Hunger, Reis & Politik

Hunger politisch betrachtet

Zum Beitrag „Aktuell: Reispreis“ habe ich folgende email erhalten, deren Inhalt ich nach Rücksprache mit dem Autor so veröffentlichen darf:

„Dass die Philippinen Reis importieren müssen, liegt eindeutig daran, dass die Regierung Tür und Tor den Firmen geöffnet hat, die wie eine Firma „XYZ“ (Name geändert) neue Reissorten mit viel Trara unter die Leute brachte. Dass man diesen Reis nur bei diesen Firmen kaufen kann, wie auch Pestizide und Fungizide versteht sich von selbst. Diese Züchtungen sind patentiert und müssen beim Hersteller gekauft werden. Was den Verkauf der Ernte betrifft so ist der nur an vorgeschriebene Aufkäufer erlaubt. Die Preise sind ebenso geregelt. De facto wurden dadurch die Reisbauern in eine Schuldenfalle getrieben und müssen sogar den Reis für ihren eigenen täglichen Bedarf kaufen. Dadurch wird immer weniger angebaut, da kein Geld für den Kauf des neuen Saatgutes vorhanden ist. Die alten Reissorten, die man nicht kaufen muss – da Allgemeigut – werden nur durch eine Minderheit verwendet. Schade, denn die sind robuster und brauchen die Chemie nicht.Da aber die Verkaufszahlen für die Zuchtreissorten seit Jahren rückläufig sind, befinden sich die Herstellerfirmen im Rückzug. Doch nun versuchen, mit Unterstützung der Regierung, Firmen die sich mit genmanipulierten Reissorten befassen, den Markt zu erobern. Die Reisbauern werden mit Krediten und Versprechungen geködert und wieder abhängig gemacht. Die anderen geben einfach auf.

Hier in der Provinz sehe ich zunehmend die Abkehr vom Reisanbau zugunsten des Gemüseanbaus. Immer mehr Reisbauern stellen unfreiwillig um. Somit werden die Philippinen in Zukunft immer mehr Reis importieren müssen und noch mehr von den damit verbundenen Gegebenheiten abhängig. Was die weitere Entwicklung betrifft, so überlasse ich dies der Phantasie des Einzelnen.“

Quelle: externer Autor

 

Noch schlimmer?

Denn Präsident Benigno Aquino hat nun angeprangert, dass philippinische Einkäufer zur Deckung des Fehlbedarfs in den vergangenen Jahren nicht nur doppelt so viel Reis von den Hauptexporteuren Thailand und Vietnam gekauft hätten als nötig gewesen wäre. Schon durch die große Nachfrage hätten sie den Preis nach oben getrieben, aber auch durch dubiose Bietermethoden. Er habe den Eindruck, sagte Aquino, dass nur „eine Person“ oder eine „Gruppe von Personen“ von diesen Importen profitiert habe. Unter Verweis auf laufende Ermittlungen nannte der Staatschef jedoch keine Namen. Philippinische Medien wiesen indes auf zehn Kooperativen als Verdächtige hin, die lediglich auf dem Papier existierten und hinter denen „nur ein Finanzier“ stehe.

Die Grundlagen für die „Reismafia“ hat Aquinos Amtsvorgängerin Gloria Arroyo gelegt, die in ihrer neunjährigen Regierungszeit immer wieder heftigen Korruptionsvorwürfen ausgesetzt war. Unter der Ägide Arroyos hatte man aufgehört, die Reisversorgung durch direkte Verträge mit anderen Regierungen sicherzustellen. Stattdessen traten die Philippinen als Bieter bei Auktionen auf. Allein im Jahr 2010 wurden zwei Millionen statt der benötigten Million Tonnen Reis zu überteuerten Preisen eingekauft. Der Überschuss landete in Lagerhäusern, wo er teilweise verrottete.

Vgl. kompletter Originalartikel:

Reis in den Händen der Mafia und
Senate probe of GMA rice imports sought (engl.)

 

Warum die Welt hungert

Passend zum Thema, auch ein interessanter Bericht zum „Welthunger“, den n-tv in seiner Online-Ausgabe (vom Freitag, 21. Januar 2011) veröffentlicht hat und den ich Euch wärmstens empfehlen kann. Habe mal die wichtigsten Aussagen hier zusammen gefasst:

Die Mitgliedsländer der UNO haben sich vor 10 Jahren verpflichtet, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren (damals 840 Mio., heute sogar über eine Milliarde). Konkret: alle 6 Sekunden verhungert 1 Kind, täglich 25.000 Menschen, das sind 9 Millionen Menschen im Jahr!

Wo ist Hunger am weitesten verbreitet?
Laut dem Welthunger-Index 2010 sind dies primär Subsahara-Afrika und Südasien.

Wie wird Hunger definiert?
Die WHO hält 2100 bis 2200 kcal täglich für ein gesundes Leben erforderlich. Das Lebensminimum liegt bei 1200 bis 1300 kcal. Unterernährt ist, wer weniger zu essen hat, als er täglich braucht, um sein Körpergewicht zu halten und dabei leichte Arbeit zu verrichten.

Was bewirkt Hunger im menschlichen Organismus?
Körperliche und geistige Aktivitäten werden zunehmend einschränkt, die Menschen werden apathisch und können sich nicht mehr konzentrieren. Der Organismus verliert seinen Schutz vor Infektionskrankheiten und leichte Erkrankungen können tödlich enden. Bei Kindern kann die kognitive und physische Entwicklung unumkehrbar beeinträchtigt werden. Die Krankheiten zeichnen sich durch eingeschränktes Knochenwachstum und Blutarmut mit entsprechender Kraftlosigkeit aus.

Was sind die Ursachen für Hunger?
Hunger ist meist die Folge einer schlechten Regierungsführung! Es wird kaum in landwirtschaftliche Entwicklungsprogramme investiert. Durch schlechte Infrastruktur verderben Lebensmittel, da sie weder zeitgerecht auf die Märkte kommen, noch sachgerecht gelagert werden.

Warum können sich die Länder nicht selbst ernähren?
3/4 der Unterernährten leben auf dem Land, wovon die meisten sogar selbst Nahrung produzieren. Sie werden Opfer der unfairen globalen Handelsbeziehungen. So müssen Auslandskredite getilgt werden, wodurch dieses Geld nicht in die soziale Grundsicherung und wirtschaftliche Entwicklung investiert werden kann. Die gleichzeitige Forderung nach einer radikalen Öffnung der Märkte bewirkt, dass Billigimporte aus der Überschussproduktion der Industrieländer die Existenzgrundlage der lokalen Bauern zerstört.

Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat Hunger?
Hunger führt zu enormen Ausgaben im Medizinsektor. Hinzu kommen die Kosten für Schwangerschaften unterernährter Frauen und deren unterernährten Kinder. Diese Kosten liegen bereits über den Weltkosten für die Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria. Die Volkswirtschaften verlieren aber auch ein gigantisches Potenzial an Produktivität (schätzungsweise 5-10% des BIP der Hungerländer). Das wären 500 Milliarden bis eine Billion US-Dollar jedes Jahr. Die Folge daraus: hungernde Gesellschaften können sich sozial nicht entwickeln!

Wie könnte Hunger wirksam bekämpft werden?
Dazu müssten Förderprogramme für Bauernfamilien aufgelegt und der Ausbau der Infrastruktur gefördert werden.

Originalartikel: Warum die Welt hungert