Der Basketballstar 2

Doch ich fragte mich, wie lange denn diese philippinischen Musterhandwerker wohl brauchten, bis sie wieder erholt seien? Vorweg, am ersten Tag hatten die anscheinend alle mindestens eine harte Nacht unmittelbar davor und als sie sich dann entschlossen, gegen 4 Uhr am Nachmittag die letzte Runde zu spielen, war absehbar: bei dem harten Tag heute, müssen die sich zu hause oder auf dem Heimweg bei irgendeiner einer Zweit- oder Drittfrau oder zumindest an einer Tanduay-Tankstelle erholen. Da die harte und anstrengende Arbeit gleich zu Beginn des Tages stattfand und man sich, wie man obiger Beschreibung entnehmen kann, gar nicht mehr davon erholte, entschlossen sich die Jungs am Folgetag, ihren Arbeitstag nicht mit Arbeit, sondern gleich mit dem Kartenspiel zu beginnen. Irgendwie ja auch logisch: denn die Arbeit läuft einem bestimmt nicht davon, die Zeit fürs Zocken aber sehr wohl!

Doch wer glaubt, dass die nach einer halben Stunde sich vom Kartenspiel mit Arbeit erholen müssten, irrt sich. Denn der zweite Tag war in Sachen Arbeit, ein Totalausfall! Die Folgetage waren eine Wiederholung einer komplizierteren Kombination aus den ersten beiden Tagen, ergänzt um Schlafpausen – ein Trauerspiel! Ich fragte mich: Wieso

kontrolliert die denn keiner? Zumindest derjenige, welcher die Handwerker bezahlt, sollte doch soviel Interesse haben, was daraus wird. Wer weiß, vielleicht hat er ja auch einen Festpreis ausgemacht, was zumindest in manchen Regionen der Welt die Arbeiter schwitzen lässt, aber zu gefüllter Geldbörse führt. Aber wirkliche Sorgen machte ich mir darum nicht – ist ja nicht mein Geld! Apropos Geld: da die Jungs generell immer um Geld spielen, wurde es dann spannend, wenn dem ersten Spieler die Kohle ausging. Doch wir leben ja in den Philippinen: „Utang“ (Kredit) – heißt das Zauberwort. Davon hat fast jeder Pinoy reichlich und viele sogar im Überfluss! Aber wehe, der kommt wirklich in Fluss! So pflegt eben jeder seinen Besitz, auch wenn der mit Vornamen „Utang“ heißt! Naja wenn dann mal die Rückzahlung hängen bleibt, dann gibt es schon mal Knatsch … Zum Glück blieben die Messer aber stecken.

Nun einige Wochen später waren die Handwerker irgendwie fertig oder sagen wir mal, sie hatten ihre ohnehin kaum wahrnehmbare Arbeit eingestellt. Jedenfalls stellten sie das Kartenspiel ein. Aufgrund der Effizienz der Wunderhandwerker, die vergleichbar einem Lesewettbewerb von Analphabeten wirkte, sah man von den Leistungen der Truppe nicht viel. Doch der Vermieter drängte nun wohl und wollte sein Haus endlich an den Mann bringen! Er ging wohl davon aus, dass wenn jemand ein Haus für 55.000 Pesos mietet, der dann sowieso noch bestimmte Änderungswünsche hätte. Dann reichte es wohl auch aus, die Handwerker nochmal zu schicken und alles zur Zufriedenheit des nächsten Mieters erledigen zu lassen. Jedenfalls begann aus dem Nichts heraus, plötzlich eine Besucherfrequentierung, die einer öffentlichen Veranstaltung ähnelte. Wohl im Stundentakt kamen diverse Makler mit Interessenten zur Besichtigung. Da aber keiner von denen einen Schlüssel dabei hatte, wozu auch – schließlich gibt es doch Zugang über unser Anwesen (!), befürchtete ich, dass irgendein Besucher mal an unserem Auto ungeschickt hängen bleibt. Denn nicht alle mit einem Monatsbudget von 55.000 Pesos für die Miete, sind einerseits so schlank und andererseits so gelenkig wie die philippinischen Handwerker!

So kamen denn auch die tollsten Figuren zur Besichtigung: Makler die alles nur kein Untergewicht haben, Koreanerinnen auf Stelzen – äh hochhackigen Stöckelschuhen, Amerikaner die wohl für „The biggest Looser“ trainierten, usw. Da gibt es nur eines: Auto in Sicherheit bringen und hoffen, dass der Vermieter eine bessere Figur beim Vermieten abgibt, als seine Makler beim Besichtigen. Nach zwei Wochen reißt plötzlich der Besucherstrom ab und versiegt, … wo auch immer! Hat er einen Mieter gefunden, welcher war es denn? Fragen über Fragen! So hilft nur eines: eine „Dorfzeitung“ organisieren oder auf philippinisch: den Tsismiz (Tratsch, Gerüchte) befragen. Doch niemand weiß genaues nicht! Und so befürchten wir schon, dass alles beim alten bleibt und irgendwann sich die ganze Prozedur wiederholen wird.

Tja und dann sehen wir wieder ein paar Wochen später, den Hausverwalter des Nachbarn mit einigen lang gewachsenen Menschen durchs Loch der Trennwand steigen. Sie schauen intensiv das Haus von außen, von innen, von der Straße und das ganze nochmals unter viel Gestikulieren an. Doch irgendwann sind sie alle weg. Am nächsten Tag kommen sie alle wieder und bringen noch mehr Leute mit! Lautstark unterhalten sie sich, wo man einen Grillstand hin bauen will, wo der Hund untergebracht wird oder wo welche Pflanzen hinkommen sollen. Die Lautstärke der Unterhaltung war auffällig, zumindest wenn man bereits eine Weile hier lebt …

(Fortsetzung folgt)