Schulsystem 1 – Die Leistungsklassen

Zur besseren Orientierung, möchte ich heute anhand von aktuellen Beispielen, das Schulsystem erklären. Vorab: in den Philippinen gibt es weder Gymnasium, Realschule noch Hauptschule. Mit sechs Jahren werden die Kinder zunächst in die Grundschule eingeschult, die hier „Elementary School“ heißt. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es nach vier Jahren Grundschule die erste richtungweisende Entscheidung fürs Leben gibt (Gymnasium, Real- oder Hauptschule) und die Weichen vielleicht schon falsch gestellt werden, dauert die Elementary School sechs Jahre. Danach gibt es nicht die Festlegung auf einen bestimmten Typ der weiterführenden Schule. Denn es gibt nur einen einzigen Typ – nämlich die „Highschool“, welche verbindlich für alle Kinder vier Jahre lang dauert. Wer jetzt glaubt das war’s schon in Sachen Entscheidung der irrt jedoch. Denn in welche Highschool man sein Kind schickt, entscheidet über die Zukunft des Kindes, denn „gleich“ ist auch hier oft „gleicher“ oder „extra gleich“! Nach der Highschool müssen die Heranwachsenden nämlich einen Beruf erlernen an einem College oder der University. Und aus Deutschland wissen wir ja auch, dass der Abiturient z.B. aus Bayern manchmal Vorteile dem gegenüber aus Bremen hat.

Betrachten wir mal das philippinische Schulsystem in Abhängigkeit vom jeweiligen Schulträger. Denn es gibt öffentliche und fast kostenfreie Schulen, die etwas flapsig formuliert nur ein Ziel verfolgen, nämlich dass die Kinder den Katechismus der Kirche lesen und auswendig lernen können. Mathe gibt’s dort auch, aber trotzdem reicht das kaum zu mehr aus, als einen Taschenrechner bedienen zu können. Kritisch zu fragen oder gar an den Vorgaben der Obrigkeit Kritik zu üben lernt man da nicht, wozu auch!

Alternativ dazu gibt es viele Privatschulen, die Gebühren erheben von jährlich ca. 15.000 PHP bis zu ca. 250.000 PHP pro Schüler. Manche nennen sich „International School“, um entsprechend höhere Gebühren rechtfertigen zu können. Denn auf den zweiten Blick wird man erkennen, dass „Internationale Schule“ nirgends definiert ist. Wer sicher gehen will, dass seine Kinder im Falle eines Standortwechsels auf halbwegs „internationalem Niveau“ ausgebildet wurden und deren Ausbildung in anderen Ländern anerkannt wird, der wird sich preislich auf eher 250.000 PHP pro Jahr einstellen müssen, als auf die 15.000 PHP. Es gibt sogar Schulen die sich regelmässig international zertifizieren lassen (z.B. von Universitäten aus den USA oder Großbritannien). Dafür muss man dann teilweise sogar nochmal ein extra Bündel Geldscheine drauflegen, vor allem dann wenn der Untericht z.B. in deutscher Sprache stattfinden muss.

Schauen wir uns aber mal an, wie denn die gehobenere philippinische Gesellschaftsschicht ihre Kinder ausbildet. Unser Adoptivkind hatte gute Noten in der öffentlichen Schule und so wagten wir den Schritt in die Privatschule, welche auch inhaltlich „mehr“ vermitteln soll. Nun gab es aber mit der Zahlungsmoral vieler Eltern ein massives Problem, dass man zum nächsten Schuljahr eine Erhöhung der Gebühren ankündigte und gleichzeitig zu einer Krisensitzung die Eltern einlud. Um das ganze Preisgefüge besser zu verstehen, will ich mal alle mir bekannten Kosten und Zahlungsziele hier aufschlüsseln.

Zahlung Zweck Gebühr
Schulbeginn Bücher 4.145,50 PHP
Schulbeginn Uniform 1.410,00 PHP
Schulbeginn ID Karte 150,00 PHP
Schulbeginn Sonstige Gebühren 335,00 PHP
monatlich Schulgebühr 

(wird monatlich bezahlt, ca. 2.300 PHP)

diese setzt sich so zusammen:

Tuition Fee 14.767,97 PHP

Lab Fee 2.315,00 PHP

Misc. Fee 4.165,00 PHP

21.247,97 PHP
verteilt Projects 1.500,00 PHP
einmalig Field Trip 600,00 PHP
Gesamte Summe 29.388,47 PHP

Also in Summe fallen für ein Kind rund 30.000 PHP und Jahr an. Bei Anmeldung des Kindes müssen dann zunächst ca. 6.500 PHP für die Grundausstattung (Bücher, Uniform, Downpayment) bezahlt werden, dann monatlich (9x 2.300 PHP = 20.700 PHP) und der Rest verteilt sich. Das Problem was sich aber in vielen philippinischen Familien abzeichnet ist, dass nach der Zahlung des Starts und der ersten paar Monate das Geld ausgeht. Die Argumentation ist dann immer sehr ähnlich: Eltern leben getrennt, müssen Anullment noch bezahlen, keine Arbeit, Oma schwer krank, Papa verstorben, usw. Man kennt ja die Argumentation – vielleicht sollte ich mal ein neues Buch daürber schreiben, witzig wäre es allemal …

Die Schulleitung kennt das aber auch! Und die sagte den Eltern klipp und klar: das ist nicht unser Problem, sondern Eures – nämlich das Problem der Eltern! Man hilft denen sogar noch mit einem Schnellkurs in Mathematik für Anfänger: also Miete zusammen rechnen, tägliche Kosten addieren und dann die 2.300 Pesos für die Schule dazu. Wenn dann die Summe höher ist als die Einnahmen, tja dann wird das Nix mit Ausbildung der Kinder und genauso wenig mit der Altersversorgung! Als schweigender Ausländer fiel mir, dank Offenheit und Deutlichkeit der Schulleitung, fast der Kinnladen auf den Boden! Doch man setzt noch einen drauf: „Wenn Sie sich zuerst eigene Schuhe und Kleidung kaufen, das Geld beim Kartenspielen verzocken oder sich andere Annehmlichkeiten gönnen, dann zerstören Sie die Zukunft Ihrer Kinder!“ Schweigen im Karton und Irritation an der Front! Da war jemand aber sehr unter Druck!


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Nun sieht das aus wie ein Volltreffer der Schulleitung, ist in Wirklichkeit aber nur ein temporärer Befreiungsschlag. Denn die Schule hat nämlich doch ein Problem: hatte sie im letzten Jahr noch 16.000 PHP an Schulgebühr erhoben, musste sie wegen der zahlreichen Zahlungsausfälle für dieses Jahr die oben erwähnten rund 21.000 PHP erheben. Doch das reicht nun doch nicht und man kündigte an, für das nächste Jahr bereits 25.000 PHP verlangen zu müssen. Sind das bereits Auswirkungen einer stärkeren Inflation, einer philippinischen Arbeitsmarktkrise oder doch nur einer „chronischen Krankheit der philippinischen Kultur“? Wie auch immer, wir wissen dass wir die Schule für unser Adoptivkind wechseln werden. Nicht wegen der Preiserhöhung, sondern da wir sonst gegen Windmühlen mit der Erziehung kämpfen. Denn alles was man dem Kind versucht an Werten zu vermitteln, wird in der Schule durch die Mitschüler zunichte gemacht. Also einen positiven Effekt hatte das Meeting allemal: wir sahen die Eltern der Kinder, die mit unserem Kind die Schulbank drücken …

Achso, eines wollte ich natürlich nicht verheimlichen: die Schulleitung wies darauf hin, dass wenn die Schüler fleißig sind und was im Kopf hätten, sie ja durchaus ein Stipendium erhalten! Absurd?

Nein, so realistisch wie das Amen in der Kirche!

 

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Schulsystem 1 – Die Leistungsklassen
Schulsystem 2 – Academic Grading System & Scholarship
Schulsystem 3 – Die Wahrheit
Schulsystem 4 – Character Building
Schulsystem 5 – Dreifaltigkeit: Schule, Kirche, Staat