenbei – Tausende Menschen in die Flucht treibt.

Nein, die muslimische Bevölkerung ist keine homogene Gruppe und akzeptiert weder politische Anführer noch friedliche Lösungen. Wenngleich ich an dieser Stelle nicht missverstanden werden möchte, da ich die Mehrheit der Muslime als friedliche Filipinos erlebe, die sich jedoch deutlicher von der Gewalt Einzelner distanzieren sollte. Jedoch, warum sollte das gerade unter Muslimen klappen, wenn es bei der restlichen Bevölkerung auch nicht klappt?

So muss man auch deren Forderungen sehen: eigener Staat, oder einen Staat im Staate, oder Autonomie … völlig egal! Es geht immer um die persönlichen Ansprüche, um Geld und Macht. Wer auch immer sich berufen sieht, im Namen von anderen zu sprechen und eine Vereinbarung unterschreibt, hat niemals alle hinter sich und wird damit immer Unzufriedene hervorrufen, die wieder eine militante Splittergruppe bilden.

Frieden wird es deshalb in Mindanao nicht geben, noch nicht einmal wenn Aquino den Moslems ganz Mindanao schenkt. Denn dann werden wieder Streitigkeiten zwischen den Warlords ausbrechen, die sich um jeden Quadratmeter streiten. Und diese Blutfehden oder Ridos wie sie hier genannt werden, haben eine lange Tradition und scheinen nicht beendbar zu sein. So ist das Maguindanao Massaker wohl nur eine Spitze des blutigen Eisbergs.

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Stephan

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Ich habe insgesamt vier Jahre lang in einem muslimischen Land gelebt, ich möchte diese Erfahrung nicht missen, will sie aber keinesfalls wiederholen…
Warum? Von 68er-Lehrern und Profs gelehrt und ausgebildet, bin ich immer mit einem überschaubaren Maß an Vorurteilen durch die Welt gelaufen. Deshalb war mir auch die muslimische Welt nicht per se suspekt, als ich in den Emiraten und Dubai ankam. Bei meiner Abreise war das anders, wobei ich es weniger als Vorurteile, denn als Erkenntnisse bezeichnen möchte, gewonnen aus der Realität und dem täglichen Leben.

Meine Erkenntnisse in kompakter Form:

1. Ich habe mit einem Muslim so gut wie nie eine Basis für ein kritisches Gespräch gefunden. Die Abstinenz von Aufklärung und der Fähigkeit zur kritischen Bestandsaufnahme sorgten sogar bei gebildeten Menschen für unsichtbare Scheuklappen. Für mich als Europäer ein Schock.

2. Die strikte Auslegung des Koran mit seinen rigiden Ritualen und Regeln sorgte einerseits für eine teilweise dumpfe und von mir als nicht kreativ empfundene Atmosphäre. Für einen Entrepreneur geradezu ein Horror. Noch schlimmer: Menschliche Bedürfnisse wurden in Nischen abgeschoben und versteckt. Beispiel: Die Ehefrau ist heilig und wird primär zu Hause gehalten, im doppelten Sinne. Spaß hat man(n) dann außerhalb mit anderen Frauen, bezahlt dafür und fertig. Verlogenheit bis zum Anschlag, unerträglich!

3. Schließlich der vielleicht wichtigste Punkt: Die restriktive Auslegung des Korans und damit verbundene Kontrollmöglichkeit der Menschen wird dazu genutzt, Staaten und Menschen mit zumeist undemokratischen Strukturen zu regieren. Staat und Religion sind identisch, damit zumeist Diktatur und Religion.

All dies lässt mich nicht auf eine diplomatische Lösung für Mindanao hoffen, leider. Zwar könnte der asiatische Ableger des Islam als gemäßigt bezeichnet werden. Aber wer zum Beispiel nach Indonesien schaut, der bekommt Zweifel. Zwar öffnet sich das Land zunehmend und der Kampf in Aceh ist vorbei, Tsunami sei Dank. Aber die weitgehende Unabhängigkeit dort hat zur Einführung der Shariah geführt. Es wird öffentlich ausgepeitscht und nicht verheiratete Paare auf der Straße verhaftet. Das sind die Vorzeichen für Mindanao. Hart und militärisch standhaft bleiben ist das kleinere von zwei Übeln!

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Ludwig

 
 

 
 
Diese Fragestellung ist ja nicht auf die Philippinen beschränkt: Ob Nordirland, Afghanistan, Palästina immer müssen wir erleben, dass Politiker, oder aber die sie unterstützenden Militärs und Rüstungskonzerne, darauf drängen sich bloß nicht von Terroristen erpressen zu lassen, also keine diplomatischen Verhandlungen mit „Terroristen“!

Andererseits wissen wir auch aus allen terroristischen Szenarien, dass je härter und länger die militärischen Aktionen andauern, je mehr „Zivilisten“ auch darunter leiden müssen und betroffen sind – also Verluste zu beklagen haben – nähert gerade die militärische Vorgehensweise die Unterstützung der Terroristen aus der Bevölkerung, können die Terroristen einen zunehmenden Nachwuchs aufnehmen – überall auf der Welt und egal welche Religionen beteiligt sind; siehe hier auch wieder Nordirland: Beide Parteien sind Christen.

Wobei nicht zu unterschätzen ist, dass gerade dem islamistischen Terrorismus durch die Religionskomponente ein paar sehr „erstrebenswerte Motivationselemente“ (z.B. Märtyrertum) zu Hilfe kommen.

Dennoch geht es in den unterschiedlichsten Regionen doch immer um die gleichen Themen: Souveränität, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und Wegfall von Unterdrückung durch externe oder interne Gruppierungen – Dinge also, die man doch politisch, also durch Verhandlungen und Kontrakte lösen können müsste – allerdings nur, wenn wirklich alle „Verhandlungsbeteiligten“ auf gleicher Ebene beteiligt werden und wirklich ergebnisoffen – also zunächst ohne Tabus – verhandelt wird!

Meine Meinung: Es ist nur politisch zu lösen; militärische Aktionen dienen nur der Rüstungsindustrie, den Waffenhändlern und Lobbyisten – und schaden ganz erheblich der Bevölkerung und der Volkswirtschaft!

Cruzer

Wenn Freiheit irgendeine Bedeutung hat, dann die, den Leuten das sagen zu dürfen, was sie nicht hören wollen.

 

 

Es gibt einige ungeschriebene Regeln der Diplomatie, die ein Staatsoberhaupt kennen sollte. Wenn man z.B. der Meinung ist mit Separatisten, um nicht zu sagen Terroristen, verhandeln zu müssen, dann tut man das nicht selbst. Sogar ein Minister wäre unangemessen – in der Regel schickt man einen Staatssekretär vor.

Solche diplomatischen Finessen brauchen den Dilettanten im Amt des philippinischen Präsidenten, Herrn Benigno Simeon Aquino III natürlich nicht zu kümmern. Dieser begibt sich mal eben heimlich, inoffiziell und unvorbereitet nach Narita, um sich dort höchstpersönlich, ohne Wissen der japanischen Regierung, mit dem Rebellenführer der Moro Islamic Liberation Front (MILF) Al-Haq Murad Ibrahim zu treffen.

De facto hat Aquino damit die MILF als offiziellen Verhandlungspartner anerkannt, dessen Fernziel weiter die Sezession vom philippinischen Staat ist. Daher ist sie mit dem Status einer autonomen Region (ARMM) auch nicht mehr zufrieden und fordert nun einen sogenannten Sub-State (Unterstaat). Was soll das eigentlich sein? Dieser, wie auch immer geartete „Unterstaat“, widerspräche den Grundsätzen aller vorhergehenden Administrationen. Nämlich, dass es nur ein philippinisches Staatsvolk gibt, eine Regierung, eine Gesetzgebung und eine Armee. Wie ein Schlafwandler folgt Aquino hier den Spuren seiner Mutter Cory, die schon ohne Not die Territorien von Sulu und Sabah an Malaysia abgetreten hatte.

Nun könnte man meinen, dass zur Herstellung des Friedens jedes Mittel recht sein sollte. Dieser Argumentation kann und will ich mich nicht anschließen. Solche Art von Appeasement hat noch nie Erfolge gebracht, sondern immer nur weitere Forderungen nach sich gezogen. Die richtige Politik ist vielmehr, den militärischen Druck auf die Rebellen aufrecht zu erhalten und diese von ihren Geldquellen in Saudi Arabien und Al Quaida abzuschneiden. Begleitend sollte die friedliche Bevölkerung unter Wahrung der Autonomie vom Staat unterstützt werden. Dieser Prozess kann durchaus weitere 10 bis 15 Jahre in Anspruch nehmen.

Solche strategischen Denkweisen sind dem amtierenden Präsidenten fremd. Er sucht eine schnelle Lösung – vergeblich. Abgesehen davon, dass sein Egotrip nach Japan natürlich kein Ergebnis brachte, gab es auch unverzüglich die Quittung. Der Vorsitzende der Moro National Liberation Front (MNLF) Habib Mujahab Hashim warnte die Regierung sogleich, dass man den Konflikt ausweiten würde, wenn der Präsident fortfahre, die MNLF zu ignorieren.

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Kayang

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Sacrilegia minuta puniuntur, magna in triumphis feruntur.

 

Präsident Aquinos überraschendes Treffen mit dem Chairman der MILF um Friedensgespräche „anzuleiern“, war wohl sehr unkonventionell und undiplomatisch, aber wenn es zu Gesprächen kommt, wäre das immerhin schon eine „Art“ Fortschritt.

Frieden mit den Moslems auf Mindanao ist mit einem Sechser im Lotto gleichzusetzen; es gehört die Portion Glück dazu, die anderen Präsidenten versagt blieb. Schließlich gibt es viele Splittergruppen, wobei ich die Abu Sayyaf noch nicht einmal dazu zähle, da es sich hier um glasklare Terroristen handelt, mit denen man keine Gespräche führt. Aber da sind neben der MILF etliche abgespaltene Gruppen, die sich ein radikaleres Vorgehen wünschen, wie die Kämpfe 2008 nach Ablehnung der Moslem Homeland Agreements durch das höchste philippinische Gericht gezeigt haben. Es ging innerhalb von Stunden „rund“ und etliche christliche Kommunen waren unter Attacke. Diese Splittergruppen werden mit keinem Vertrag, den die MILF aushandeln würde, zufrieden sein.

Der kurz nach dem Treffen der beiden Politiker angesprochene „Substate“ innerhalb der Philippinen ist ein alter Hut. Denn die ARMM war ja nun eine autonome Region und damit eine Art „Substate“, die den Politikern zu klein ausgefallen war, da sich viele Provinzen gegen eine Mitgliedschaft aussprachen. Ein „Substate“ in Form von Föderalismus würde über kurz oder lang auch dazu führen, dass die Igorots ihren „Substate“ wollen, danach alle Warays, danach alle Cebuano sprechenden usw. Es wäre eine Spirale ohne Ende. Zudem würden diese „Substates“ letzten Endes doch nur zu Fiefdoms (Lehen) der machthabenden Familien werden, die den „Substate“ wie ein Vampir aussaugen würden. Das hat die Dominanz der Ampatuans in der ARMM deutlich gezeigt. Und die Vergrößerung des Lehens von Provinz zu „Substate“ würde diesen „Vampiren“ sehr lieb sein.

Die bis heute seit dem Friedensvertrag unter Ramos enttäuschte MNLF, die in den späten 60er Jahren von Nur Misuari mitgegründet worden war, könnte über Nacht die Aufstände neu anheizen und so könnte das jede andere Gruppe, die sich einst aus der MNLF abspaltete. (Die MNLF war die Mutter aller Moslemischen Befreiungskämpfer.) Es geht nicht um Frieden, es geht nicht um die ARMM, die ein Fehlschlag wurde, es geht nicht um ein unabhängiges Mindanao per se, es geht einzig und allein um Macht.

Ich lebe seit fast 25 Jahren auf Mindanao und war die letzten 10 Jahre in einem Gebiet, das zumindest in der Nähe der Moslem Zentralgebiete liegt und bei uns leben viele Muslime. Ich war in allen Provinzen einschließlich der Stadt Marawi City und habe mit vielen Muslimen gesprochen. Die überwiegende Mehrheit fühlen sich als Filipinos und haben als solche die gleichen Sorgen, wie alle anderen Filipinos auch. Es geht um Nahrung, ein Dach über dem Kopf und die Schule der Kinder. (Heute haben sich die Prioritäten wohl leicht verschoben, denn scheinbar geht es eben auch um „Load“, Tongits und Tanduay neben den anderen Ansprüchen.)

Der Anspruch der Gruppen als die alleinigen Fürsprecher der Bangsamoro People ist ein Anspruch, der auf tönernen Füßen steht. Wenn man den Durchschnittsmoslem fragt, dann ist der wohl anderer Ansicht, denn die Machtspiele der Politiker sind nicht interessant für „Mahmud Bangsamoro“ oder Juan Dela Cruz.

Da es bei diesem Konflikt wohl mehr um Macht geht als alles andere, da die Ansprüche unter verschiedenen Gruppen aufgeteilt werden, die sich selbst nicht einig sind, wird es wohl mit dem ersehnten Frieden nichts werden. Das haben wir 1995 gesehen, da die anderen Gruppen weiter kämpften und sich nicht an den Friedensvertrag halten wollten.

Sollten aber mal entgegen aller bekannten Fakten alle Gruppen einen solchen Vertrag unterzeichnen, dann fänden sich in nullkommanix einige Unzufriedene, die eine neue Gruppe gründen würden und der Kampf mit den gleichen Begründungen ginge weiter.

Frieden für Mindanao ist ein Traum, der sich wohl nie verwirklichen wird!