Kontrovers: Freiheit vs. Rücksicht?

Letzte Woche ereignete sich mal wieder ein tragischer und großer Unfall: auf einem der Gemeinde Barili gehörenden Müll-LKW, der einen Trauerzug als preiswerten Transport anführte, fuhren rund 100 Trauernde mit zum Friedhof. Doch die Bremsen versagten ihren Dienst und das Unglück nahm seinen Lauf.

In ähnlicher Art und Weise passieren immer wieder schlimme Unfälle, die dann leider viele Menschenleben fordern, da die Beteiligten Fahrzeuge eine hohe Anzahl Passagiere an Board haben: Busse, LKW, Vans, Jeepneys oder gar Tricycles.

Doch ist das wirklich unvermeidbarer Zufall? Da freut sich mancher Ausländer über den nicht existierenden TÜV, den relativ ‚easy kaufbaren‘ lokalen Führerschein, den wenigen Polizeikontrollen oder fehlenden Alkohol-/Drogenkontrollen, kaum Verkehrsschilder im Gegensatz zu Deutschland, wo es zumindest gefühlsmäßig mehr Verkehrsschilder als Menschen gibt.

Doch ist der Preis dieser Freiheit gerechtfertigt? Immerhin werden bei verschiedenen Behörden bereits die Regeln verschärft, was bei vielen aus dem Ausland geflüchteten auf wenig Verständnis stößt. Doch das sind ja keine „ausländischen“ Gedanken, sondern Verordnungen die von Behörden erlassen werden.

Alles Mumpitz oder wo endet die eigene Freiheit und wo beginnt die des anderen?
Nur am Geldbeutel?

Kayang

http://www.phil-life.net

Sacrilegia minuta puniuntur, magna in triumphis feruntur.

 

Autofahrer auf den Philippinen kennen keine Regeln bzw. wollen keine Regeln kennen. Genauso wie beim Einsteigen im Bus gedrängelt wird, so wird auch auf der Straße gedrängelt. Reißverschluss fahren oder gar andere rein lassen sind Fremdwörter. Überholmanöver insbesondere von Busfahrern grenzen an Suizidmissionen, wobei dem Fahrer die Verantwortung für seine Passagiere nicht bewusst zu sein scheint. Wir haben gegenwärtig eine neue Firma mit Vans hier auf Mindanao, die „kriminell“ bis zum Exzess fahren.

Dazu kommt mangelnde Instandhaltung und die Abwesenheit von Kontrollen insbesondere da, wo die Sicherheit des Fahrzeugs betroffen ist. Man schaut nach korrekten Nummernschildern bei LTO Kontrollen und gelegentlich überprüft man die Helmpflicht, wobei es etliche Motorradfahrer gibt, die sich den Helm auf den Arm hängen statt ihn zu tragen.

Aber sollten wir nun anlässlich eines (einiger) sehr schlimmen Unfalls plötzlich „Deutsche Regeln“ einführen? Die Regeln existieren bereits! Nur werden sie eben nicht implementiert beziehungsweise ernst genommen. Eine TÜV ähnliche Einrichtung wäre sowieso für die „Katz“, da man sich eben die Plakette dann „erwerben“ würde, so wie das vielfach bei den Abgasuntersuchungen geschieht. Man würde nur der Korruption Tür und Tor öffnen in einem neuen Bereich.

Anlässlich der über alles doch erstaunlich niedrigen Unfallstatistik – insbesondere wenn man das in Relation zur Fahrweise und zur Instandhaltung setzt – glaube ich nicht, dass mehr Regeln irgendetwas ändern würden.

Wer defensiv und konzentriert fährt, sollte im allgemeinen keine Probleme bekommen.

AquaticSport.de

Ping

Wenn du es nicht verhindern kannst, genieße es.

 

 

Unfälle werden immer wieder passieren, immer und überall. Leider! Heute Morgen fuhr ich auf dem Weg zur Arbeit eine lange schmale Straße, wie jeden morgen. Mir kam ein anderes Auto entgegen. An der schmalsten Stelle fuhren wir aneinander vorbei. Warum gerade hier an der schmalsten Stelle? Warum nicht 100m vorher oder nachher? Warum bin ich nicht langsamer gefahren?

Jeder der mit Fahrzeugen am öffentlichen Verkehr teilnimmt hat dafür zu sorgen, dass das Fahrzeug in einem technisch einwandfreien Zustand ist. Punkt! Egal ob Fahrrad oder LKW.

Meiner Meinung nach hat das mit Freiheit nichts zu tun. Sobald man sich in die Öffentlichkeit begibt, lebt man in einer Gemeinschaft. Und da sollte man schon Rücksicht auf andere nehmen, und das Gleiche natürlich von anderen erwarten können. Nur so ist es möglich halbwegs Gesund den Tag zu verbringen.

Apropos Gesund: Stell dir vor du fährst gerade mit dem Automobil und erleidest einen Herzinfarkt? Vor einigen Jahren ist das einem Kollegen passiert. Sein Fahrzeug verließ den Kreisverkehr fuhr über eine Wiese gegen eine Hauswand. Er hat den Herzinfarkt nicht überlebt. Sonst ist nichts weiter passiert. Aber was wäre z.B auf einer Autobahn passiert?

Regel und Vorschriften helfen das Problem einzudämmen. Und Kontrollen sind notwendig um sein Fahrzeug oder auch nur das eigene Denken auf Vordermann zu bringen.

Kein Bereich ist in Deutschland durch Gesetze und Richtlinien so überregelt wie der Straßenverkehr. Und trotzdem passieren Unfälle. Aber jedes Jahr weniger Schlimme. Immerhin. Die Zahl der Verkehrstoten hat in den letzten Dekaden immer weiter abgenommen. Auch durch passive Sicherheit, wie z.B. den Airbag.

Übrigens, ich bin für ein Generelles Tempolimit! Des Weiteren sollten in jedem Fahrzeug ein
Fahrtenschreiber installiert sein der unter anderem auch die Geschwindigkeit der letzten
Minute aufzeichnet. Dann können die Gemeinden auf ihre Zusatzeinnahmen verzichten zu Gunsten der Sicherheit.

Solch ein System an Regeln, Vorschriften und Kontrollen zu implementieren benötigt natürlich einiges an Zeit. Nur dadurch, dass man immer wieder daran erinnert wird, kann es auch wirken. Also ein fortwährender Lernprozess, ein Wachhalten quasi. Wenn ich mir morgens den Wecker nicht stelle verschlafen ich; nicht immer aber schon manchmal. Also erinnern hilft schon.

Cruzer

Wenn Freiheit irgendeine Bedeutung hat, dann die, den Leuten das sagen zu dürfen, was sie nicht hören wollen.

 

 

Dieses Thema darf nicht behandelt werden, ohne zuerst einmal den Preis der philippinischen Freiheiten zu benennen. Die Statistik über Verkehrstote für das Jahr 2010 spricht nämlich eine eindeutige Sprache:
Deutschland = 4,5 pro 100.000 Einwohner, total 3.657 Personen bei 558 zugelassenen Kfz pro 1.000 Einwohner; Philippinen = 20,0 pro 100.000 Einwohner, total 18.802 Personen bei nur 31 zugelassenen Kfz pro 1.000 Einwohner;

Damit dürfte sich die Fragestellung für die meisten unserer deutschen Landsleute wohl erledigt haben. Der idealtypische Deutsche zieht Sicherheit immer der Freiheit vor. Bei jeder Gelegenheit von Atomkraft über Internet, Kondomen und Lebensmitteln bis hin zur Feuerfestigkeit von Feinrippunterwäsche wird nach Papa Staat gerufen, der uns doch bitte vor den Gefahren des Lebens schützen möge.

So hat sich im Laufe der Zeit in Deutschland eine Unkultur der Bevormundung entwickelt: rauchen Sie nicht, trinken Sie nicht, essen Sie nicht Dieses oder Jenes, schwimmen Sie nicht zu weit raus, kaufen Sie kein Feuerwerk, machen Sie keine Bankgeschäfte im Internet… es ließe sich endlos fortsetzen. Zynischerweise verbietet der Staat aber den Verkauf von Zigaretten und Feuerwerk nicht, was ja nur konsequent wäre. Nein, verdienen und Steuern kassieren möchte man schon noch.

Kabarettreif wird die Sache, wenn sich die Industrie dann gegen ihre eigenen Konsumenten absichert. Wenn ich als erwachsener Mann z.B. lesen muss, dass der Kaffee heiß und daher potentiell gefährlich ist, dass ich keinen Hamster in meine Mikrowelle stecken soll, oder der Schnuller für das Baby nicht zum Aufessen gedacht ist. Ich warte auf die Nachricht, dass jemand gestorben ist, weil er eine Wachskerze gegessen hat, denn es stand ja nicht explizit auf der Verpackung, dass diese zum Verzehr ungeeignet ist. Das Anzünden einer Kerze ist allerdings auch gefährlich, man könnte sich schließlich dabei verbrennen. Kein Wunder also, dass Feuerzeuge mit Kindersicherung nun EU weit Pflicht werden. An einer Wachskerze mit Kindersicherung arbeiten unsere EU-Bürokraten wohl noch.

Das alles ist leider nicht witzig, sondern langfristig gesehen sogar gefährlich und greift dank TÜV auch auf den Philippinen um sich. Menschen gewöhnen sich nämlich an diese Dauerbevormundung. Bleibt die Warnung dann einmal aus oder die Sicherheitstechnik versagt, geht es sogleich schief, weil der eigene Verstand jahrelang eingeschläfert wurde. Der Mensch wurde also seiner Aufmerksamkeit und Eigenverantwortung systematisch beraubt. Zudem ist es nicht originäre Aufgabe des Staates, jeden Dummbeutel vor sich selbst zu schützen. Wenn jemand meint, er braucht keinen Motorradhelm – so what? Im Falle eines Unfalls schadet er nur sich selbst.

Mir persönlich ist selbstbestimmtes Handeln jedenfalls wichtiger, als eine vom Staat diktierte Sicherheit, die am Ende doch eine Illusion bleibt. Ein altes russisches Sprichwort sagt: Der Ängstliche stirbt schon zu Lebzeiten tausend Tode.

Edit:
Mit diesem Beitrag verabschiede ich mich in meinen Jahresurlaub und danke allen Lesern bis hier für ihre freundliche Aufmerksamkeit.

dkb.de

GC

 
 

 
 
Die Probleme mit den philippinischen Autos, seien es LKW, PKW oder Jeepneys, sind ja hinreichend bekannt. Ich für meinen Teil halte mich immer an die Straßenverkehrsordnung.

Auch das Problem, wenn ein Ausländer in den Unfall verwickelt ist, entstehen in Folge der nicht vorgeschriebenen Versicherung, die Probleme. Habe während meines Aufenthalts dort schon einiges erlebt, z.B. dass mit Motorrädern weiter gefahren wird, die in Unfälle verwickelt waren und nicht mehr fahrtüchtig waren. Viele Fahrzeuge fahren auch mit einer Zulassung aus dem letzten Jahr.

Doch es ändert sich was. Die Kontrollen kommen mir häufiger vor als früher. Bin dieses Jahr schon in zwei Kontrollen geraten, da wurde auf die Lizenz und die Registrierung geachtet. Also ganz so lax ist es meines Erachtens nicht mehr, die Regierung tut schon was. Das finde ich gut, weil ich nicht an der nächsten Ampel von einem LKW mit kaputten Bremsen überrollt werden möchte.

Ich wäre auch für eine Pflicht-Versicherung beim Kauf eines Motorrads. Das würde bei einem Unfall auch den „Kohledruck“ von Foreignern nehmen, die bei einem Unfall generell immer die Dummen sind. Es könnte auch für die Philippinos von Vorteil sein, weil dann einer für die Schäden haften würde. So gibt es bei keiner Versicherung Geld.

Ich finde, dass das bisschen Einschränkung niemand weh tun würde. Ich könnte keinen Foreigner verstehen, der sowas für schlecht hält. Alles andere ist auch wie russisches Roulette. Viel zu gefährlich. Ich lebe gern, und das möchte ich noch sehr lange tun. Deswegen ist eine Pflichtversicherung bestimmt nicht verkehrt. Beim Mietwagen ist doch auch immer eine Versicherung mit dabei, oder?

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Stevaro

http://www.stevaro.de

Wer das Leben schiebt, dem enteilt es. (Seneca)

 

Die Freiheit im deutschen Straßenverkehr ist in §1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) geregelt: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ Wenn sich daran jeder hält, bedarf es keiner weiteren Regelungen. Das wäre 100% Freiheit. Aber das bleibt leider Theorie!

Aus Deutschland höre ich oft viele Stimmen, die meinen dass es relativ wenige Unfalltote auf den Philippinen gäbe. Doch bei kaum existierender glaubwürdiger Unfallstatistik fehlt für diese Aussage die Grundlage. So gesehen bleibt nur das subjektive Empfinden. Und das ist nach meiner Beobachtung oft von dem geprägt, was man sehen möchte.

Die Statistik der Unfalltoten in Deutschland besagt, laut Wikipedia in den alten Bundesländern (2000 incl. neue Bundesländer) folgendes:
1960 14.406
1970 19.193
1980 13.041
1985 8.400
1990 7.906
2000 7.503
Deutlich erkennbar ist dabei, dass die Unfalltoten bis in die 70er zunahmen und seit diesem Zeitpunkt kontinuierlich abnahmen. Mit der Zunahme geht einher, dass der Fahrzeugbestand zunahm. Doch wie sehen die persönlich empfundenen Unfallzahlen aus? Meine Erinnerung lässt sich etwa bis 1970 abrufen. Und im Zeitraum von 1970-1980 gab es jede Menge Unfälle und Unfalltote in der direkten Umgebung. Klassen- bzw. Schulkameraden, Freunde und Nachbarn, die in schlimme Unfälle verwickelt wurden. In den Jahren 1980-1990 waren diese erheblich seltener und im darauf folgenden Jahrzehnt, zum Glück auf wenige Einzelfälle beschränkt.

Im Vergleich dazu die Philippinen von heute, aus dem Blickwinkel der persönlichen unmittelbaren Umgebung: Schulkameraden unserer Kinder, die tödlich verunglücken. Eltern und andere Familienteile, die bei Unfällen den Tod fanden und das in einer leider sehr hohen Frequenz. Mein subjektiver Eindruck liegt hier im Bereich der 70er-Jahre in Deutschland, allerdings bei einer deutlich geringeren „km-Leistung“ pro Kopf. In Deutschland werden diese Zahlen mit exorbitantem Aufwand ständig reduziert, damit man ohne Limit „rasen“ kann. Der Hintergrund liegt in der deutschen Automobilindustrie und ihren Zulieferern, die einen gigantischer Anteil an Arbeitskräften stellt. Mit Freiheit hat dies jedoch rein gar nichts zu tun.

Doch wie schafft man dies? Einerseits mit stets aufwendigerer Technik bei den Autos, welche natürlich die Fahrzeuge auch permanent verteuert. Aber auch mit einem extrem teuren Ausbau der Verkehrswege und Verkehrsvorschriften, die mit teilweise sehr empfindlichen Bussen umgesetzt werden. Dies, übertragen auf die Philippinen, bedeutet: die meisten Menschen werden wirtschaftlich immer derart unter Druck stehen, dass es illusorisch wäre zu glauben, dass die Fahrzeuge jemals (unter westlichen Maßstäben) verkehrstüchtig sein werden. Auch die Sicherheit der Straßen wird sich kaum wesentlich verändern. Da aber die Einsicht beim Volk und der Regierung für Sicherheit fehlen und gleichzeitig das Empfinden für Rücksicht (im Sinne westlicher Auslegung) nicht existieren, wird sich diese Frage nur hypothetisch stellen.

Viel wahrscheinlicher halte ich das diese Woche beschriebene Szenario einer Überlebenden der letztjährigen Busentführung, die berichtete, dass die offiziellen Kräfte kaum als professionell zu bezeichnen waren, der Krankenwagen weder Geräte noch Verbandsmaterial an Bord hatte und schließlich das Krankenhaus, die Aufnahme der Verletzten verweigerte. Dies ist eine tourismusfeindliche Umgebung, wie auch die Sicherheit im Straßenverkehr zeigt. Das wird viel eher die Konsequenz sein: Reisewarnung ganzer Länder für die Philippinen und das nicht wegen des Terrorismus, sondern wegen mangelndem Sicherheitsverständnis.

„Welcome to da Billibins!“

Auswandern - Den Kulturschock überwinden

Ludwig

 
 

 
 
Schon in D konnte ich nicht nachvollziehen, dass Deutschland das einzige Land weltweit sein soll, auf dessen Autobahnen man unbeschränkt schnell fahren darf, auch wenn man das nur noch auf sehr ausgesuchten Strecken zu sehr ausgesuchten Zeiten kann!

Auch dass immer unter dem Gütesieger der „Freiheit“ und auch unter der Erkenntnis, dass sich die Zahl der Unfalltoten bei Geschwindigkeiten über 130 enorm erhöht!

Hier auf den Philippinen wundere ich mich eher darüber, dass so relativ wenig passiert wenn ich mir das Geschehen auf den Straßen so anschaue: Die Menschen, die ohne Sicherung auf den Lastwagen sitzen – oft in großen Mengen – der schlechte, ungepflegte Zustand der Wagen und der Sicherheitstechnik wie z.B. Bremsen und Reifen, bei einem überwiegend katastrophalen Zustand der Straßen und letztendlich einer Mentalität des Fahrens, die dem Schnelleren, Stärkeren, Brutaleren jegliches Vorrecht sichert – vor dem Hintergrund einer „Machokultur“ und des oft ungehemmten Rauschmittelkonsums; Alkohol, Pillen – die ganze Palette!

Das alles schreit doch nach Regeln, Verordnungen, Überprüfungen und Kontrollen von Mensch und Technik!

Ein Freiheitsrecht ginge dadurch nicht verloren – weder in D noch hier auf den Phils – aber eine Menge menschliches Leid bliebe vielen erspart; dort wie hier!