Schulsystem 3 – Die Wahrheit

Kürzlich kam unsere Adoptivtochter von der Schule zurück und legte spontan los: „Papa, in der Schule wollte ich heute die nächste Prüfung bezahlen. Da haben wir ja noch eine ‚Balance‘ von mehr als 6.000 Pesos offen?“

„Ich habe keine Ahnung. Das macht die Mama, die kommt aber erst später nach Hause.“ antwortete ich ihr.

Aber sie war heute so leicht nicht zu „verscheuchen“, denn da war wohl mehr dahinter, wie sich gleich zeigen sollte!

Also fuhr sie fort: „Die wollten nur 1.900 Pesos, die ich auch bezahlt habe und der Rest ist ‚Scholarship‘!“

„Wow, ich bin begeistert! Wenn uns Deine Schule jetzt weniger kostet, da Du ein Stipendium bekommst, das finde ich prima!“

Doch ehrlich gesagt verwundert mich das, denn wir sind mit ihren Leistungen nicht so wirklich zufrieden. Denn wenn wir eine Frage stellen, kommt als Ergebnis viel zu oft ein „ambot lang“ (weiß nicht) oder ein „siguro“ (vielleicht). Und da ich ohnehin die Schule unserer Adoptivtochter mit dem ganzen Schulbetrieb dahinter, bislang nicht so ganz verstanden habe, sagte ich ihr „Also wenn Mama kommt, dann erklärst Du ihr das nochmal genauer!“

„OK.“ und so ging sie erst mal weiter.

Später als meine Frau nach Hause kam, stürmte das Mädchen ihr gleich voller Stolz mit der Neuigkeit entgegen „Mama, ich habe heute Scholarship bekommen!“

Meine Frau ist noch weitaus weniger mit ihren Schulleistungen zufrieden als ich und fragte sie „Häh? Und wofür? Gehen denen die Kandidaten für die Stipendien aus?“

Dazu sollte man erwähnen, dass es erst wenige Tage zuvor die Reportcard (Zwischenzeugnis) gab, die meine Frau in der Schule abholte. Nun waren wir doch etwas erstaunt darüber, dass sich ihre Noten wiederum etwas verbesserten, obwohl sie eigentlich einen etwas „fauleren“ Eindruck während des letzten Quartals bei uns hinterlies, als im Quartal davor. Deshalb fragte meine Frau auch die Lehrerin, nach den Leistungen im Detail. Doch was sie dort zu hören bekam, wird die anderen Eltern wenig erfreuen. Denn die Eltern zahlen umgerechnet etwa 30.000 Pesos pro Schuljahr, aber die Leistungen sind derart schlecht, dass man davon ausgehen muss, dass höchstens die Hälfte der Kinder in die nächste Klasse weiter versetzt wird! Jetzt ist das zwar eine Privatschule, die auch nicht die billigste ihrer „Leistungsstufe“ darstellt, aber sind die Schule und die Lehrer denn wirklich so schlecht? Oder die Kinder zu dumm und zu faul oder lediglich die Eltern nicht aufmerksam genug?

Die Fähigkeiten und das Wissen, sind in der Klasse objektiv gesehen sehr schlecht. Denn bei einem Siebtklässler erwartet man international gesehen mehr als das 1×1 oder eine Notenaufwertung durch die „Projects“. Denn das ist die Kehrseite des Schulsystems: wer fleissig ist oder Eltern hat, die nicht immer „Fünfe mal gerade sein lassen“ und dann die Kinder motivieren, sich z.B. an Gruppenarbeiten oder „Bastelprojekten“ zu beteiligen, kann seine Bewertungen deutlich optisch verbessern. Aber was sagt das außer besseren Noten, über die tatsächlichen Fähigkeiten und Kenntnisse aus? Nichts! So habe ich bemerkt, dass Rechenmethoden zwar gelernt werden, aber mangels weiterer permanenter Übungen viel zu schnell in Vergessenheit geraten. Selbst geographische Kenntnisse über die philippinischen Provinzen oder das historische Wissen über den philippinischen Nationalhelden Rizal, sind bei unserem Jüngsten mehr und nachhaltiger präsent, als bei unserer Adoptivtochter, die 4 Klassen Vorsprung haben sollte. Ein Umstand der uns sehr bedenklich stimmt. Denn wir gehen davon aus, dass sich unsere Kinder in wenigen Jahren international messen lassen müssen, wo ein rauherer Wind bläst. Und dann beginnt das große Verwundern über die Nichtanerkennung der Ausbildung! Je nachdem für welches College es dann reichte …

Übrigens das Neueste: Heute kam sie nach Hause und überbringt uns die Kunde, dass ihre Klassenkameradin (14 Jahre alt) schwanger sei. Klasse, dafür reichten die Kenntnisse wohl gerade noch aus, obwohl da einen ganzen Tag lang ein paar „Tanten“, eine Art „Sexualkunde-Unterricht“ verabreichten … Auf unsere Nachfrage, was denn bei ihr hängen geblieben sei, kam als Antwort, dass die Mädchen sich vor den erwachsenen Männern (wie Onkels, älteren Brüdern, dem Vater, Nachbarn, usw.) in Acht nehmen sollten. Da fällt einem ja gar nichts mehr ein! Und von wegen 16 jährigen Boyfriends die den Mädchen den größten Schmuss an den Hals sabbern geht keine Gefahr aus? Na Prost, Mahlzeit! Aber das wird eine eigene Geschichte … meine Güte, is mir grad schlecht …


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Doch schauen wir mal hinter die Kulissen. Die Kinder waren zuvor praktisch alle an öffentlichen Elementary Schools, bevor sie an diese private Highschool kamen. Plötzlich müssen die Eltern vergleichsweise viel Geld bezahlen und erwarten dann, dass die Zahlung der Schulgebühren alleine schon für gute Noten ausreicht! Das war in der Krisensitzung ganz deutlich zum Ausdruck gekommen. Ob die Kinder was lernen oder kennen? Egal – Hauptsache gute Noten, schließlich haben die Eltern das doch bezahlt! Das Verständnis der Eltern für Bildung – ein Totalausfall! Da verwundert es wenig, dass die Kinder hochnäsige Rotznasen sind, deren Kenntnisse und Fähigkeiten kaum über das 1×1 raus kommen! Die Eltern haben kaum Geld, um die Schule zu bezahlen und die Kinder werfen mit dem Geld aber um sich, als würde es auf Bäumen nachwachsen. So erklärt sich dann auch, wie der Einäugige unter den Blinden zum König wird! Sprich jemand zum Scholarship kommt. Denn sollten die eigenen Leistungen nicht reichen, gibt es jede Menge Gruppenarbeiten die ebenso genutzt werden können und viele Fleißarbeiten wie die „Projects“ als Maßnahme zur Notenverbesserung! Und wenn das noch immer nicht reicht, dann kann man noch extra Punkte für allgemeine Dienste ergattern, wie Aufräumen oder Saubermachen … Auf die weiteren Entwicklungen warten wir sehr gespannt.

Doch wie war es zuvor in der Public Elementary School? Ich erinnere mich sehr wohl an den Tag im letzten Jahr, als das Kind sein Zwischenzeugnis erhielt und ich mir dieses zum ersten Mal intensiv anschaute! Ich erstarre noch immer vor Entsetzen, wenn ich daran denke …

 

Alle bisherigen Artikel: Das Schulsystem

Schulsystem 1 – Die Leistungsklassen
Schulsystem 2 – Academic Grading System & Scholarship
Schulsystem 3 – Die Wahrheit
Schulsystem 4 – Character Building
Schulsystem 5 – Dreifaltigkeit: Schule, Kirche, Staat