Der Basketballstar 3

Denn in den Philippinen schreien sich die meisten Leute nicht über größere Distanzen ihre Aussagen zu, wie man es z.B. von westlichen Ländern her kennt. Man winkt den Gegenüber dezent her oder geht zu ihm hin, um sich in normalem und ruhigen Tonfall zu unterhalten. Diese Leute taten das aber nicht! Dennoch wer wird denn gleich als Europäer jemanden und das noch in dessen eigenem Land mit einer anderen Kultur, nur wegen seiner Stimmlage vorverurteilen?

Als die Leute sich vom Verwalter verabschiedeten, ergriff ich die Gelegenheit beim

Schopfe und fragte ihn: „Na hast Du schon einen neuen Mieter gefunden?“

Er meinte: „Ja. Hast Du ihn nicht erkannt? Das war ‚Jimmy Valdez‘ (Name geändert!), kennst Du doch oder?“

„Ist es schlimm? Aber ich kenne ihn nicht!“ antworte ich ihm.

Seine Enttäuschung über meine Bildungslücke konnte er nicht verbergen. Er dachte wohl „wie kann einer nur so blöd sein und sich dann auch noch als derart dumm outen!“

Und so meinte er gleich: „Was, den kennst Du nicht? Den kennt in den Philippinen jedes Kind! Das ist ein langjähriger Basketball Nationalspieler. Der ist eine lebende Legende!“

„Wow – das tut mir jetzt aber leid, den habe ich bislang gar nicht parat gehabt … Und der will unser Nachbar werden?“

„Ja, mein Boss ist mit dem befreundet. Valdez hat ein eigenes Anwesen, das er renovieren lässt und will deshalb solange woanders mit seiner Familie wohnen. Aber in einem halben Jahr ist das dort fertig und dann geht er wieder zurück.“

„Ach, dann wird das nur ein kurzer Aufenthalt.“

„Ja, aber keine Sorge! Das sind sehr zivilisierte Leute! Die verkehren in den besten Kreisen und benehmen sich ordentlich. Die ganze Familie hat Manieren und ist gebildet …“

Ich hatte zwar nichts gesagt, was jetzt diese Aussage von ihm gefordert hätte. Aber ich denke mal, der weiß auch dass er hier keinen „Karaoke-Plärrer“ uns vor die Tür setzen kann. Und so ergänzt er: „Mach Dir keine Sorgen, das sind sehr nette Leute mit Niveau. Als Valdez zu alt für den Sport war, versuchte er in die Politik zu gehen. Er ließ sich für einen Senatsposten aufstellen, wurde aber nicht gewählt. Aber seine Tochter ist mit einem reichen Amerikaner verheiratet und sein Sohn arbeitet als Fernsehmoderator. Und Valdez selbst hat ein Restaurant oben am Berg. Alles ganz feine Leute!“ Er schien begeistert, dem dummen Foreigner sein mangelndes Wissen updaten zu können. Nochmals sollte ich ihn also nicht enttäuschen und war etwas vorsichtiger. Nicht im Traum bekäme ich Zweifel an seinen Worten! Wozu auch …?

Und so lies ich ihn wissen „Toll, ich freue mich auf unsere neuen Nachbarn.“

In den nächsten Tagen kamen der Sohn und die Ehefrau von Valdez häufiger, um die restlichen Reparaturen sowie ihre Wünsche an die Handwerker zu beauftragen und zu kontrollieren. Die erste Amtshandlung die sie beauftragten und durchführen liessen war, das Loch in der Trennwand zu unserem Haus zu schliessen und die Wand zu verstärken! Vielleicht fällt dem Fernsehmoderator gar nicht mehr seine laute Stimme auf, aber ich vernehme dass er beim Telefonieren wenig gute Worte über seine ausländischen Nachbarn verliert … Doch ich bin mir keiner Schuld bewusst und nur dass ich kein Pinoy bin, lässt sich sowieso nicht ändern. Aber ich denke mir, Vorurteil entstehen wenn man über Leute redet, statt mit ihnen. Und ich bin mir sicher, dass wir bald eine lockere Unterhaltung führen werden, wo wir uns auf Augenhöhe unterhalten können.

Doch zuerst mal lassen sie Pflanzen umsetzen, bauen um und ändern ab … alles für ein halbes Jahr? Komisch. Auch das Team der Arbeiter wirkte wie ausgetauscht. Denn wenn die zuvor in dem Tempo gearbeitet hätten, dann hätten sie in wenigen Tagen alles erledigt gehabt. Aber das ist ja nicht mein Problem! Und dann ein paar Tage später kommt ein kleiner Lastwagen und bringt etwas Inventar von Valdez. Er selbst kommt auch mit einem älteren Auto, sein Sohn hat eines und ebenso der ‚Boy‘ (männlicher Haushelfer). Sie entladen den kleinen LKW, der eine Ladefläche so groß wie zwei Multicabs hatte – also eher klein. Der „LKW“ fährt wieder weg und der Rest der Familie und ihre Autos bleiben. Aber das kann doch unmöglich alles gewesen sein? Entweder hat von denen jeder nur 2 Unterhosen und dafür umso mehr Erinnerungen oder die haben den Rest versteckt! Doch warum sollten die noch wo anders was hinbringen, denn das Haus ist doch sehr groß? Oder ziehen die etappenweise um?

(Fortsetzung folgt)