Japan, Philippinen & die Welt

Bedingt durch die Katastrophe in Japan und ihren Folgen, vermischen sich Hoffnung und Angst in den Philippinen. So kommen aus Kreisen der Politik, teils positive Szenarien, wie aber auch negative Aussagen. Man setzt sich mit Problemen der Strahlung auseinander, genauso wie mit erhofften wirtschaftlichen Vorteilen. Da aber noch immer kein Ende des Desasters zu erkennen ist, möchte ich mich nicht an dieser Diskussion beteiligen, sondern lediglich ein paar Auszüge aus Zeitungen des Landes hier aufzeigen, als Beispiele der Stimmungen und Gedanken:

 

Mehr Japaner reisen in die Philippinen ein

17. März 2011 – Mehr Japaner sind in die Philippinen eingereist, um vor der „Strahlenkrankheit“ zu fliehen, nachdem ihre Regierung ankündigte, dass der Bereich mit erhöhter Strahlenbelastung von 30 auf 50 Meilen Radius erweitert wurde. Die ‚Immigration Airport Operations Division‘ (AOD) des Ninoy Aquino International Airport (NAIA) sagte, dass einige 1.000 Japaner im Land eintrafen, nachdem Japan von einem Tsunami getroffen wurde, der durch ein starkes Erdbeben ausgelöst wurde.

Die Japaner flüchteten vor der Bedrohung durch die Strahlenbelastung und Nahrungsmittelknappheit. „Wir erwarten mehr Japaner in den kommenden Wochen“ sagte Ynn Pelia vom AOD. Philippine Airlines hat täglich vier Flüge aus Japan, Japan Airlines hat zwei. Nippon Air und Delta Air haben ebenso jeweils zwei Flüge, wie auch Cebu Pacific.

Quelle: More Japanese arriving in Philippines

http://www.philstar.com/Article.aspx?articleId=667316&publicationSubCategoryId=68

 

Japankrise könnte Wirtschaftswachstum in 2011 beflügeln

20. März 2011 – Die philippinische Regierung wird ihre Wachstumsprognose von 7% auf 8% für dieses Jahr wegen der Katastrophe in Japan erhöhen. Japan ist einer der größten Exportmärkte und Quelle von OFW Überweisungen, die von den japanischen Entwicklungen positiv profitieren könnten. Laut der philippinischen Zentralbank, könnte die Krise in Japan allerdings zunächst erst einmal einen dämpfenden Effekt auf das eigene Wirtschaftswachstum haben, das der Nachbarländer und der ganzen Welt.

Aktuelle Regierungszahlen zeigten, dass im Januar die Philippinen 566 Mio. US$ nach Japan exportiert haben, was einem Anteil von 14% des gesamten Exports darstellt. Japan ist aber auch für viele OFWs eine zweite Heimat. Überweisungen in die Philippinen der OFWs aus Japan, beliefen sich auf 72,66 Mio. US$ im Januar. Dies entspricht fast 5% der 1,48 Milliarden US$ aller OFW-Überweisungen weltweit für diesen Monat.

Quelle: Japan crisis may curb PH growth in 2011

http://business.inquirer.net/money/topstories/view/20110320-326650/Japan-crisis-may-curb-PH-growth-in-2011

 

Der Regierung wird nahe gelegt, sich auf einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen vorzubereiten

20. März 2011 – Das Wirtschaftsministerium (DTI) und das Arbeitsministerium (DOLE) sollten sich auf steigende Arbeitslosenzahlen aufgrund der weltweiten Entwicklungen vorbereiten, forderte Senator Manuel Villar Jr. gestern. In Japan, das noch immer vom Erdbeben und dem dadurch ausgelösten Tsunami wanke, sagte er, seien eine Reihe von Unternehmen von dem katastrophalen Vorfall betroffen, einschließlich derjenigen in den Philippinen.

Villar, Vorsitzender des Senatsausschusses für Handel sagte, japanische Unternehmen haben eine starke Präsenz im Land, insbesondere in der Clark Freeport Zone in Pampanga wo 26,75% der Unternehmen von japanischen Staatsangehörigen betrieben würden. Er zitierte auch Daten aus der ‚Philippine Economic Zone Authority‘, die darauf hinwiesen, dass es mindestens 580 japanische Aktiengesellschaften gäbe, denen Anreize in den verschiedenen Wirtschaftszonen im ganzen Land helfen würden.

„Während wir weiterhin das Beste hoffen, müssen wir auch realistisch sein, was die Folgen einer traurigen und tragischen Wendung der Ereignisse in Japan betrifft.“ sagte Villar. Weiterhin zitierte er auch die anhaltenden Unruhen im Nahen Osten, wo mehrere Nationen von politischen Unruhen betroffen sind und eine erhebliche Zahl von philippinischen Arbeitern dies dort betrifft. Er sagte, im Nahen Osten, der traditionell ein Ziel für arbeitslose Filipinos zur Überseebeschäftigung sei, zeigten sich bereits Anzeichen von Schwierigkeiten und Tausende von Filipinos, welche dort arbeiten oder auf dem Weg dorthin sind, könnten davon betroffen sein.

„Heute sind wir Zeugen von den Zeichen der Rückwanderung von verschiedenen Ländern im Nahen Osten und Asien, aufgrund externer Faktoren und nicht wegen einer schnell wachsenden Wirtschaft. Wir brauchen einen konkreten Plan, um inländische Investitionen zu fördern und alternative Arbeitsplätze zu schaffen, für verdrängte und zurückkehrende Arbeiter.“ sagte Villar. Nach Villar, stieg die Arbeitslosenquote im Januar auf 7,4% mit schätzungsweise 2,9 Millionen arbeitslosen Filipinos, im Vergleich zu 2,8 Millionen im Vorjahr. „Diese Zahl enthält nicht die Arbeitslosen, die durch die Auswirkungen der verschiedenen Krisen der inländischen und ausländischen Wirtschaft betroffen sind.“ sagte er.

Villar drängte das Landwirtschaftsministerium und das DTI für ein gemeinsames Programm zusammen zu arbeiten, um Agrarbusinesses zu fördern als alternative Einnahmequelle zum Lebensunterhalt.

Bevorzugte Plätze

Die TESDA (Technical Education and Skills Development Authority; zu dt. Behörde für Technische Bildung und berufliche Qualifizierung) sagte, man gäbe bevorzugt Oversea Filipino Workers (OFWs), die in Ländern des Nahen Ostens ersetzt wurden, eine kostenfreie berufliche Qualifizierung. TESDA Generaldirektor Joel Villanueva gab gestern die Zusicherung, als er ein Memorandum ausstellte mit der Anweisung an die Regionalagenturen und deren Direktoren, Plätze für rückkehrende OFWs zu gewährleisten.

„In Anbetracht der Dringlichkeit den rückkehrenden OFWs zu helfen, insbesondere denen aus Libyen und anderen Ländern des Nahen Ostens, werden alle Direktoren und Administratoren der TESDA hiermit angewiesen, diesen Arbeitern bevorzugt die verschiedenen Ausbildungsprogramme des TTIs anzubieten.“ sagte er. Die TESDA stimmt sich zusammen mit der DOLE ab, eine Liste der an Ausbildungsförderungsprogrammen interessierten OFWs zu erstellen.

Vereinbarungen zur Arbeitsmigration

Mehrere Senatoren und Repräsentanten forderten von der Regierung, wegen der Arbeitsmigranten, Vereinbarungen mit Ländern zu treffen, damit sie gegen Ausbeutung und anderem Fehlverhalten am Arbeitsplatz besser geschützt würden.

Senator Escudero beklagte, dass die OFWs über verschiedene Probleme mit ihren Arbeitgebern im Ausland berichteten, wo sie oft auf sich alleine gestellt seien. Er sagte, die Regierung sollte eine umfassende Politik für OFWs einführen, um zu gewährleisten, dass diese sicher und geschützt seien. Zu den häufigsten Beschwerden der OFWs zählten: Gesundheits- und Sicherheitsaspekte, arbeitsrechtliche Vergehen, Nichtbezahlung von Überstunden, Vorenthaltung von Lohnabrechnungen, schlechte Unterkünfte, Unterschiede zwischen Lohnvereinbarung und Auszahlung sowie die Rückführung aus Krisengebieten.

„Es ist höchste Zeit, dass unsere Regierung erkennt, dass wir eine Politik des Arbeiter-Exports haben und die Branche von skrupellosen Personalvermittlern befreien müssen und so unsere Wanderarbeiter schützen.“ sagte Escudero. „Wir haben genügend gute Gründe, um eine Anordnung auf Regierungsebene wegen der Arbeitsmigration anzustoßen, da wir schon lange die Realität der philippinischen Wanderarbeiter in andere Länder erkannt haben. Die philippinische Regierung kann das nicht länger leugnen.“ fügte er hinzu.

Der Repräsentant Danilo Suarez sagte, die meisten der rückkehrenden OFWs aus Libyen berichteten, dass sie nur deshalb aus dem Land kamen, weil sie von ihren Arbeitgebern unterstützt wurden. Der Repräsentant Walden Bello, forderte vom Malacañang Sicherheit für die OFWs, da „Bahrain allmählich den kritischen Punkt erreiche.“ Derzeit gibt es etwa 50.000 philippinische Gastarbeiter in Bahrain.

Quelle: Government urged: Get ready for rise in number of unemployed

http://www.philstar.com/Article.aspx?articleId=667915&publicationSubCategoryId=63

 

Kommentar:

Gerade der letzte Abschnitt liest sich meines Erachtens erschreckend, als sei es ein Bericht aus der Kolonialzeit, wo Sklaven gehandelt wurden. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass rund 11 Millionen Filipinos als OFWs weltweit arbeiten, teilweise für Hungerlöhne, unter menschenunwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen, wird dies umso deutlicher.

Die Diskussion entstand vor dem Hintergrund der aktuellen Krisenherde, u.a.:
– Japan mit ca. 4.000 Filipinos, die direkt von der Katastrophe betroffen sind (von ca. 350.000 OFWs insgesamt)
– Naher Osten mit insgesamt mehr als 2 Millionen OFWs !!!
(vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Overseas_Filipino )