„Willing Willie“ regt Debatte übers TV an

14. April 2011 – Der schnell sprechende „Comedian“ Willie Revillame ist eine der beliebtesten TV-Persönlichkeiten in den Philippinen mit einer Legion von armen Fans, die sich danach sehnen, die dicken Bündel von Bargeld in die Hände zu bekommen, die er an die Zuschauer verteilt. Aber viele Kritiker sagen, der 50-Jährige Star stelle alles was in dieser Branche falsch gemacht wird dar, wie sie sagen, gefördert von seit Jahren anspruchsloser Unterhaltung und Toilettenhumor.

Produzenten des Kanals TV5 zogen diese Woche die Reissleine zu Revillame’s „Willing Willie“, die unter einem Aufruhr über einen weinenden sechs Jahre alten Jungen, den der Moderator zu einer Simulation eine Stripteasetanzes für 10.000 Pesos (ca. 160 Euro) überredete. Der Vorfall vom März hat eine hitzige Debatte über die Standards des philippinischen Fernsehens ausgelöst, mit einigen Aufrufen für ein Ende der Show, welche Arme ausbeutete und die moralischen Werte der konservativen katholischen Nation, erniedrigten.

„Lokale TV-Produktionen der Filipinos seien stets, eine schmutzig Nahrung aus Müll.“ sagte der führender Film- und Fernsehkritiker Lito Zulueta. Er sagte Revillame war eine Schöpfung einer Branche, die ihren moralischen Kurs verlor, als die Sender einen intensiven Quotenkrieg begannen. „Die Fernsehleute vergaßen die Werte der Ethik und des guten Geschmacks und leisteten damit einen Beitrag zu der Oberflächlichkeit der philippinischen Popkultur.“ sagte Zulueta, ein führendes Mitglied der Manila Film Critics Association.

In Revillames Show bekommt das Studio Publikum die Möglichkeit, Bargeld, Autos, Häuser und andere Preise durch tanzen und andere Handlungen auf der Bühne zu gewinnen, aber auch indem sie ihre Probleme mit Armut und anderen Nöten erzählen. Einem Drittel der Einwohner des Landes von 94 Millionen, die von einem Dollar oder weniger pro Tag leben müssen, erscheinen Revillame’s Preise wie goldene Tickets für ein besseres Leben, während seine Show den TV-Zuschauern eine vorübergehende Flucht aus ihren Strapazen bietet.

Ein Highlight der Verzweiflung der Armen war, als 78 Fans bei einer Massenpanik im Jahr 2006 getötet wurden, als sie für Revillames frühere Show eines anderen Senders, Schlange standen. Zulueta und andere Kritiker sagten, Revillame war nicht der einzige Lieferant von schlechtem Geschmack, sondern andere Reality-Shows zeigten, dass Gier und offene Feindseligkeit unter den Teilnehmern gefördert würden.

Mittlerweile seien spärlich bekleidete Frauen, die auf der Bühne herum wirbeln und mit Game-Show-Moderatoren flirten, nichts außergewöhnliches mehr im Prime-Time-TV, während sinnlose Handlungen in Seifenopern meist aus Südkorea und mexikanischen Telenovelas dutzendweise kopiert würden. Tagsüber haben Kinder Zugang zu Comedy-Shows mit heftigen sexuellen Anspielungen, in einem Land wo Sexualerziehung in den Schulen nach wie vor umstritten ist.

Eine Seifenoper die vor kurzem für einen Sender abgeschlossen wurde, sei im Stile eines Soft-Pornos der 80er-Ära gedreht, in dem ein 14-jähriges Mädchen in ein sexuelles Abenteuer mit zwei Männern gerät, was zur ungewollten Schwangerschaft führt. Eine weitere aktuell ausgestrahlte Talkshow, erlaubt Hausfrauen und Mätressen oder verfeindeten Nachbarn eine direkte Konfrontation, die häufig zu Beschimpfungen und Schlägereien, Ausreißen der Haare und anderen bösen Begegnungen live im Fernsehen führt.

Inhalte dieser Art würde man eher im Westen vermuten, aber sind viel mehr in den Philippinen anzutreffen, wo etwa 80 Prozent der Bevölkerung katholisch sind und die Kirche eine mächtige moralische Instanz ausübt. Scheidung und Abtreibung bleiben in den Philippinen illegal, und konservative Abgeordnete haben wiederholt Gesetzentwürfe abgelehnt, die künstliche Verhütungsmittel fördern würden.

In einem emotional aufgeladenen Appell in dieser Woche, hat Theaterschauspielerin Monique Wilson von ihren Künstlerkollegen Unterstützung zur Steigerung der TV-Standards gefordert, indem diese ausbeuterische, anspruchslose Shows boykottieren sollten. Wilson, die die Hauptrolle in dem Musical Miss Saigon in den frühen 90er Jahren hatte, sagte man sollte annehmen, dass Fernsehen befähigt und erzieht.

„Wenn man Shows wie Willing Willie sieht – und viele andere ähnliche Shows – sie tun das Gegenteil.“ sagte sie. „Sie verdummen das Publikum. Sie entmachten es durch die Schaffung einer Bettelgesellschaft, die mit Gameshows das schnelle Geld mit Spielen versprechen. Sie halten sie abhängig von Geldgeschenken, anstatt Möglichkeiten für sie zu schaffen, dies mit Fähigkeiten zu erreichen.“

TV Veteran Nessa Valdellon schloß sich in dieser Woche dem Chor der Mainstream-Presse an, in dem sie Werbetreibende auffordert, in Shows zu investieren, die kritisches Denken hervorrufen. „Es ist nicht nur ein frommer Wunsch. Ich glaube, das Pinoy Publikum ist ein denkendes Publikum.“

Dennoch glauben viele Kritiker, Revillame wird bald wieder auf Sendung sein, mit seiner Show welche derzeit nur für zwei Wochen unterbrochen wurde und der Moderator trotzig über seine Art der Unterhaltung spricht. „Das Programm zielt darauf ab, ein Ort für alle zu sein, das ihre Talente zeigt, ihre Geschichten erzählt und ihre Träume wahr werden lässt.“ sagte er in einer gemeinsamen Erklärung mit seinem Arbeitgeber.

Quelle: Canned show stirs TV debate in the Philippines
http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5gxcqHLTqVwLH2jYD2yS8aUiKHMaw?docId=CNG.72efd567239c484c0d93d81389a24871.1a1