Gewaltspirale 4

Die Statistik

Sprachen wir bislang von der „gefühlten“ Kriminalität, also der persönlich wahrgenommenen und somit subjektiven Gewalt, so soll in dem heutigen Abschnitt Objektivität einkehren. Dazu muss man sich bewusst machen, dass es manche Statistiken gibt, deren Zustandekommen über irgendwelche Polizei-Erfassungen mit deren individuellen Interessen erfolgt. Was die wert sind, zeigt dieser Tage der Fall der Inhaftierung eines norwegischen Landsmanns, den die Polizei noch immer in Gewahrsam hält für ein Verbrechen, das er wegen eines Alibis mit offiziellem Bild und Uhrzeit nicht begangen haben kann! Welche Interessen der gestern entlassene Polizeichef hier hatte, kann nur spekuliert werden. Verwunderlich ist allerdings wenig, dass man ihm unterstellt, dass er auf Schmiergeldzahlungen aus war oder auf saubere Aufklärungsstatistiken.Aber genau das ist die Situation solcher Erhebungen, die dann besagen dass die Aufklärungsrate bei Kapitalverbrechen in den Philippinen bei 90 oder 95% liegt! Deshalb sind international vergleichbare Methoden bei der Erhebung der Zahlen erforderlich. Die UNO, bzw. deren „Büro für Drogen und Kriminalität“ führt hierbei die zuverlässigsten Vergleichszahlen, da weltweit weitestgehend mit identischen Methoden erfasst wird und das für verschiedene Kriminalitätsformen. An dieser Stelle möchte ich jedoch nur den Vergleich der Morde heran ziehen.

Die Ausgangsstatistik befindet sich hier und der Direktaufruf der Tabelle hier. Darin habe ich lediglich der Übersichtlichkeit halber, die wichtigsten Vergleichszahlen zusammen gefasst. Dabei sind die UNO- / WHO-Zahlen immer den lokalen Polizeizahlen vorzuziehen, da diese weltweit nur „offizielle“ Fälle berücksichtigen.

Region Land Morde je 100.000 Einw.
Europa Österreich 0,6
Schweiz 0,7
Deutschland 0,8
Spanien 0,9
Schweden 0,9
Italien 1,2
Afrika Sudan 27,2
Congo 35,0
Angola 38,6
Cote d’Ivoire 50,8
South Africa 68,0
Orient Egypt 1,2
Turkey 2,9
Saudi Arabia 3,2
Palestina 3,9
Yemen 4,0
Israel 4,7
Asien Japan 0,5
Hong Kong 0,6
China 1,2
Iran 2,9
Afghanistan 3,4
India 5,5
Pakistan 6,8
Iraq 7,3
Sri Lanka 7,4
Südost-Asien Singapore 1,3
South Korea 2,3
Vietnam 3,8
Thailand 7,6
Indonesia 9,3
Malaysia 9,4
Philippines 20,8
Ozeanien Australia 1,2
New Zealand 1,3
Nord-Amerika Canada 1,7
USA 6,0
Mexico 11,6
Latein-Amerika Paraguay 16,1
Brazil 29,2
Venezuela 47,2
Colombia 52,5
Jamaica 59,5
Honduras 60,9

Daraus die Fakten:

  1. Auf 1 Mord in Deutschland kommen 25 Morde in den Philippinen.
    Somit ist die Kriminalität 25x höher als in Deutschland!
  2. Mord ist nur die Spitze des Eisbergs, andere Kriminalität ist ebenso um den gleichen Faktor schlimmer als in Europa. Der hohe Grad an Selbstbewaffnung und Sicherheitsmaßnahmen wie Gitter, Stacheldraht, Mauern, Hunde, Securityguards, Waffen usw. sind ein Beleg der hohen Bereitschaft zur Kriminalität. In diese Abwehrmassnahmen investiert niemand, weil er nichts mit seinem Geld anzufangen weiß.
  3. Nur Länder aus „bürgerkriegsähnlichen“ Zuständen wie z.B. in Afrika und Lateinamerika, haben eine höhere Mordrate. D.h. bereits relativ „kleine“ Ereignisse können das Fass zur Explosion bringen. (Die aktuelle Benzin- und Reispreissteigerungen führen hoffentlich nicht dazu!)
  4. Nachbarländer in Südostasien haben alle eine deutlich niedrigere Mordrate. Somit ist das definitiv kein asiatisches oder regionales Problem, sondern ein REIN philippinisches!

Dazu meine Thesen:

  1. Solange eine Justiz nicht generell, das Menschenleben als das höchste Gut behandelt und jeden Mord konsequent verfolgt, wird das Volk sein Bewusstsein nicht ändern. Beispiel hierfür aus einem Case mit Raub und Mordversuch: Kaution für den Mordversuch lag bei 12.000 PHP (rund 1-2 Monatsgehälter), für den Raub des Motorrads bei 180.000 PHP im selben Gerichtsverfahren!
  2. Dinge wie Korruption, Schwerkriminalität und Morde in höchsten Gesellschaftskreisen sind leider Alltag! Aber diese Dinge machen den Mord des kleinen Mannes salonfähig und sind ein Beispiel für die höchst problematische Gesellschaftsstruktur. Da bleibt dem Präsidenten eine glückliche Hand zu wünschen, bei der Bekämpfung der Zustände.
  3. Die Ursache der extrem hohen Kriminalität der Philippinen, liegt in der katastrophalen Wertevermischung und damit auch der Wertezerstörung, durch die missglückte Einführung des Katholizismus! Der gescheiterte Versuch der Einführung der „Schuldkultur“, welche man der „Schamkultur“ über stülpte, zerbrach das existierende Wertesystem, wobei das Neue nur ansatzweise Einzug hielt. Konsequenz: eine Desorientierung des persönlichen Rechtsempfindens!

 

Die Konsequenz daraus?

Klar ist, dass die Mitschüler (vgl. Kapitel davor) aus sehr wohlhabenden Verhältnissen stammen, wo die Eltern mehrere Unternehmungen haben, man teilweise zusätzlich politisch hochrangig angesiedelt ist und schon alleine deshalb hier wesentlich gefährdeter lebt. Wer selbst sein persönliches Auskommen nicht hier verdienen muss, ist zunächst vordergründig (noch) nicht das Ziel solcher Morde. Aber wenn man weiss, dass es hier fast keinen Mittelstand gibt und man um hier mit einem besseren Lebensstandart leben zu können, in eine berufliche Selbstständigkeit gehen muss (evtl. sogar noch nicht einmal am politischen Engagement vorbei kommt), dann wird klar wie gefährlich das Leben der Kinder einmal sein würde bzw. wie schnell es dann zu Ende sein könnte.

Ich stimme zwar denen zu, die sagen dass man unter Einhaltung der allgemeinen Sicherheitsregeln (kein auffälliger Schmuck, keine dunklen Gassen, nicht mit Fremden um die Häuser ziehen, nicht in Squatterareas wohnen, in geschützten Gebäuden wohnen, usw.) bestimmt 90% der Fälle ausschliessen kann. Dennoch ist die Grundkriminalität, wie die zuvor gezeigte Statistik belegt, bereits auf einem derart hohen Niveau, dass wohl nur ein Anlaß wie eine Hungersnot (bei schnellsteigender Bevölkerungszahl und explodierenden Preisen) ausreicht, um Massenunruhen zu verursachen. Deshalb sollte jeder Ausländer hier Augen und Ohren offen halten – das hat nichts mit notorischem Schwarzsehen zu tun!

Ebenso kann ich an der Stelle nur an die vielen Aussagen der Filipinos erinnern, die mal ein paar Jahre im Ausland gelebt haben: nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen fühlen sie sich im Ausland wohler, sondern auch die Sicherheit ist vielen der Verzicht auf eine Rückkehr wert. Vollmundige Sprüche „von mir will keiner was“, „ich halte immer den Ball flach“ usw. enden häufiger tödlich, als man denkt. Vor allem würde ein Filipino, welcher mal im Ausland lebte und das auch bewerten kann, niemals solch eine Aussage treffen! Rosarote Brille hilft hier leider nicht weiter …

 

Dennoch möchte ich in meiner Einschätzung nicht unsachlich erscheinen:

Wer Kinder hat und denen eine Zukunft bieten möchte, wird sich und seine Kinder anders als der typische Rentner darauf vorbereiten müssen. Jeder Pinoy mit etwas Geld und halbwegs Bildung, schickt seine Kinder ins Ausland. Bitte darüber nachdenken …! Hingegen wer in Bescheidenheit seine Rente hier verleben möchte und dem die Sicherheitsregeln wie hier im Anschluß beschrieben nicht schwerfallen, kann hier glücklich werden.

 

Sicherheitshinweise der „Deutschen Botschaft“

Die Deutsche Botschaft in Manila schreibt am 14.12.2010 in ihrem Merkblatt zu Rechtsanwälten und Gerichtsverfahren:

„Die in der Regel außerordentlich lange Verfahrensdauer, ein oftmals schwer absehbarer Prozessausgang und hohe, von den Parteien selbst zu tragende Anwaltsgebühren lassen eine prozessuale Geltendmachung von Rechten vor philippinischen Gerichten vielfach nicht angezeigt erscheinen.“

Generell schreibt die Botschaft zu den Philippinen in ihren Reise- und Sicherheitshinweisen (Stand 16.02.2011):

Die allgemeine Kriminalitätsrate einschließlich schwerer Gewaltverbrechen ist hoch.

  • Vermeiden Sie, die Aufmerksamkeit durch öffentlich sichtbar getragene Wertgegenstände auf sich zu lenken.
  • Führen Sie keine größeren Bargeldbeträge bei sich.
  • Nutzen Sie Ihre Kreditkarte nur in renommierten Geschäften und Hotels und beobachten Sie den Abrechungsvorgang persönlich.
  • Verriegeln Sie bei Fahrten mit Privat-Pkw oder Taxi in der Stadt die Türen und schließen Sie die Fenster.
  • Nehmen Sie keine Nahrung von Fremden an (Gefahr von K.O.-Tropfen), seien Sie in Gesellschaft bei Alkoholkonsum (Strandfeste) vorsichtig, da unvermittelt Gewalttätigkeit ausbrechen und es dabei zu Todesfällen kommen kann.
  • Lehnen Sie Angebote von Fremden zu Touristenführungen in der Nacht wie auch die Mitnahme von Gepäckstücken (insbesondere für Flug nach Deutschland) ab.
  • Beherzigen Sie die eindringlichen Appelle der Behörden vor illegalem Drogenbesitz, der in den Philippinen mit harten Gefängnisstrafen geahndet wird (ab 5 g lebenslange Freiheitsstrafe, bei Festnahme in einem Flug- oder Fährhafen wird strafverschärfend Handel unterstellt).
  • Von der Benutzung einfacher öffentlicher Transportmittel ist aufgrund des technischen Zustands der Fahrzeuge abzuraten.
  • Auch Nachtfahrten sollten aus Sicherheitsgründen unterlassen werden.