Schulsystem 5 – Dreifaltigkeit: Schule, Kirche, Staat

Die politische Gewaltenteilung (Judikative, Exekutive, Legislative) sowie die Trennung von Kirche und Staat, sind für einen freiheitlich geprägten Menschen eine Grundvoraussetzung! Und wenn ein Kind den Buddha für „schicker“ als Jesus und Maria hält, warum sollte es dann dafür bestraft werden? Religionsfreiheit – das vermisse ich hier sehr. Das geistige Korsett der Kirche und somit der öffentlichen, aber auch vieler privater Schulen, ist schlicht zu eng! Aus einem Gespräch mit einer liberalen Lehrerin über diese Themen sagte sie mir u.a.: „Geistige Entwicklung erfordert Freiheit, die aber in den Philippinen unterdrückt wird! Wer kann, wird seine Kinder im Ausland aufwachsen lassen.“

Sie weiß wovon sie redet, denn sie erzählte mir auch den Hintergrund dazu, den ich nicht verheimlichen will. Als Protestantin bemühte sie sich nach ihrem Studium, um einen Job an mehreren öffentlichen Schulen. Sie bemerkte nach einiger Zeit, dass irgendetwas schief läuft, weshalb sie dort nämlich keine Anstellung bekam. Während die Kolleginnen mit gleicher Qualifikation schon längst einen Job hatten, wurde ihr das selbe versagt. Bis sie dahinter kam, dass es Menschen im Schulapparat gibt, die Angst davor hatten, sie könne den Kindern zu viel „antikatholische“ Erziehung zukommen lassen. Somit ging sie wieder zurück an die Uni, belegte weitere Kurse, damit sie dann einen Job an einer privaten Schule bekam.

Später heiratete sie und bekam zwei Kinder. Ihren ältesten Sohn meldete sie zunächst an einer öffentlichen Elementary School an. Als Protestanten lehnten sie und ihr Mann nicht alle Dinge des katholischen Glaubens ab, schließlich sind die Gemeinsamkeiten größer als die Unterschiede. Aber was sie beim Enrollment klarstellte und ihr persönlich wichtig war, dass sie keine Vorbereitung ihres Sohnes auf die Kommunion wünscht, da dieses nämlich üblicherweise Aufgabe der Schulen ist! Die Schule sagte dies auch der Mutter zu, bis der Sohn eines Tages nach Hause kam und mit seiner Mutter Teile des Katechismus auswendig lernen wollte. Das alarmierte die Frau, schließlich hatte sie etwas anderes vereinbart! Also ging sie am nächsten Tag in die Schule und wollte mit der Schulleitung dies besprechen. Plötzlich konnte man ihre Aufregung aber gar nicht mehr verstehen. Der Principal meinte, wenn sie denn schon Religionsfreiheit für ihr Kind wünsche, dann müsse sie selbst doch auch soviel Toleranz haben, dass ihr Kind den katholischen Katechismus auswendig lernen darf. Nachdem sie aber die „Toleranz“ des Schulsystems am eigenen Leibe mit ihren damaligen Bewerbungen erfahren hatte, als genau dieses System ihr den Job verweigerte, war für sie an dieser Stelle das Fass übergelaufen und sie meldete sofort das Kind an einer anderen privaten Schule an.

Wir haben hier in den Philippinen die Besonderheit, dass das Schulsystem und die Staatsgewalt sehr eng miteinander verknüpft sind. So hat jede Schule einen sehr großen Respekt vor der Kirche, da diese bei Unstimmigkeiten über die Schulbehörde wiederum ihren Einfluss geltend macht. Kein Lehrer wagt es deshalb sich mit der Schulleitung anzulegen. Wer riskiert denn seine persönliche Karriere wegen der Kirche? Und der Schulleiter wird ebenso sich zurück halten, riskiert er doch die neuerliche Zulassung seiner Schule, wenn er sich mit der Kirche anlegt. Die Kirche nutzt diese Instanz, um ihren Einfluss und Macht auf die Kinder und ihre Eltern auszuüben. Damit hat man ein sehr sensibles Kontrollinstrument für das ganze Gesellschaftssystem.

Selbst in guten Privatschulen, wo es den Eltern freigestellt wird, ihre Kinder von dem Religionsunterricht zu befreien, sind die Lehrer das aber noch lange nicht! Ein Beispiel dafür: Nach dem Massaker in Mindanao mit mindestens 57 Toten, dem Ausrufen des Ausnahmezustands, der Erweiterung auf das Kriegsrecht im November bzw. Dezember 2009, habe ich meine Kinder gefragt, ob sie das denn nicht in der Schule diskutieren würden.

„Aber klar doch!“ meinte mein Ältester. Seine Klassenkameraden meinten „einstimmig, dass die ein Rad ab hätten“.

„Und was meinen Deine Lehrer dazu?“ will ich von ihm wissen.

„Öh – nix!“

Ich gebe ihm den Auftrag nochmals zu fragen, aber das Ergebnis ändert sich nicht, da sich die Lehrer nicht trauen ein aktuelles, politisches Thema dieser Gewichtsklasse aufzugreifen. Obwohl die Meinung dazu im Volk nahezu einstimmig ist, bekommt keiner der Lehrer den Mund dazu auf! Irgendwie wurde ich früher in der Schule anders erzogen. Wir hatten Lehrer, die von uns forderten „Hinterfrage alles kritisch und wenn jemand etwas von Dir fordert, dann frage ihn warum?“ Da gab es in der Schule im Fach „Gemeinschaftskunde“ heiße Diskussionen. Nicht nur wir Schüler lehnten uns bei den Themen der damaligen Zeit, wie dem Ost-West-Konflikt, der RAF, dem Olympiaboykott, dem Beinahe-Einmarsch der Russen in Polen, der Nazi-Vergangenheit Deutschlands oder den Ansichten des Papstes, weit aus dem Fenster! Nein auch unsere Lehrer mischten kräftig dabei mit. Wir fragten unsere Lehrer und diskutierten mit ihnen. Und ich erinnere mich auch daran, dass es kein Tabu war, eine andere Meinung als der Lehrer zu haben.


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Doch was passiert hier? Wer kein Duckmäuser ist, wiegelt nur das Volk auf und begibt sich und andere damit in Gefahr? Also Klappe halten, nicht denken, nicht fragen, nicht kritisieren. Es gibt Wichtigeres wie z.B. den Katechismus auswendig lernen und Hymne trällern … Eine andere Lehrerin bestätigte mir dieses: „die Public School funktioniert noch immer im Verständnis, welches die Spanier hier anlieferten. Das Lesen wird erlernt um den Katechismus auswendig zu lernen. Das reicht, mehr muss nicht sein!“ Immer nur soweit laut denken, dass es nicht gefährlich werden kann! Deshalb sind an der Public School das Wichtigste das Morgengebet, die Hymne, die Flagge und die Bibel! An manchen privaten Schulen haben die zwar ähnliche Zeremonien, aber es wird als ein Ritual verstanden. Somit können sich Chinesen, Koreaner oder Filipinos so weit gewünscht und möglich, davon ausklinken ohne schief angesehen zu werden oder gar Nachteile zu erfahren.

Der Unterricht an öffentlichen Schulen wird „abgewickelt“, aber die Inhalte nicht gelehrt! Die Kontrolle des Verständnisses bei den Schülern ist den Lehrern leider egal! Beispiel dafür: Unsere Adotivtochter war in der Elementary School recht gut, weshalb sie dann ab und zu Klassenarbeiten zur Korrektur von der Lehrerin mit nach Hause bekam! Der Principal der Schule kümmert sich kaum um das Geschehen, obwohl er derjenige wäre, der den Einfluss hat. Aber, wenn er beginnt den Kindern etwas beibringen lassen zu wollen, wird er damit automatisch wieder Probleme von der Kirche, bzw. deren politischem Arm bekommen.

 

Mein Fazit zur Public School:

Schüler, die aus dem System der öffentlichen Schulen nicht heraus kommen, werden künftig nur sehr geringe Chancen am Arbeitsmarkt haben. Wenn man dann zusätzlich weiß, dass die Bevölkerungsexplosion die Bedingungen dramatisch verschärfen wird, dann würde ich allmählich unruhig schlafen, wenn meine Kinder noch in die öffentliche Schule gingen …

Ein wenig Mut in diese Richtung macht mir derzeit der aktuelle Präsident Aquino! Denn er steht einerseits für die Bekämpfung der Korruption und des alten verfilzten Systems, stellt sich der Kritik an seiner Politik und macht einen offeneren Eindruck als seine Vorgänger. Auch geht er Themen an, die bislang tabu waren: so steht gerade er für die Familienplanung und fordert damit die Kirche heraus. Neue Wege? Die Hoffnung stirbt zuletzt!

 

Alle bisherigen Artikel: Das Schulsystem

Schulsystem 1 – Die Leistungsklassen
Schulsystem 2 – Academic Grading System & Scholarship
Schulsystem 3 – Die Wahrheit
Schulsystem 4 – Character Building
Schulsystem 5 – Dreifaltigkeit: Schule, Kirche, Staat