Fußballturnier 2

Endlich war es soweit, erster Auftritt der Tochter. Strategisch hatte ich mich ja auf die Tribüne zurück gezogen, mit dem Effekt dass der Trainer zunächst den Töchtern anderer Eltern mehr Aufmerksamkeit widmen konnte und unsere Tochter zunächst nicht aufstellte. Auch Recht, denn die Besten sollten spielen – na hoffentlich hält er sich dran! Anpfiff für die Gegnermannschaft. Eine nimmt Anlauf, schiesst direkt aufs Tor, doch zum Glück daneben. Die Torfrau holt den Ball und will abspielen, aber zu wem? Die erste Spielerin vor ihr winkt ab. Die zweite verflüchtet sich in Richtung gegnerisches Tor und verliert sich in der Menge. Die dritte wird von Gegenspielerinnen umlagert. Was ist denn das? Niemand bietet sich an, keine läuft sich frei, die haben alle die Hosen voll oder nur Augen für sonst was! Und so kommt es wie es kommen muss: Die Torfrau spielt den Ball endlich zu einer Mitspielerin, die sich sofort unter Druck sieht und den Ball quer übers Feld zu einer Gegnerin drischt.

Die Mädchenmannschaft - (k)ein "Hühnerhaufen"

Die Mädchenmannschaft - (k)ein "Hühnerhaufen"

Aua – und das direkt auf Strafraumhöhe. Ergebnis? Zum Glück waren die Gegnerinnen genau so überfordert und konnten damit auch nichts anfangen. Oh Mann – da kriegst Du Kopfweh! Ich möchte das jetzt wirklich nicht unter dem Klischee „Frauenfußball“ verbuchen. Denn die anderen Spiele der nächsten Altersklasse der Mädchen (U17) waren sehr wohl ansehnlich und haben mir gut gefallen. Aber bei den U15-Mädchen hatte ich bereits die ganze Zeit Ausschau gehalten, ob nicht irgendeine ihr „Schminktäschchen“ rausholt und einen Lidstrich auf dem Fußballfeld an ihr Auge malt! Das war Fußball zum Abgewöhnen. So halte ich das nicht gerade für sinnvoll! Das wird ein Gespräch mit dem Trainer und der Tochter geben und dann schauen wir weiter … Die beiden nächsten Spiele reihten sich nahtlos in das System ein. Am Ende hieß es dann nach einem 0:0 und zwei Niederlagen, Schluß und Aus!

 

Dann abends sollte unser Ältester seine U17 Gruppenspiele haben. Aber es war absehbar, dass er sein letztes Spiel wohl gegen 23 Uhr abhalten würde. So entschlossen wir, als Tribut an den Hunger der Familie und die Gesäßdellen meines Hinterteiles, uns sein erstes Spiel anzuschauen und dann nach Hause zu fahren. Später würde ich ihn dann wieder abholen. Also bereits beim Aufwärmen war das auch ohne Anwesenheit des Trainers klar erkennbar: die Jungs haben einen Plan und wollen was erreichen, was über einen Samstagsausflug rausgeht! Die waren motiviert und das nicht nur, weil ihr „Spielkapitän“ in einem richtigen Fußballclub in Cebu City trainiert und spielt, sondern weil die wie eine richtige Mannschaft auftraten. (http://www.cebufa.org/players.php)

Elfmeterschießen der U17

Elfmeterschießen der U17

Gut zugegeben, die Aussage dass „Scouts“ auf der Suche nach neuen Talenten bei dem Turnier wären, motivierte die Jungs natürlich zusätzlich. Ist ja nichts verbotenes, sich deshalb besser zu konzentrieren und mehr anzustrengen. Als es dann endlich losging, gab es trotz Abendstunden ein erfrischendes und munteres Spiel. Da war man nicht so zimperlich und köpfte auch Bälle, die Zuspiele kamen zumindest teilweise in die richtige Richtung und die Kämpfe um den Ball sahen nicht wie eine Treterei aus, sodass dies etwas mehr Zuversicht ausstrahlte. Dennoch verwunderte mich, dass selbst diese Altersstufe den Anstoß als direkten Torschuß ausführte. Ein Zeichen für die unsicheren Torleute, was mir schon beim Aufwärmen auffiel. Nun trotz munteren Spieles fielen keine Tore und so endete das Spiel 0:0. Dennoch war es spielerisch gesehen eine absolute Steigerung und so gingen wir Richtung Ausgang, wo mir der Schulleiter sagte, dass er unseren Sohn nach Hause bringen wolle und ich deshalb heute nicht noch mal kommen müsste. Das war mir nicht unrecht, da ich inzwischen den Sonnenbrand und die Dellen im Hinterteil immer deutlicher spürte, wenn auch nicht gleichzeitig an der selben Stelle!

 

Als dann später unser Sohn gegen Mitternacht nach Hause kam, berichtete er voller Stolz, dass es seine Mannschaft ins Viertelfinale geschafft habe! Zwar führte der Weg über ein knappes Elfmeterschiessen aus den Gruppenspielen, aber ohne Niederlage! Somit hatten wir eine ungeplante Änderung für den Sonntag: Viertelfinale im Stadion. Immerhin von 22 Mannschaften der „Central Visayas – Region VII“ ins Viertelfinale, ist doch schonmal ganz gut – Respekt! So begann dann irgendwann auch endlich das Spiel. Aber die Jungs machten einen etwas nervösen Eindruck, denn viele Bälle erreichten nicht ihr Ziel. Die Gegner waren konzentrierter und hatten durchaus auch gute Torschüsse. Aber der Torwart und die Abwehr hielt, dass sie keinen Treffer zuließen.

So sehen Gewinner aus, auch wenn sie gerade verloren!

So sehen Gewinner aus, auch wenn sie gerade verloren!

So endete das Spiel torlos und ein erneutes Elfmeterschießen sollte den ersten Halbfinalisten ermitteln. Den ersten Elfer legte sich der „Profi“ unter den Kickern zurecht, nahm Anlauf und drin. Der Gegner verwandelte seinen Elfer jedoch auch, wie auch die nächste Runde. Beim dritten Elfer trat ein Abwehrspieler an, der an und für sich ein gutes Spiel machte, jedoch etwas unsicher schien. Tja er lief an, schoß und der gegnerische Torwart hielt. Da dies dann automatisch die Spielentscheidung bedeutete (die Regeln entsprachen nicht immer den Offiziellen), war man enttäuscht, wenn auch nicht geknickt. Denn immerhin kann man als fünfter von 22 stolz sein und zumindest auf dem Ergebnis aufbauen.

 

Ach so, bevor ich es vergesse. Zu den Nationalitäten der Spieler von den erfolgreicheren Mannschaften, soweit erkennbar vom Aussehen und den auf das Trikot gedruckten Namen, kann man Folgendes sagen: sehr viele Spieler der Mannschaften die über die Gruppenphase rauskamen, waren Ausländer. Fußball und die philippinische Mentalität scheinen (noch) zwei getrennte Veranstaltungen zu sein. Geben wir denen noch eine Weile! Dennoch bewerte ich unter dem Strich, das Ergebnis als eine positive Erfahrung.