Der Basketballstar 1

Vor einiger Zeit wohnten wir in einer Art „Reihenhaus“, welches sich in einem abgeschlossenen Compound befand und praktisch am Ende der Anlage stand. Diese war von einer Mauer mit einem Gittertor umgeben, die sich vor den Häusern und dem gemeinsamen Innenhof befand, bewacht von einem Sicherheitsguard. Optisch ähnelten diese Häuser einer deutschen Reihenhaussiedlung, allerdings findet man in Deutschland keine 24-Stundenbewachung einer solchen Minisiedlung, warum auch immer. Das erste Nachbarhaus außerhalb der Anlage befand sich eigentlich innerhalb der Ummauerung, lag aber direkt hinter einer Wand aus Wellblech und Holzpfählen und hatte einen eigenen abgeschlossenen Eingang. Soweit zur Theorie!

Denn wie bei vielem in den Philippinen: die Praxis kennt fast immer eine weitere Variante! So war, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, diese Wand auf den zweiten Blick gar keine, sondern ein wieder verschließbares „Loch“! Damit konnte man durch diese bewegliche Abtrennung hindurch, die von den Handwerkern, welche dort arbeiteten,

absichtlich so gelockert wurde. Die Handwerker sollten das Haus renovieren und ihm wieder Glanz verleihen. Wobei es äußerlich eigentlich in Ordnung war – vom Loch in der Wand mal abgesehen! Schließlich stand es seit Monaten unbewohnt und wie man so hörte, drückten den Vermieter jetzt nicht gerade die Mietausfälle von 55.000 Pesos monatlich, aber das Geld hätte er sicher gerne gehabt. Denn es war viel größer als die anderen Häuser der Anlage, die deshalb auch preiswerter vermietet wurden.

Da die Handwerker sich aber das tägliche Abholen und Zurückbringen des Schlüssels für das Haus, vom Eigentümer ersparen wollten, öffneten sie lieber die „Trennwand“ zwischen unserem Grundstück und dem Nachbarhaus. Wen muss man dafür fragen? Falsch! – Alleine diese Fragestellung ist bereits eine philippinische Unlogik! Die richtige Antwort heißt, zumindest in den Philippinen: Niemanden oder ‚bahala na‘ (wen kümmert’s)! Es sei denn, wir hätten einen Rottweiler oder Dobermann gehabt. Wobei die Antwort dann immer noch richtig wäre, allerdings würde sich die Frage dann erübrigen!

Obwohl sich die Arbeiter täglich auf dem Weg zum Nachbarhaus mit seiner „Großbaustelle“ dafür mit ihren Materialien wie Farbeimern und Werkzeug, zwischen unserem Haus und unserem direkt davor geparkten Auto durchzwängen mussten, machte denen das natürlich nichts aus. Auch die Kratzer, die sie dabei an unserem nicht mehr neuen Auto verursachten, waren denen todsicher kein Anlass für Kopfschmerzen. Auch nicht für eine Entschuldigung – da verliert man ja sein Gesicht, sofern vorhanden. Aber meine Begeisterung war nicht allzu groß! Denn diese Betriebsamkeit fand ich dann auch nur mäßig, nein überhaupt nicht prickelnd! Und so parkte ich bewusst das Auto so, dass man nicht mehr durchkam, weder mit noch ohne Farbeimer!

Doch es dauerte nicht lange und die Geräusche aus dem Nachbarhaus signalisierten mir eindeutig „Shit happens!“ oder auf deutsch: die Handwerker haben ihr Ziel erreicht! Ich schaute ungläubig von meinem Balkon rüber und ja, ich weiß nicht wie, aber die gelenkigen, dünnen und drahtigen Burschen haben ihr Ziel ohne weitere Kratzer am Auto und ohne Schlüssel erreicht! Denn die von mir am Vorabend verschlossene Wellblechwand stand wieder offen. Naja, scheint eine hartnäckige Gewohnheit von denen zu sein und so wollte ich die Handwerker des Nachbargebäudes ja nicht behindern oder gar verärgern und verzichtete künftig auf das nutzlose Eingang versperren mit dem Auto. Schließlich hatte ich Hoffnung, je schneller die fertig würden, desto schneller verschwinden sie auch wieder … wenn ich da mal Recht behalten hätte! Denn ein Filipino hat immer eine zusätzliche Karte im nicht vorhandenen Ärmel – eben die zusätzliche Variante!

Und so fiel mir auf, dass nach einer halben Stunde „härtester Arbeitsgeräusche“ – oder war es nur eingeübte Betriebsamkeit (?), plötzlich aus dem Haus verdächtige Stille drang! Also typische Arbeit klingt irgendwie anders. Doch das klang nach … mhmm, was hört man da? Ich gehe auf unseren Balkon, um nochmals zu schauen: ja Donnerwetter! Da sitzt aber eine lustige Handwerkerrunde und feiert anscheinend schon mal Richtfest! Naja besser lustig feiern, als traurig arbeiten! Zumindest saßen sie auf dem Boden, packten ihr Essen und Trinken aus und zockten fröhlich mit den Karten. Ich dachte mir noch, wo nur müssen die armen Jungs so früh am Tag schon derart hart gearbeitet haben, um gegen halb 11 schon so hungrig und erholungsbedürftig zu sein? Doch da fiel mir ein, dass die als sie um 10 Uhr hier eintrafen noch richtig gebügelt und gestriegelt aussahen. Also doch keine Baustelle zuvor! Na gut bei sommerlichen Temperaturen, mag ja die Leistungsfähigkeit schon mal absacken. Beim einen langsamer, beim anderen schneller und bei den Handwerkern des Nachbarn sogar schon nach 30 Minuten! Aber ich muss sie ja nicht bezahlen, also egal – das macht mir bestimmt kein Kopfweh!

Was das jetzt mit Basketball oder gar einem Basketballstar zu tun hat?
Noch nichts!
Wobei die Betonung auf „noch“ liegt …

(Fortsetzung folgt)