Kontrovers: Kirche und Moral …

Welche gesellschaftliche Aufgabe bleibt der Kirche, nachdem sie ihre Moral-Kompetenz verlor?

Nicht einmal 3 Monate liegt es zurück, da McDonalds diesen Werbeclip zurück ziehen musste:

 

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=p-Njqzj8b-o[/youtube]

 

Damals stand dazu zu lesen: „Katholische Kirchenführer hatten sich darüber beschwert und dazu aufgerufen, den Werbespot zurückzuziehen, da er die falsche Botschaft an Kinder schicke. Bischof Deogracias Yniguez, ein führendes Mitglied der katholischen Bischofskonferenz, äußerte Bedenken, dass auf sehr kleine Kinder abgestimmt, ein solches Erwachsenen-Thema platziert werde. ‚Wir sollten sehr sensibel sein und die Kultur und die Werte unseres Landes anerkennen.‘ sagte Yniguez.“

Nur 3 Monate später, nämlich heute, wäre dies undenkbar, nachdem eben diese Kirchenführer zugeben mussten, nicht nur Schmiergeld genommen zu haben, sondern auch die ehemalige Präsidentin Arroyo direkt um Geschenke in Form von Autos angebettelt zu haben …

Kommen jetzt endlich die Geschichten um die Vergehen im Umgang mit Kindern, Maids und anderer Verfehlungen an die Oberfläche, so wie es weltweit mit diesen verklemmten Zölibat-Verehrern passierte? Wird die politisch sehr fragliche Vergangenheit, wie es auch im Nachkriegs-Deutschland passierte, publik?

Egal was noch kommt, die Frage wird sein:
Welche Funktion kann eine solche Kirche noch glaubwürdig ausüben?

Jean d’Arc

Liberté, égalité, fraternité

 

 

Vermutlich hat die Kirche mit dieser Aktion selbst den eigenen Untergang eingeläutet. Auch wenn er überfällig ist, so wird er seine Zeit brauchen. Denn das katholische Klientel auf den Philippinen, zeichnete sich bislang, in meiner Beobachtung, als eine bedingungslos obrigkeitsgläubige Gefolgschaft aus. „Hinterfragung der Hirten? Als Schaf ist es mir verboten dies zu tun!“

Den Maßstab „Moral“ habe ich in der Form wie er in Europa existiert, in den Philippinen bislang nicht wahrgenommen. Aber auch die philippinische katholische Kirche ist mit den europäischen Kirchen kaum vergleichbar. Sie ist traditionell inkonsequent, unmoralisch und korrupt. Klar gibt es davon auch ansatzweise in Europa solche Verhaltensmuster. Dennoch sind mir diese extrem widersprüchlichen Verhaltensweisen wie Okkultismus, tolerierter Ehebruch, extremer Aberglaube, Animismus und Ahnenkulte nirgends in diesem sowieso explosiven Gemisch mit dem Christentum, außer in den Philippinen begegnet. Als die Spanier hier das Christentum einführen wollten, werden sie sich sehr schnell die Zähne daran ausgebissen und resigniert haben. Vermutlich aber waren sie klug genug, dass sie schnell erkannten, die Filipinos lieber ihre Traditionen pflegen zu lassen, als auf diese Einnahmequelle zu verzichten. Was daraus entstand war eine extrem, in ihrem Ansatz bereits, verlogene Kirche! Ein weiterhin existenter klerikaler Kolonialismus war die Folge.

Doch heute weht der Kirche eiskalt der Wind ins Gesicht, trotz der weltweit größten Schafherde (gemessen am prozentualen Marktanteil). Da leidet das Land unter der nie richtig akzeptierten katholischen Moral, mit Verbot der Scheidung, der Verhütung usw. Die Folge? Z.B. eine exorbitante Abtreibungsrate, die Frauen bestraft, aber nicht die Problemverursacher. Oder Ehen und Familien zerfallen lässt und die Menschen zerstört! Oder die Frauen bestraft für den Ehebruch, den beteiligten Männern aber applaudiert! Nein, meine Herren vom Zölibat, jeder Eurer Fehltritte MUSS gefeiert und applaudiert werden. Eure Zeit läuft ab.

Der Moralwächter war die Kirche also ohnehin noch nie. Auch die permanente Einmischung in die Politik kommt aus nicht nachvollziehbaren Motiven und je länger die Kirche den Anspruch einfordert, desto schneller geht sie ihrem eigenen Zerfall entgegen. Doch wo hat die Kirche noch eine Existenzberechtigung, außer bei Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen – obwohl es viele Gesellschaften gibt, die auch ganz gut ohne auskommen? Vielleicht in den Bereichen, die der Staat und die Gesellschaft nicht abdecken, nämlich im Schutz der schwächsten Mitglieder und Strukturen.

Doch Wo ist die Kirche wenn es um Behinderte geht oder um den Schutz der Kinder vor der Prostituierung durch ihre Eltern? Auch wenn in den Philippinen die Gesellschaftsstruktur eine andere ist, warum hilft die Kirche den vielen durch soziale Probleme in den Freitod getriebenen nicht? Warum bietet sie kein Programm an das Drogensüchtigen beim Ausstieg hilft? Warum überlässt sie die Fremdarbeiter einem Staat, der nur das Interesse an deren Ausbeutung zeigt? Dies wären auf die Schnelle ein paar Ansatzpunkte, wo die Kirche zurück zu ihrer ureigensten Aufgabe finden könnte …

Ob ich glaube, was ich schreibe? – Ja!
Aber nicht, dass die philippinische katholische Kirche das umsetzt!
Schließlich „ist und bleibt der Papst katholisch!“

dkb.de

Ping

Wenn du es nicht verhindern kannst, genieße es.

 

 

Die Rolle der Kirche im Wandel der Zeit, speziell im Wandel ‚meiner‘ Zeit. Auch bei diesem Thema geht es mal wieder um Macht. Meine ersten Berührungspunkte mit dieser Institution liegt weit zurück. Meine Oma ist öfter mit mir als Kind zu Kirche gegangen. Und wir haben auch zu Hause gebetet. Später dann im Konfirmandenunterricht hat mich das Thema nicht wirklich interessiert. Es war eine Pflichtübung. Wer oder was ist Gott? Gibt es den überhaupt?

Die katholische Kirche mit dem Zölibat ist schon so eine Sache. Mir ist zu Ohren gekommen das den Priestern bis zu fünf Kindern der Unterhalt bezahlt wird. Ob’s stimmt, ich weiß es nicht. Das Zölibat hat es übrigens nicht immer gegeben. Wahrscheinlich eine Erfindung der Männer um die Macht nicht mit den Frauen zu teilen. Die Kirche hat schon von jeher Einfluss auf die Politik genommen. Mit ihren Predigten können sie das Volk schon beeinflussen. Das fing schon bei den Kreuzzügen an. Und sie hat sich Neuem und Sinnvollem quasi bis zum Geht-Nicht-Mehr widersetzt. Siehe Galileo oder auch der Empfängnisverhütung.

Warum ist das so? Ich denke die Kirche versucht so die Menge der Christen zu erhöhen. (Und vermehret euch.) Was wurden im Namen der Kirche für Gräueltaten vollbracht? Man sollte dabei nicht übersehen das die Gräueltaten fast immer nur von Minderheiten ausgeführt werden/wurden und deshalb nicht automatisch für alle übertragbar sind. Ebenso der Islam. Hier findet eine gezielte Unterdrückung der Frauen statt. Hier hat das starke Geschlecht auch das Sagen.

Und warum sollten unsere Kirchenfürsten auch freiwillig etwas von ihrer Macht/Vormachtstellung aufgeben?
Die Religionen der Christen und des Islam sind ja gleichen Ursprungs. Geht es da etwa von Anfang an um die Machtverteilung untereinander?

Glaube. Was ist das? Jeder hier auf der Erde glaubt an etwas. Das muss nicht zwangsläufig Gott sein. Von irgendeinem Glauben kann sich keiner frei machen. Unser Leben ist geprägt von Gefühlen, Stimmungen und Geschehnissen. Wer hat nicht schon Horoskope gelesen oder von Bestimmung gesprochen?

Nach meinem Dafürhalten ist die Kirche eine Art (Massen)Psychologie. Sie sollte den Menschen bei ihren Problemen mental und helfend zur Seite stehen. Wir haben nur das eine Leben und nur diese eine Erde.

Übrigens in so mancher Kirche ist eine richtig gute Akustik.

Ludwig

 

 

 

Kirche, egal welche, sollte vor allem in ihrem Kernbereich tätig sein: Vermittlung und Festigung von Religion und Glaubensfragen; Seelsorgerische Tätigkeiten in ihrer Gemeinde und Umfeld, Unterstützung von Bedürftigen im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit, damit verbundene Tätigkeiten wie Taufen, Konfirmation und Kommunion, Sterbebegleitung und Beerdigung!

Dadurch dass öffentlich Verantwortliche, politisch Verantwortliche und auch ganz allgemein die Gesellschaft, vielen Aufgabestellungen nicht mehr in ausreichendem Masse nachkommt, war die Kirche in den letzten Jahrhunderten auch gezwungen mehr und mehr Aufgaben zu übernehmen, die nicht zu den Erstgenannten gehörten: Kinderbetreuung, schulische Teil- oder Komplettversorgung, Pflege von Kranken und Alten seien da exemplarisch zu nennen – damit wurden Kirchen auch mehr und mehr Unternehmen, Arbeitgeber, gewinnorientierte Gesellschaften, die darüber hinaus auch mehr und mehr ihren politischen Einfluss nutzten – bis dahin, dass sie bei Formulierungen für Gesetzesnovellen ein Wächteramt in Anspruch nahmen und Definitionsmacht ausübten. Das sollte auf ein erträglicheres Maß zurück geschraubt werden – eine Altherrenriege, die darüber hinaus zum Zölibat verpflichtet ist, darf keine Definitionsinstanz sein für gesellschaftliche Fragen in Partnerschaft, Ehe, Familienplanung!

Also mein Vorschlag: Back to the Roots: Kirche ist vor allem für die Religionsausübung, ein wenig zur Linderung sozialer Probleme zuständig, in Maßen Moralinstanz aber keine Definitionsinstanz für das allgemeine gesellschaftliche Leben, von dem ja auch Atheisten wie ich, betroffen sind!

Auswandern - Den Kulturschock überwinden

Kayang

http://www.phil-life.net

Sacrilegia minuta puniuntur, magna in triumphis feruntur.

 

Im heutigen Thema geht es um den „Moralverlust“ der katholischen Kirche nach den „SUV Skandalen“ sowie der Frage, was der Kirche jetzt noch an Moral verbleibt. Ich frage mich, wie man etwas verlieren kann, was man so gut wie nie hatte? Und damit beantwortet sich die Frage des heutigen Themas automatisch. Eigentlich könnte ich jetzt aufhören zu schreiben, aber würde meinen Standpunkt dann doch gerne begründen.

Begonnen hat dieser „Moralverlust“ vor fast 1700 Jahren, als die Kirche im Konzil von Nicaea entschied, dass der arianische Streit nur mit der „Keule“ gelöst werden kann und die „Konkurrenz“ einfach verbot und deren Schriften verbrannte. Nur 40 Jahre später wurde entschieden, welche Schriften „gottgefällig“ waren und welche nicht. Erstere kamen ins neue Testament und letztere galten als ketzerisch und wurden verbrannt, wobei ich mich wundere, wie das Matthäus Evangelium den Weg in das neue Testament gefunden hat, denn da gibt es wahrhaft ketzerische Aussagen. Erst im 20 Jahrhundert wurden einige der damals zerstörten Schriften wieder gefunden.

Im frühen Mittelalter war eine Moral der Kirche nicht existent, denn in allen Klöstern wurden wahre „Orgien“ gefeiert und die verschiedenen Päpste jener Zeit suchten ernsthaft nach Lösungen dieser Probleme. Deswegen wurde 1022 das Zölibat, das bis dato eine Empfehlung war, zum Dogma. Und daraus wiederum entstand die „Sünde beim Beichten“, die wiederum im 14. und 15. Jahrhundert den Päpsten Sorge machten. Denn es war üblich geworden, die Beichtenden nach allen Details der sexuellen Beziehungen zu fragen. Deshalb wurde im 16. Jahrhundert der Beichtstuhl eingeführt.

Die Inquisition zeugt selbstverständlich von den „hohen Moralvorstellungen“ der Kirche. Zudem erfand man gleichzeitig das Perpetuum Mobile der Denunziation. Man wurde damals ja nicht beschuldigt etwas getan zu haben, was gegen kirchliche Gesetze verstieß, sondern man wurde gefragt sein Gewissen zu erforschen und Verstöße zu erkennen und zu gestehen. Das war ein wahrhaft teuflisches System, denn wer nichts gestand, der wurde auf grausamste Art und Weise gefoltert! Zudem musste man andere benennen, die eben auch gegen kirchliche Gesetze verstoßen hatten. Und die Kirche schuldigte meist vermögende Menschen an und kassierte, was den Verurteilten gehörte. In den zahlreichen Autodafés wurde jeder verurteilt. Denn auch eine „Versöhnung“ war ein Urteil, da man ja nun in Armut leben musste. Das ganze gipfelte in den späteren Hexenverfolgungen. Dafür wurde sogar extra ein Buch geschrieben, der „sogenannte Hexenhammer“. Und darin stand nun ganz genau, wie der Teufel ein normales Mädchen zur Hexe machten. Ich frage mich, woher die Kirche das alles wusste?

Wissenschaften wurden unterdrückt und Galileo musste z.B. seine Lehren widerrufen. Es dauerte nicht lange, dass die Welt erkannte, dass er recht hatte, aber nicht die Kirche. Die gab erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhundert zu, dass Galileo nicht irrte. Im neunzehnten Jahrhundert kam dann endgültig die „moralische Bankrotterklärung“ der katholischen Kirche mit dem Dogma der „Unfehlbarkeit des Papstes“. Ein Mensch war auf einmal unfehlbar geworden und sein Wort Gesetz. Damit zog man dem Papst das „Mäntelchen eines Gottes“ an. Natürlich ist das alles sehr moralisch!

Was sind denn da schon ein paar Bestechungsskandale auf den Philippinen oder wen kümmern die pädophilen Exzesse so mancher Priester? Die Kirche wird es überleben wie sie bis heute alles überlebte. Erstaunlich nicht wahr? Das gibt ihr zwar keine moralische Berechtigung, aber wozu muss man bekommen, was man sich sowieso nimmt. Ob zurecht, kümmert niemanden und so werden die „Moralapostel“ weiterhin festlegen, was moralisch ist und was nicht. Denn die Kirche wird sich immer als „unschuldig“ bezeichnen, wenn wieder mal ein
„Skandal“ aufgedeckt wird.

Vielleicht sollte man eine „Gegenkirche“ gründen und diese auf Matthäus (Kap. 6, Vers 5+6) begründen, denn diesen Versen zufolge benötigt kein Mensch die Kirche um zu glauben oder zu beten.

Cruzer

Wenn Freiheit irgendeine Bedeutung hat, dann die, den Leuten das sagen zu dürfen, was sie nicht hören wollen.
 

 

Als herauskam, dass die katholische Kirche auf den Philippinen Geld und Autos vom Philippine Charity Sweepstakes Office (PCSO) angenommen hatte, befand sie sich kurzzeitig in der Defensive. Kaum eine Woche später verkündet nun der Generalsekretär der katholischen Bischofskonferenz der Philippinen (CBCP), Msgr. Juanito Figura, dass man nunmehr in die Offensive im Kampf gegen das geplante Gesetz zur Geburtenkontrolle (RH Bill) gehen will. Nachdem sieben Bischöfe vom Vorwurf der Korruption entlastet worden seien, wolle man sich nun wieder auf den Widerstand gegen dieses Gesetz konzentrieren, ließ man auf der offiziellen Webseite der CBCP verlauten.

Von Reue also keine Spur. Das betrifft ebenso die Vorgänge um den sexuellen Missbrauch von Kindern und Schutzbefohlenen, die es ja nicht nur auf den Philippinen sondern ebenso in USA, England und Deutschland gegeben hat. Nach ein paar halbherzigen Entschuldigungen lautet die Devise also: Weiter so!

Ob die katholische Kirche auf den Philippinen oder im Rest der Welt relevant an Glaubwürdigkeit verliert, entscheiden allerdings nicht ihre Gegner, sondern ihre Anhänger. Der deutsch-französische Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour, der in seiner Jugend das Jesuitenkolleg Sankt Michael im schweizerischen Freiburg besucht hat und bekennender Katholik ist, hat in einem Fernsehinterview auf die Frage, wie er als rational denkender Mensch noch gläubig sein könne, geantwortet (Zitat): „Ich bin nicht gläubig weil es rational ist, sondern weil es irrational ist.“

Man kann davon ausgehen, dass das bei der überwiegenden Mehrzahl der Gläubigen, egal welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören, der Fall ist. Dagegen kommt mit verstandesgemäßer Logik niemand an. Es ist, als regte man sich über schlechtes Wetter auf – sinnlos. Die Führer der katholische Kirche wissen das ganz genau.