Vizconde Massaker: „Weltweit schlechteste Aufklärung“

1. Juli 2011 – Ein Privatdetektiv aus Australien zweifelt an der neuen NBI-Untersuchung (National Bureau of Investigation) der 20-jährigen Vizconde Morde. Christian P.W. Faust beschreibt sie als die „Schlimmsten in der Welt“ und „voller Vorurteile“.

„Sie haben es versäumt, physische Beweise zu nehmen und folglich nicht an die erste Grundregel solch einer Untersuchung gehalten, nämlich die Suche nach der Wahrheit.“ sagte er. Faust sagte dem STAR (Zeitungsname) gestern, er bezweifle die NBI Untersuchung, die darauf hindeutete, dass Hubert Webb und andere die verurteilt wurden, aber im Dezember letzten Jahres freigesprochen wurden, die wahren Schuldigen seien.

Faust hat über 30 Jahre Erfahrung bei der Untersuchung bekannter Verbrechen weltweit. Zuvor hatte er seine eigene Untersuchung des Massakers eingeleitet. Im vergangenen April legte er seinen Bericht dem Justizministerium (DOJ) vor, das die Aussage einer philippinischen Einwanderin in Australien enthielt, genannt „Ms. X“, die behauptete, dass ihr Ex-Mann und seine Freunde die zu einem Drogen-Syndikat gehörten, in die Morde verwickelt waren.

„Das NBI hat NIE eine Anfrage in Bezug auf die Identität dieser Ms. X in Australien gestellt! Die neu genannten Zeugen, die als Einzelpersonen bezeichnet werden, bringen ein ungerechtfertigtes Ende der Untersuchungen.“ sagte er. Anfangs hatte Faust die Täter nicht genannt, von denen er glaubte, die Täter des Massakers sein zu können.

Allerdings, wie er später verriet: „In meiner Untersuchung, tauchen diese Namen immer wieder auf – Michael Gatchalian (einer der zuvor bestraften Angeklagten, die vom Supreme Court frei gesprochen wurden), Joey Filart (ein weiterer Verdächtiger, der auf freiem Fuß blieb), Lilet Sy (Nachbar der Opfer und Freund des Angeklagten) und ein neuer Name.“

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Er hörte mit seinen Untersuchung auf, nach dem erfuhr, dass die NBI „Ermittlungen“ gegen ihn selbst anstellte. Wie die STAR erfuhr, konfrontierten NBI Ermittler den Australier mit einer verdeckten Ermittlung, in einem Café im vergangenen April. Ein Beamter, der nur unter der Wahrung der Anonymität aussagte, sagte Faust wurde in ihre Zentrale „eingeladen“ und man sagte ihm „Halte Dich raus oder Du verlierst Dein Geschäft hier und wirst abgeschoben!“

Ein Ermittler gab sich als potenzieller Zeuge vor dem Treffen mit Faust aus, der Begleiter aus dem Justizministerium (DOJ) hatte. Doch anstelle eines Zeugen, kamen NBI Ermittler zu dem Treffpunkt und entführten Faust in ihr Büro in der Taft Avenue, Manila. „Es ist meine Meinung, dass das NBI mehr daran interessiert war, zu versuchen mich einzuschüchtern, als die Wahrheit zu ermitteln.“ sagte Faust. „Und wer weiß ihren Grund dafür?“

In seinem 11-seitigen Bericht an das DOJ, bestritt Faust den etablierten Glauben, dass Estrellita Vizconde und die Töchter Carmela und Jennifer in ihrem Haus in Parañaque am 29. Juni 1991 zwischen dem späten Abend und den frühen Morgenstunden des nächsten Tages, getötet wurden. Faust kam zu seiner Schlussfolgerung auf Grund von Fotografien des Tatorts, wonach die Morde nicht in der Nacht stattfinden konnten.

Faust sagte, er traf Lauro Vizconde und den ehemaligen Polizisten Gerardo Biong, der wegen der Manipulation von Beweismaterial während der polizeilichen Ermittlungen verurteilt wurde, aber durch den Supreme Court ebenfalls im Dezember vergangenen Jahres freigesprochen wurde.

Faust glaubt, dass die Aussage eines Zeugen der Polizei, der als „Dang“ genannt wird, im Einklang mit der von Frau X steht. „Dang“ hatte auch Gatchalian und Miguel Rodriguez unter den Verdächtigen benannt. Funde durch die ‚Criminal Investigation and Detection Group‘ führten zu anderen Verdächtigen: Dong Villadolid und seinem Bruder Bing.

Justizministerin Leila de Lima glaubt jedoch ‚Dong Villadolid‘ sei die gleiche Person wie ‚Dong Ventura‘, einer der Mitangeklagten, die nach dem Massaker in die USA flohen. Ein weiterer Beschuldigter, Joey Filart, floh auch in die USA. De Lima sagte, sie könnten auch weiterhin Filart und Ventura suchen, genauso wie die Villadolid Brüder, da die Verjährungsfrist des Mordes von vor 20 Jahren für sie nicht gelten, da sie im Ausland seien.

BI: Hold Departure

Das ‚Bureau of Immigration‘ (BI) lässt nicht zu, dass Hubert Webb das Land verlässt. Tonette Mangrobang, Rechtsanwältin und Sprecherin des BI sagte, dass die Überprüfung ihrer Aufzeichnungen zeigte, dass sich der 42-jährige Webb noch immer unter denen befindet, für die eine generelle Ausreiseverweigerung (Hold Departure Order – HDO) gelte.

Mangrobang sagte, diese wurde vor 16 Jahren für Webb in die HDO-Liste des BI platziert. „Wir überprüften unsere Liste und er hat eine aktive HDO.“ sagte sie. Mangrobang sagte, es sei der damalige NBI Direktor Antonio Aragon gewesen, der angeblich am 19. Juni 1995 forderte, Webb in die BI Liste der Personen aufzunehmen, die das Land nicht verlassen dürfen.

Mangrobang sagte weiter, die Rechtsabteilung des BI hat keine offizielle Anfrage über eine Aufhebung des Eintrags erhalten. Die BI kann selbst keine Löschung von Webbs Namen auf der HDO Liste vornehmen, da eine andere staatliche Stelle ihr den Antrag gab, seinen Namen in die Liste aufzunehmen, fügte sie hinzu. Trotz des SC Freispruchs für Webb, kann das BI seinen Namen nur dann löschen, wenn es eine offizielle Anfrage dazu erhalte, sagte Mangrobang.

Das NBI

Das NBI verfolgt Spuren, die zur Verhaftung der Villadolid Brüder führen sollen. In einer SMS an den STAR sagte NBI Direktor Magtanggol Gatdula: „Wir ermitteln noch immer die wahre Identität der Villadolids und noch immer kommen Zeugenaussagen, welche die Aussage von Dang untermauern.“ In einer anderen Text-Nachricht an den STAR sagte Gatdula, sie konnten dem so genannten „Australischen Blickwinkel“ nicht folgen, auf Grund von „Unschlüssigkeiten des Themas wegen des aufenthaltsrechtlichen Status.“

Mehrere andere Zeugen, die auch den Lügendetektor-Test bestanden, bestätigten jedoch die Aussage des neuen Zeugen. Das NBI verweigerte jedoch eine Benennung der sechs neuen Zeugen gegen Hubert Webb. Der Rechtsanwalt Romulo Asis, Leiter der ‚Death Investigation Division‘ (DID), erzählte Reportern, die Identität wird geheim gehalten, um sie vor Schaden zu bewahren.

Allerdings entlarvt eine Quelle aus Behauptungen der Webbs, dass die NBI über „nicht existierende Menschen“ reden würde. Die ‚Inter-Agency Task Force Vizconde‘ habe die Namen, Adressen und andere Umstände zu den sechs neuen Zeugen, fügte die Quelle hinzu. Ein Sprecher der NBI, Cecilio Zamora sagte, die NBI stehe durch ihre Erkenntnisse im Vizconde Massaker vor einer Wiederaufnahme der Untersuchung.“

Zamoras Aussage war die Reaktion auf Aussagen der Webb-Familie, dass die NBI und De Lima falsch lagen in ihren Ergebnissen, dass Hubert Webb in den Philippinen war, als am 30. Juni 1991 das Massaker geschah. „Wenn das ihre Meinung ist, dann respektieren wir das.“ sagte er.

Die Regierungspolitik

De Lima verneinte Anschuldigungen, dass sie Wahlwerbung betreibe und die Rechtsstaatlichkeit untergrabe, durch den Rückschluss das DOJ würde deshalb die Untersuchungen in den Vizconde Morden wiederaufnehmen. In einer Erklärung sagte De Lima, die Vorwürfe gegen sie seien „ungerechtfertigt und schädlich.“

„Ich kann jede Kritik oder Verfahren über ein Berufsverbot ertragen, das gegen mich wegen der Überprüfung der Vizconde Massaker vorgebracht wird.“ sagte sie. De Lima sagte, die neue Untersuchung war eine legitime Ausübung, die Wahrheit aufzudecken und andere Individuen vor Gericht zu bringen, die für das Massaker verantwortlich sind, aber noch nicht in die Zuständigkeit der Strafjustiz gebracht wurden.

De Lima versicherte der Webb Familie, das DOJ würde Huberts Freispruch durch den Obersten Gerichtshof nicht außer Acht lassen, insbesondere im Hinblick auf die Regelung der doppelten Strafverfolgung. De Lima sagte, dass sie den anderen Beschuldigten nachgingen, die noch immer auf freiem Fuß seien.

Präsident Aquino unterstützte gestern die Ermittlungen der neuen Untersuchung. Er sagte Reportern in einem Interview, dass De Lima die Funktion habe an den Enden der Gerechtigkeit zu dienen und das sei es, wo die Beweise hinzeigten. „Es gibt mindestens zwei, die noch nie in Gewahrsam unserer Gerichte waren. So weit es diese beiden betrifft, wenn es Beweise gibt und wir sie ergreifen, dann können sie vor Gericht gestellt werden.“

Quelle:http://www.philstar.com/Article.aspx?articleId=701503&publicationSubCategoryId=63