Der Basketballstar 4

Aber da kam nichts mehr. Neue Erkenntnisse für mich? Mal sehen … Jedenfalls führt der lautstarke Sohn, mit seiner kräftigen Stimme das Kommando. Er lässt den Boy eine Sitzbank zusammen bauen, direkt an der Trennwand zu unserem Anwesen und somit direkt unter unserem Schlafzimmer. Knapp daneben lässt er ihn einen Grill hin bauen. Und dann herrscht verdächtige Ruhe – die Ruhe vor dem Sturm? Das Wochenende naht, es ist Freitag. Kurz nach Sonnenuntergang, wir sehen seine Party-Beleuchtung: aha da will sicher einer Einweihungsparty feiern! Und im Laufe des Abends kommen immer mehr Gäste, es wird immer lauter und gegen 3 Uhr morgens, nachdem Gesang, Gejohle und Besäufnis auf der Nachbarschaft, einen Schlaf bei mir bislang erfolgreich verhindert hatten, denke ich mir: naja man zieht ja nicht täglich in ein neues Haus ein! Also immer locker und tolerant bleiben …

Am nächsten Tag komme ich an deren Haus vorbei, als ich einen Spaziergang starte. Ich sage mir: Freundlichkeit und Worte sind der Beginn einer Völkerverständigung. Ich will mich schließlich doch integrieren! Also grüße ich ganz freundlich unsere neuen Nachbarn, die sich darauf hin alle von mir wortlos weg drehen, noch bevor ich einen Halbsatz nach schieben kann. Bis auf den Boy, der zurück grüßt. Da er aber die Reaktion der anderen erst jetzt bemerkt, schleicht er schnell ins Haus um weiteres Unheil für sich zu

vermeiden. Ich denke mir noch: naja ihr seid ja schon komische Heilige, aber was solls! Als ich später zurück komme, sitzen sie wieder alle vorm Haus. Als sie mich sehen, starten sie mit einer sinnlosen Geschäftigkeit. Es scheint, als hätten die alle just in dem Moment einen göttlichen Befehl erhalten und wuseln vor sich hin. Aber immer in einer Körperstellung, die mir lediglich deren Hinterteil zeigt! Dennoch bereitet mir deren Reaktion so was wie eine Herausforderung und ich nehme in Sachen „Begrüßung“ noch einen Anlauf. Nun nicht dass mich deren Reaktion darauf jetzt besonders überrascht hätte, dennoch verbuchen muss man es doch irgendwie … Das Ergebnis war eine neue Dimension des Ignorierens!

Na vielleicht waren sie einfach an einem schlechten Tag von mir überrumpelt worden oder sonst wie schlecht drauf. Was solls – locker bleiben! Also am Sonntag sehe ich von meinem Balkon aus, wie unser Nachbar einen riesigen Dobermann spazieren führt. Das ist doch die Chance, als er mich auf dem Balkon sieht, grüße ich ihn und frage ihn wegen des Alters seines Dobermanns. Aber da er mich erneut ignoriert weiß ich, dass ich mir weitere naive Versuche einer Konversation, ersparen kann. OK, dann eben nicht! Noch am selben Tag sehen wir, wie man von innen die Fenster, welche in unserer Richtung stehen, zuhängt. Auch kein Problem denke ich mir, ist ja Eure Dunkelheit …

Als dann abends wieder eine Party steigt, bemerke ich dass meine Toleranzschwelle bereits sinkt. Denn als um 1 Uhr, nachdem abends der ganze Grillrauch in unser Schlafzimmer zog, noch immer gefeiert wurde, obwohl Montags ein Arbeitstag und somit Schultag ist, ich mich hören sage: „wenigstens unter der Woche wäre es schön, wenn unsere Kinder schlafen könnten.“ Dennoch versuche ich mich in nachbarschaftlicher Toleranz, da ich eigentlich froh bin, nicht mehr unter europäischen Kleingeistern wohnen zu müssen, zumindest zeitweise. Natürlich gibt es hier auch Kleingeister, sogar Deutsche mit Hang zu Reklamationen und Undankbarkeit, die doch allen Ernstes sich für die Experten in Sachen Beurteilung anderer halten und glauben denen den Stempel „typisch deutsch“ aufdrücken zu müssen. Aber zwingen kann man mich ja nicht, mit diesen verkappten Alkoholikern zusammen zu sitzen! Doch das wäre eine andere Geschichte. Da bin ich doch froh in Valdez einen philippinischen Nachbarn zu haben, zumindest derzeit noch …

Im Laufe des nächsten Tages kommt Valdez Sohn mit einem kleinen Affen zurück. Dieser hat so was wie eine Leine, die man ihm um die Taille schnürte! Seine Kinder wollen sofort mit dem Tier spielen, solch einem „kuscheligen Äffchen“ das auch noch an der Leine ist … ach wie süß! Allerdings machten die die Rechnung ohne den Affen, denn als die Erwachsenen weg schauen, zieht der Affe ein Kind an den Haaren. Es schreit erbärmlich und so folgt des Affen Strafe sofort: zurück in den Käfig, wo er sich praktisch nicht bewegen kann. Man gestikuliert und schimpft mit dem Äffchen. Dass das arme Tier mit einer Leine gefangen gehalten wird und in einem Käfig weg gesperrt ist, empfindet von denen keiner als Fehler und als Tierquälerei schon gar nicht!

(Fortsetzung folgt)