Marcos posthum ein Held?

Gestern startete in Yahoos „Answers“ jemand eine Frage, die wie eine Bombe einschlug, denn mehr als 1.000 Antworten in 24 Stunden zeigt doch, dass mit dieser Frage ein Nerv getroffen wurde. Die Frage lautete: „Is is time for Ferdinand Marcos Sr. to be buried at Libingan ng mga Bayani?“ (Ist es an der Zeit, Marcos auf dem Heldenfriedhof der Nation zu beerdigen?) Immerhin fand Yahoo die Popularität der Frage so interessant, dass man diese in die Top-Nachrichten aufnahm!

Worum geht es genau?

Der Diktator Ferdinand Marcos verstarb am 28. September 1989 in Honolulu (Hawaii) im Exil. Seine Ehefrau Imelda (wurde u.a. bekannt für ihre tausende Exemplare umfassende Schuhsammlung) bahrte ihn seit 1993 in einem Glassarg in einem Mausoleum auf. Dieses befindet sich auf einem privaten Familiengrundstück, in dem er von der Öffentlichkeit bewundert und geehrt werden kann. Aber Imelda Marcos lässt keine Möglichkeit aus, immer wieder eine Beerdigung zu fordern, ihren Mann auf dem „National Heroes Cemetery“ in Manila zu begraben. Dort liegen alle philippinischen Präsidenten begraben, weshalb dies bislang verweigert wurde, auch da Marcos auf den Philippinen für viele das Synonym für Korruption und Mord ist (vgl. auch Meinungen der Filipinos auf ‚Answers‘). Man macht ihn für den Tod von Benigno Simeon „Ninoy“ Aquino verantwortlich, der nach seiner Rückkehr von einem USA-Aufenthalt am 21. August 1983 in Manila beim Verlassen des Flugzeuges erschossen wurde. Übrigens hatte Imelda, die Witwe Marcos, Aquino zuvor gedroht, falls er auf die Philippinen zurückkehren werde!

Und nun, nur wenige Tage nach dem Selbstmord von Angelo Tomas Reyes, der zuvor ein Kabinettsmitglied der Arroyo-Regierung und während der Estrada-Präsidentschaft Stabschef der Armee war, kam doch glatt die Aufforderung nach einem Begräbnis Marcos wieder auf den Tisch. Zuletzt brachte man Angelo Reyes mit massiven Bestechungen bzw. Schmiergeldzahlungen in Verbindung, was ihn zum Selbstmord am Grabe seiner Mutter trieb. Dennoch erhielt er ein Staatsbegräbnis auf dem Heldenfriedhof und in diesem Atemzug der Geschichte, muss man auch die neuerliche Forderung für ein Marcos-Begräbnis sehen. Doch der aktuelle Präsident Aquino, dessen Vater „Ninoy“ es war der am Flughafen erschossen wurde, hat sich dahin gehend so geäußert: „Alles was ich dazu sage, würde nur als subjektive Sichtweise gedeutet werden. Wir sollten unserem Land dies ersparen. Ich werde den Auftrag zu eine Studie erteilen.“ Ob die Familie von Marcos das anerkennen wird, bleibt abzuwarten, da Marcos Sohn Bongbong deutlichst forderte, dass sein Vater als Präsident ein Staatsbegräbnis erhalten müsse.

Hier mal ein paar Auszüge der Antworten aus Yahoo, die u.a. auch aufzeigen wie leicht sich das Volk mit Stimmungen manipulieren lässt und wie wenig manchmal Fakten zählen oder in Vergessenheit geraten. Auf alle Fälle sehr interessant und unterhaltsam:

  • „Aus meiner Sicht waren nicht alle Taten von Marcos so schlimm … lasst uns an seine Verdienste für die Wirtschaft erinnern, als wir mit Singapur und Japan gleich zogen, als eines der fortschrittlichsten Länder Asiens. Seine Familie hat genug gelitten unter der Schande und Kränkung. Und dennoch dienen sie ihren Anhängern. Vielleicht ist es an der Zeit zu vergeben und zu vergessen, was vor 20 Jahren geschah. Wenn wir Reyes vergeben, dann lasst uns Marcos genauso vergeben. Lasst uns ihn aus Respekt vor seinen Verdiensten und seinem Tod beerdigen.“
  • „Die Entscheidung die Forderung wieder zu beleben mit dem Begräbnis von Reyes war nicht die beste, aber das lässt sich nicht mehr ändern. Marcos „Sünden“ gegen unser Land gehen weit über die Unterschlagungen raus. Unser moralisches Empfinden war beschädigt, falsche Wertvorstellungen wurden kultiviert und noch immer gibt es zerstörerische Kräfte an der Macht. Es wird Generationen benötigen um den Schaden zu beheben. Solange sich seine hinterbliebene Familie nicht für seine Fehler entschuldigt, kann er nicht als ein Held angesehen werden …“
  • „Für mich ist es an der Zeit unsere Meinung über Marcos zu ändern. Er hat viel für das philippinische Volk getan. Während seiner Zeit waren wir als das reichste Land in Asien bekannt, das hat kein Präsident je mehr erreicht.“
  • „Ja, lasst seinen Leichnam auf dem Heldenfriedhof beerdigen und alle Wunden der Trennung unseres Landes und Volkes heilen.“
  • „Es wird Zeit Marcos zu beerdigen. Filipinos brauchen eine Führung, schaut wo wir jetzt sind? Keine Todesstrafe, eine grassierende Korruption, Bürokratie, Drogen, Armut, eine korrupte katholische Kirche, nenne es wie Du willst! Wir sind weit unten und fallen noch immer! Die Medien stürzten sich sensationsgierig auf Angelo Reyes Beerdigung, das war was passierte. Wir haben einen Präsidenten, der zu dumm ist zwei Schritte nach vorne zu denken. Es ist an der Zeit Marcos zu beerdigen. Es ist Zeit Arroyo zu beerdigen, lebend!“
  • „Ich denke es ist ganz gut diese Wachsfigur auf dem Heldenfriedhof zu beerdigen, solange man auf seinem Grabstein lesen kann: Hier liegt ein Mörder, Räuber und großer Tyrann.“
  • „Ist ja großartig! Wie wäre das, berüchtigte Drogenbosse zu beerdigen? Ich meine die lebendig begraben! Oder den Ampatuan Sr. wenn er stirbt?“
  • „Vergleicht Singapur und die Philippinen, was glaubt ihr wer ihre Führung während der Marcoszeit ausbildete? Recherchiert erst mal bevor ihr solch Blödsinn über Marcos behauptet! Marcos war keine Marionette der USA! Marcos wollte die Unabhängigkeit von der USA und wurde deshalb nicht mehr von ihnen unterstützt. Deshalb lies er auch ein Atomkraftwerk bauen. Ja, er war ein Held!“
  • „Ich sage, man soll ihn in einer von Imeldas Schuhschachteln beerdigen.“

Soweit ein paar philippinische Meinungen. Noch mehr dazu gibts unter http://ph.answers.yahoo.com/question/index;_ylt=Ape_RJCG5orvTf7KphUqdjp4kX1G;_ylv=3?qid=20110217004202AAQlyLx

Quellen: